Thank you, Uzzah!

In einer denkwürdigen Predigt über die Heiligkeit Gottes greift R.C. Sproul diese besondere Geschichte aus dem Alten Testament auf:

6 Und David zog mit ganz Israel hinauf nach Baala, das ist Kirjat-Jearim, welches in Juda liegt, um die Lade Gottes, des HERRN, der über den Cherubim thront, wo sein Name angerufen wird, von dort heraufzuholen. 7 Und sie ließen die Lade Gottes auf einem neuen Wagen aus dem Haus Abinadabs führen; und Ussa und Achio lenkten den Wagen. 8 David aber und ganz Israel spielten vor Gott her mit aller Kraft, mit Liedern und Lauten, mit Harfen und Handpauken, mit Zimbeln und Trompeten. 9 Als sie aber zur Tenne Kidon kamen, streckte Ussa seine Hand aus, um die Lade zu halten; denn die Rinder waren ausgeglitten. 10 Da entbrannte der Zorn des HERRN über Ussa, und er schlug ihn, weil er seine Hand an die Lade gelegt hatte; und er starb dort vor Gott. 1. Chronik 13:6-10

Religiöse Gefühle bewerten

Der Apostel Paulus ruft uns auf:

Prüft euch selbst, ob ihr im Glauben seid; stellt euch selbst auf die Probe! Oder erkennt ihr euch selbst nicht, daß Jesus Christus in euch ist? Es sei denn, daß ihr unecht wärt! 2. Korinther 13:5

Ein Grund, warum Jonathan Edwards sein Buch Religious Affections geschrieben hat, welches mittlerweile auch auf Deutsch verfügbar ist, war es bekennende Christen genau dazu zu ermutigen. Er veröffentlichte sein Werk 1746 als Resultat einer tiefschürfenden Analyse und qualifizierten Verteidigung der ersten „Großen Erweckung“ in Amerika. Sie begann in seiner Gemeinde in Northampton, Massachusetts, im Jahr 1734.

Wo wird das wahre Evangelium gepredigt?

Tony Reinke von Desiring God hat drei hilfreiche Fragen vorgeschlagen, die man sich stellen sollte, bevor, während oder nachdem man eine Predigt gehört hat. Sie dienen dazu darüber nachzudenken und sich klar zu werden, ob in der Predigt das wahre Evangelium verkündigt wurde. Man kann sich diese Fragen auch stellen, wenn man christliche Bücher liest, christliche Musik hört oder christliche Konferenzen besucht.

Um zu prüfen, ob das Evangelium, was uns da gerade verkündigt wurde, dem biblischen Evangelium entspricht, helfen diese drei einfachen Fragen:

  • Wie werde ich gerettet?
  • Wovor werde ich gerettet?
  • Wozu werde ich gerettet?

Mehr erleben

Es finden in Deutschland regelmäßig Konferenzen statt, die den Christen ein Mehr im Glauben versprechen. Ich habe dabei besonders die zwei großen vor Augen, die Willow Creek Konferenz und die Mehr Konferenz vom Gebetshaus in Augsburg. Der Zustrom ist gewaltig und ist Ausdruck einer Sehnsucht, mehr mit Gott zu erleben. Die Antworten und Angebote der Konferenzen unterscheiden sich zwar leicht (besuche eine hippe Gemeinde bei Willow Creek, connecte direkt mit Gott und anderen beim Gebetshaus), aber ich bezweifle, daß das Versprechen nach Mehr langfristig gehalten werden kann. Das hat vier Gründe.

Veränderung durch das Evangelium

Wer nicht nur gute Ratschläge und oberflächliche geistliche Techniken sucht, sondern sich eine tiefe Veränderung des Herzens wünscht, der sollte das Buch „Alles anders – aber wie?“ von Timothy Lane und Paul Tripp lesen. Es geht eben nicht nur darum, ein paar Bibelverse zu lernen und für ein Thema zu beten, so hilfreich das trotzdem sein mag, sondern das eigene Denken und Handeln mit dem Evangelium zu verbinden.

Wahre Veränderung geschieht, wenn man lernt, sich im Drama der Erlösung Gottes wiederzufinden, daraus die Lehren des Evangeliums zu entdecken und in Anbetung zu verfallen darüber, wie Gott sein Volk rettet. Aus dieser Anbetung folgt der Jüngerschaftsprozeß eines Christen und der Veränderungsprozeß in seelsorglich gesonderten Bereichen.

Martin Luthers Kommentar zum Galaterbrief

In seinem Kommentar zum Galaterbrief verteidigt Luther das Evangelium auf energischste Weise (wie der Apostel Paulus selbst in seiner Epistel). Ich kann manche Aussagen Luthers zu den, wie er sie nennt, Sektierern und Wiedertäufern nicht teilen und denke, daß er nicht in allen Punkten seine Gedanken durch das Wort Gottes reformieren läßt, sondern doch mitunter zur Eisegese bzw. Sprungbrettauslegung neigt.

Aber, der Hauptpunkt des Galaterbriefs, daß wir nicht durch eigene Werke, sondern durch eine fremde Gerechtigkeit, die Martin Luther passive Gerechtigkeit nennt, vor Gott gerechtfertigt werden, den hämmert er eindrücklich in den Schädel jedes Lesers. Kein Wunder, daß Charles Wesley, der Bruder von John Wesley, durch das Lesen dieses Kommentars zum Glauben an Jesus Christus gekommen ist.

Hoffnung in der säkularen Einsamkeit

In diesem Vortrag zeichnet Timothy Keller die Entwicklung hin zum gegenwärtigen Individualismus nach, der allzuoft in Einsamkeit mündet. Er gründet seine Argumentation auf zwei bahnbrechende Bücher des 20. Jahrhunderts: Charles Taylor – Ein säkulares Zeitalter und Habits of the Heart von Robert Bellah.

Dabei zeigt Keller nicht nur die Probleme von Selbstentfaltung und Selbstverwirklichung auf, sondern geht auch kritisch mit der Kirche ins Gericht, die es nicht geschafft hat, die Attraktivität des Evangeliums zu zeigen, welches die Identität des Menschen weder im Staat, der Familie oder im Volk verankert, aber auch nicht im eigenen Selbst, sondern in Christus. Mitunter hat die Kirche durch ihr schlechtes Zeugnis in der Gesellschaft die Menschen in gewisser Hinsicht gezwungen, sich außerhalb der Kirche nach Lösungen für gesellschaftliche und persönliche Probleme umzusehen.

Jonathan Edwards vs. N.T. Wright

Im November 1734 hielt Jonathan Edwards zwei Predigten, in denen er das reformatorische Verständnis der Rechtfertigung verteidigte. Es ist erstaunlich, wie sich die Argumente der Gegner von damals denen ähneln, die heute von der Neuen Paulusperspektive vorgebracht werden.

Angeblich wandte sich Paulus im Galaterbrief nicht gegen die Werke des Gesetzes an sich, sondern nur gegen das Zeremonialgesetz. Wenn er schreibt

Doch weil wir erkannt haben, daß der Mensch nicht aus Werken des Gesetzes gerechtfertigt wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus, so sind auch wir an Christus Jesus gläubig geworden, damit wir aus dem Glauben an Christus gerechtfertigt würden und nicht aus Werken des Gesetzes, weil aus Werken des Gesetzes kein Fleisch gerechtfertigt wird. Galater 2:16

Jonathan Edwards über die besonderen Gaben des Heiligen Geistes

In einer Predigtreihe zu 1. Korinther 13 spricht Jonathan Edwards in seiner zweiten Predigt „Love More Excellent than the Extraordinary Gifts of the Spirit“ über die Rolle der gewöhnlichen und außergewöhnlichen Geistesgaben.

Zunächst unterscheidet er zwischen den allgemeinen Gaben des Heiligen Geistes, die auch Ungläubige erfahren können, und den rettenden Gaben. Der Heilige Geist überführt auch Ungläubige zuweilen von ihrer Sünde und erleuchtet sie auf eine gewisse Weise beim Lesen der Heiligen Schrift. Auch Ungläubige werden vom Geist Gottes manchmal mit Dankbarkeit gegenüber Gott erfüllt oder mit Trauer über die eigene Verlorenheit. Dem gegenüber gibt es ein Wirken des Heiligen Geistes, welches auf die Erwählten beschränkt ist. Ihnen schenkt er rettenden Glauben, Liebe und alle anderen erlösenden Gnadengaben.

Selbstgewählter Gottesdienst

Zur Zeit der Reformation, als Kaiser Karl V. gerade einen Reichstag zu Speyer abhielt (1544), schrieb Johannes Calvin auf Anraten Martin Bucers zu diesem Anlaß ein kurzes Traktat, um den Kaiser und die Fürsten davon zu überzeugen, daß die Reformation der Kirche wirklich notwendig gewesen war.

Was mich beim Lesen dieses Traktates überraschte, war daß der Kernpunkt der Kritik Calvins an der katholischen Kirche nicht deren Verständnis der Rechtfertigung (Glaube+Werke) ist, sondern ihr Verständnis der Anbetung Gottes. Calvin macht seine Kritik unter anderem an Kolosser 2:23 fest, welches von selbstgewähltem Gottesdienst (ἐθελοθρησκίᾳ) spricht.