Uneingelöste Versprechen

Os Guinness macht in seinem Buch „Asche des Abendlandes“ eine sehr treffende Analyse des Humanismus. Dieser konnte seine hochfliegenden Versprechen niemals einlösen.

Ehre dem Menschen in der Höhe, dem Schaffer und Meister der Dinge. A.C. Swinburne

Alle Probleme des Menschen wurden von ihm selbst geschaffen und können auch von ihm selbst gelöst werden. John F. Kennedy

Eine große Hoffnung stützte sich dabei auf die Technik, die J.R.R. Tolkien die Magie des modernen Menschen nannte. Aber Technik kann nur die äußeren Begleitumstände des Lebens verbessern, niemals die Kernfragen unseres Herzens beantworten, noch unsere Kernprobleme lösen.

Jesu Zorn und Mitgefühl

Am Grab von Lazarus spielte sich eine Szene ab, die unendlich viel über das Wesen unseres Retters aussagt:

Als nun Jesus sah, wie sie weinte, und wie die Juden, die mit ihr gekommen waren, weinten, ergrimmte er im Geist und wurde bewegt. Johannes 11:33

B.B. Warfield erklärt den Grimm von Jesus in dieser Situation folgendermaßen:

Die Sicht auf das Leid Marias und ihrer Gefährten erzürnte Jesus, weil es ihn spürbar an die Bosheit des Todes erinnerte, seine Unnatürlichkeit und seine „gewaltsame Herrschaft“, wie Calvin sie bezeichnet. Durch die Trauer Marias – um es mit Calvins Worten zu sagen – denkt Jesus über das allgemeine Leid des ganzen Menschengeschlechts nach und entbrennt in Zorn über den Unterdrücker der Menschen. Unauslöschlicher Grimm erfaßt ihn; sein ganzes Wesen wird bewegt und verstört.

Was sagt denn die Schrift?

Das baptistische Glaubensbekenntnis von 1649 enthält folgende interessante Passage zur Herangehensweise an die Heilige Schrift und zur Art und Weise, wie man Theologie betreiben sollte:

Der ganze Ratschluß Gottes bezüglich all der Dinge, die zu seiner eigenen Ehre und für die Erlösung, den Glauben und das Leben des Menschen notwendig sind, ist entweder ausdrücklich in der Schrift dargelegt oder kann mit Gewißheit aus der Schrift erschlossen werden. Zu ihr darf zu keiner Zeit irgend etwas hinzugefügt werden, weder durch neue Offenbarung des Geistes noch durch menschliche Überlieferungen. (siehe 2 Tim 3,15-17; Gal 1,8-9)

Körper vs. Seele

Augustinus schreibt in einem frühen Brief nach seiner Bekehrung folgendes über das Verhältnis von Leib und Seele an seinen Freund Nebridius:

Woraus bestehen wir? Aus Leib und Seele. Was von diesen ist das Bessere? Offenbar die Seele. Was lobt man am Leibe? Nichts anderes, soweit ich sehe, als seine Schönheit. Worin besteht die Schönheit des Körpers? In dem Ebenmaß seiner Teile, verbunden mit einer gewissen Anmut der Farbe. Wo ist nun diese Schönheit größer, dort wo sie wahr oder wo sie falsch ist? Wer könnte auch nur zweifeln, daß sie dort größer ist, wo sie wahr ist? Wo ist sie nun wahr? Natürlich in der Seele. Die Seele ist also mehr zu lieben als der Körper. Aber in welchem Teile der Seele befindet sich diese Wahrheit? Im Geiste und in der Erkenntnis. Was arbeitet diesen entgegen? Die Sinnlichkeit. Also muß man der Sinnlichkeit aus aller Kraft Widerstand leisten? Offenbar.

Ein reformierter Bücherschrank

Daniel Hyde empfiehlt in seinem Buch „Welcome to a Reformed Church“ mehrere Bücher für Menschen, die sich für die reformierte Lehre interessieren oder zum ersten Mal eine reformierte Kirche besuchen.

Theologie


Allgemein

Robert Godfrey – An Unexpected Journey: Discovering Reformed Christianity

Michael Horton – Putting Amazing Back into Grace

R.C. Sproul – What Is Reformed Theology? Understanding the Basics

Johannes Calvin – Christliche Glaubenslehre

Bund

Michael Horton – God of Promise: Introducing Covenant Theology

Gott

J.I. Packer – Gott erkennen

R.C. Sproul – Die Heiligkeit Gottes

R.C. Sproul – Chosen by God

Ein reformierter Umgang mit christlichen Berühmtheiten

Wenn Gott Menschen auf eine besondere Weise begabt, die Bibel zu lehren, und ihnen einen fruchtbaren Dienst schenkt, dann ist das zunächst erst einmal Grund zur Dankbarkeit. Es ist ein Zeichen der Gnade Gottes, daß er seinem Volk fähige Lehrer schenkt.

Und Er hat etliche als Apostel gegeben, etliche als Propheten, etliche als Evangelisten, etliche als Hirten und Lehrer, zur Zurüstung der Heiligen, für das Werk des Dienstes, für die Erbauung des Leibes des Christus. Epheser 4:11-12

Reformierte Anbetung

Ein Hauptanliegen der Reformatoren und vielleicht das wichtigste Anliegen von Johannes Calvin war die Reformation der Anbetung in den Gemeinden. Christen sollten Gott nicht länger in selbstgewähltem Gottesdienst anbeten, sondern gemäß seines offenbarten Willens.

Was will Gott im zweiten Gebot?
Gott will, dass wir ihn in keiner Weise abbilden, 5. Mose 4, 15-19 / Jes; 40, 18-20.25
noch ihn auf irgendeine andere Art verehren, Röm 1, 23-24 / Apg 17, 29
als er es in seinem Wort befohlen hat. 1. Sam 15, 23 / Mt 15, 9 / 5. Mose 12,30-32

Heidelberger Katechismus, Frage 96

Neue Gemeinden braucht das Land

Wie kann man bestehende Gemeinden verändern? Insbesondere wenn man das Anliegen hat, daß sich Gemeinden wieder am Evangelium ausrichten, stellt sich diese Frage mitunter recht häufig, wenn man die Gemeindelandschaft in der eigenen Region anschaut oder vielleicht sogar die Gemeinde, in der man selbst Mitglied ist.

Mark Dever hat das sehr hilfreiche Buch „Der Weg zur authentischen Gemeinde“ geschrieben, welches viele Anregungen gibt, wie man Veränderungsprozesse in der eigenen Gemeinde anstoßen kann. Allerdings hat man es oft mit einem enormen Widerstand zu tun. Dieser stammt zu einem großen Teil daher, daß Menschen an bestimmte Überzeugungen und Formen gewöhnt sind und diese nur schwer ändern wollen. Im Marketing spricht man bei der Einführung von Innovationen von sogenannten frühen Übernehmern, denen eine Mehrheit gegenübersteht, die erstmal sehen will, daß sich die Innovation bewährt hat, bevor sie bereit ist, sie selbst zu übernehmen.

Solschenizyns wichtigste Rede

Am 8. Juni 1978 hielt Alexander Solschenizyn seine wohl bekannteste Rede an der Universität Harvard, bei der er schonungslos die Schwächen des Westens aufdeckte. Ich denke, an seiner Analyse hat sich auch 2017 nichts geändert.

Ein zentraler Kritikpunkt von Solschenizyn ist, daß der Westen seine christlichen Wurzeln in Richtung eines sinnentleerten Humanismus und Konsumismus verlassen hat. Das hat zur Folge, daß es ihm sowohl an Mut als auch an einem Wertekompaß fehlt, die beide nur auf dem Boden starker (christlicher) Überzeugungen entstehen. Dadurch ist der Westen nicht mehr gewappnet, mit seinen Herausforderungen und seinen Gegnern (auch damals schon Terroristen) umzugehen.

Drama, Lehre, Anbetung, Jüngerschaft

Michael Horton hat ein wunderbares Raster entwickelt, das uns helfen kann, die Bibel zu verstehen und anzuwenden. Es setzt sich aus vier Teilen zusammen:

Drama – die Geschichte, die Gott mit seinem Volk schreibt

Lehre – die Lehren, die aus dieser Geschichte folgen

Anbetung – die Anbetung, die die Geschichte und das, was sie über Gott lehrt, bei uns auslöst

Jüngerschaft – die Jüngerschaft, die als Frucht daraus entsteht

In seinem Buch „The Gospel Commission – Recovering God’s Strategy for Making Disciples“ schreibt Horton dazu folgendes: