Hartmut zur Hochzeit

Eine bessere Auferstehung

Am 20. August 2014 ist mein Vater überraschend verstorben. Ich möchte hier die Predigt der Trauerfeier wiedergeben, die unter anderem auf Johannes 11:25 eingeht, mit dem Versprechen Jesu:

Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.

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Christus im Alten Testament

Christus aus dem Alten Testament verkündigen

Das Alte Testament wird in den Predigten oft vernachlässigt, weil man unbewußt oder bewußt davon ausgeht, daß es keine Relevanz für den neutestamentlichen Christen hat. Diesem Vorurteil begegnet die biblische Theologie, die aufzeigen will, wie das ganze Alte Testament auf Christus hinweist und als Verdeutlichung des Evangeliums verstanden werden kann. Die Grundlage dazu bildet die Aussage von Jesus aus Johannes 5:39.

Ihr erforscht die Schriften, weil ihr meint, in ihnen das ewige Leben zu haben; und sie sind es, die von mir Zeugnis geben.

Sidney Greidanus zeigt in seinem Buch „Preaching Christ from the Old Testament“ sieben Wege auf, wie man durch das Alte Testament auf Christus hinweisen kann.

Zunächst gibt es den Weg des heilsgeschichtlichen Fortschritts. Die biblische Geschichte läßt sich grob in vier Teile einteilen: Schöpfung und Sündenfall, Erlösung im Alten Testament, Erlösung im Neuen Testament, neue Schöpfung. Bei diesem ersten Weg ordnet man den Text des Alten Testaments, der die Grundlage der Predigt bildet, in dieses Schema ein und zeigt auf, wie sich die Heilgeschichte durch diesen Text weiterentfaltet.

Der nächste Weg beinhaltet die Achse Versprechen und Erfüllung. Man zeigt auf, wie durch einen alttestamentlichen Text ein Versprechen gegeben wird, welches durch das Kommen des Messias erfüllt wird. Dabei kann es bei einigen Verheißungen auch mehrere Erfüllungen geben: eine im direkten Kontext des Alten Testaments, eine in Christus, eine im Neuen Testament und schließlich eine Erfüllung in der neuen Schöpfung.

Einen dritten Weg bildet die Typologie, bei der man untersucht, wie im Alten Testament Personen oder geistliche Wahrheiten angedeutet werden (Typus), die im Neuen Testament erfüllt werden (Antityptus). Um die Typologie davor zu schützen, in Allegorese abzurutschen, bei der man willkürlich geistliche Parallelen aus den alttestamentlichen Texten herausliest, empfiehlt Greidanus folgende Schutzfunktionen: Zunächst sollte eine Typologie immer auf einer literarisch-historischen Auslegung fußen, bei der man versucht, den ursprünglichen Sinn des Textes herauszuarbeiten. Dann sollte man Typen nicht in den nebensächlichen Details einer Geschichte, sondern nur in der zentralen Botschaft suchen. Drittens sollte man die symbolische Bedeutung eines Textes herausarbeiten. Wenn der Text selbst im Alten Testament keine symbolische Wirkung über seinen unmittelbaren Kontext heraus enthält, dann ist er auch kein Typus für das Neue Testament. Viertens sollte man auf den Kontrast zwischen dem Typus und seiner neutestamentlichen Erfüllung achtgeben, denn im Neuen Testament erscheint der Antitypus oft als Eskalation seines alttestamentlichen Typus. Schließlich sollte man sich laut Greidanus nicht nur damit begnügen, eine typologische Verbindung aufzuzeigen, sondern Christus verkündigen und zum Vertrauen auf ihn aufrufen.

Ein weiterer Weg ist die Analogie, bei der man historische Parallelen zwischen dem Geschehen im Alten Testament und einer Begebenheit oder Lehre im Neuen Testament aufzeigt.

Es gibt darüber hinaus die Möglichkeit, aus einem alttestamentlichen Text ein bibelübergreifendes Thema herauszuarbeiten und dann aufzuzeigen, wie dieses Thema durch die Bibel hindurch aufgegriffen und erhellt wird.

Als sechste Möglichkeit kann man mit den Bezügen im Neuen Testaments auf das Alte Testament arbeiten und untersuchen, wie und warum die Autoren das Alte Testament zitieren und in ihre theologische Argumentation einarbeiten.

Als letzte Möglichkeit bietet sich der Weg des Kontrasts, bei dem man aufzeigt, wie eine Lehre oder ein Beispiel aus dem Alten Testament im Neuen Testament durch das Kommen des Messias völlig umgekehrt wird.

Wir dürfen das Alte Testament als einen Schatz auffassen, aus dem wir reichlich für unseren Predigtdienst schöpfen können. Die biblische Theologie reicht uns die Mittel dazu dar, um diesen Schatz zu heben. Unsere Gemeinden werden theologisch robuster und im Evangelium gegründeter sein, wenn wir sie anhand dieser sieben Wege mit dem Alten Testament und seiner Erfüllung in Christus vertraut machen.

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Birnbaum

Das Evangelium der Gnade nach Augustinus

In seiner ergreifend geschriebenen Autobiographie „Bekenntnisse“ schildert der Kirchenvater Augustinus, wie er zum Glauben an Jesus Christus gekommen ist. Dabei geht er auch sehr offen mit der Sünde in seinem Leben um. Eine Begebenheit aus dem vierten Kapitel des zweiten Buches ist besonders eindrücklich:

Gewiß straft, o Herr, dein Gesetz den Diebstahl und das Gesetz, das geschrieben stehet im Menschenherzen, das selbst die Sünde nicht tilgt. Denn gibt es wohl einen Dieb, der einen andern mit Gleichmut duldet? Nicht einmal der Reiche, der Überfluß hat, duldet den durch Mangel zum Diebstahl getriebenen Dieb. Und ich war willens, einen Diebstahl zu begehen, und beging ihn weder durch die Not noch durch den Mangel dazu getrieben, sondern durch den Ekel vor der Gerechtigkeit und die Gier nach Ungerechtigkeit. Denn ich stahl, was ich im Überfluß besaß und weit besser; und nicht der Genuß an der Sache selbst, sondern am Diebstahl und an der Sünde war es, den ich begehrte. In der Nähe unseres Weinberges stand ein Birnbaum, mit Früchten beladen, die jedoch weder durch ihr Aussehen noch ihren Geschmack reizen konnten. Diese abzuschütteln und fortzutragen, begaben wir ruchlosen Jünglinge uns in später Nachtstunde, bis zu der wir in Spielhäusern nach schändlichem Brauche das Spiel herausgezogen hatten, dorthin und trugen große Massen hinweg, nicht um sie zum Mahle zu genießen, sondern um sie den Schweinen vorzuwerfen, nachdem wir ein wenig davon gekostet hatten nur um nach unserem Geiste Unerlaubtes zu tun. Siehe mein Herz an, o mein Gott, siehe mein Herz an, denn du hast dich seiner erbarmt, da es in der Tiefe des Abgrundes schmachtete. Und was es dort suchte, das sage dir jetzt mein Herz, daß ich um nichts böse war, ohne irgend etwas dadurch erreichen zu wollen; boshaft war ich, nur um boshaft zu sein. Schändlich war es und ich liebte es, ich liebte das Verderben, ich liebte meinen Abfall (von dir), nicht das Objekt meines Abfalls, sondern meinen Abfall selbst: schändliche Seele, die sich, von deiner Himmelsfeste trennend, selbst verbannt, die nicht etwas durch Schande, nein die Schande selbst begeht.

Die Erkenntnis der innenwohnenden Sünde und das Ausmaß der eigenen Bosheit muß für das theologische Verständnis des Augustinus als maßgeblich erachtet werden. Wenn unser Herz so durch und durch böse ist und sich gegen Gott und sein Gesetz selbst ohne eigenen Vorteil auflehnt, dann hilft nur die allmächtige Gnade von außen, um ein neues Herz und echte Liebe zu Gott zu schaffen. Augustinus wandte sich später entschieden gegen Pelagius und dessen Lehre vom freien Willen, wonach der Mensch in sich das Potential zum Guten trägt und nur durch entsprechende Motivation und Gottes Hilfe angeregt werden muß. Augustinus erkannte in seinem eigenen Leben, was auch der König David erkannte, nämlich daß die Sünde so tief im Herzen verwurzelt ist, daß keiner sich aus eigener Kraft für das geistliche Gute entscheiden kann.

5 Denn ich erkenne meine Übertretungen, und meine Sünde ist allezeit vor mir. 6 An dir allein habe ich gesündigt und getan, was böse ist in deinen Augen, damit du recht behältst, wenn du redest, und rein dastehst, wenn du richtest. 7 Siehe, in Schuld bin ich geboren, und in Sünde hat mich meine Mutter empfangen. Psalm 51:5-7

Deshalb feierte Augustinus, wie schon vor ihm der König David, die souveräne Gnade Gottes, die in ihm „ein reines Herz und einen willigen Geist“ (Psalm 51:12) erschaffen hat. Das geschah nicht durch Kooperation seines sündigen Willens, sondern war ein Geschenk der Gnade Gottes.

So lobte im Neuen Testament auch der Apostel Paulus die große Gnade Gottes, die das vermochte, was er durch die innenwohnende Sünde nie geschafft hätte: das Gesetz Gottes zu lieben.

23 Ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das gegen das Gesetz meiner Gesinnung streitet und mich gefangennimmt unter das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist. 24 Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem Todesleib? 25 Ich danke Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn! So diene ich selbst nun mit der Gesinnung dem Gesetz Gottes, mit dem Fleisch aber dem Gesetz der Sünde. Römer 7:23-25

Das Evangelium der heiligsten Männer der Kirchengeschichte lautete niemals „Streng dich an und Gott gibt seine Hilfe dazu“, sondern

„O Gnade Gottes, wunderbar
Hast du errettet mich.
Ich war verloren ganz und gar,
War blind, jetzt sehe ich.“

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Gemeinschaft ums Kreuz

Für eine evangeliumszentrierte Gemeinde

Die Gemeindephilosophie der meisten Freikirchen unserer Zeit läßt sich gut in vier Ansätze einteilen.

Das ist zunächst die Gemeinde als Familie. Viele ältere Gemeinden entwickeln sich in dieses Gemeindemodell. Dabei steht die Gemeinschaft und Eintracht der Mitglieder im Zentrum des Gemeindeanliegens. Die entscheidende Frage, die man sich stellt ist: Wie können wir sicherstellen, daß sich die Mitglieder unserer Gemeinde wohlfühlen und zusammenhalten?

Ein weiterer Ansatz ist die besucherorientierte Gemeinde. Obwohl es hier sehr viele verschiedene Untergruppen gibt, ist doch das gemeinsame Hauptanliegen, Menschen zu erreichen, die noch nicht zur Gemeinde gehören. Ob man nun versucht, die Predigt an den Bedürfnissen der Besucher auszurichten oder einen gesellschaftstransformatorischen Ansatz verfolgt, so ist doch die Frage am Ende die gleiche: Wie können wir unsere Gemeinde so gestalten, daß sie anziehend für Außenstehende wirkt?

Als dritte Möglichkeit wird die charismatische Variante verfolgt, in der man versucht, in der Gemeinde besondere geistliche Erfahrungen zu schaffen, sei es durch ausgiebige Lobpreiszeiten oder die Ausübung geistlicher Gaben wie Prophetie und Zungenrede. Bei diesem Ansatz wird der Fokus noch enger. Die primäre Frage lautet: Wie kann ich Gott auf eine besondere Weise erfahren und dadurch Hilfe und Heilung für mein Leben gewinnen?

Als neue, aber eigentliche alte, Variante hat sich ein Fokus auf das Evangelium entwickelt. Dabei wird nicht zuerst erst nach der Wirkung nach außen oder nach den eigenen Bedürfnissen gefragt, sondern das zentrale Anliegen besteht darin: Wie wird Gott am meisten verherrlicht? Seine Herrlichkeit im Evangelium steht im Zentrum der Gemeinde und alles ist darauf ausgerichtet, ihm Ehre zu bringen. Das heißt nicht, daß die anderen Anliegen unbedeutend sind, sie haben aber eine zweitrangige Priorität.

Ein Artikel, der kürzlich auf der Webseite von der Gospel Coalition erschienen ist, veranschaulicht sehr gut den Unterschied zwischen dem zweiten und dem vierten Ansatz. Ich möchte die Hauptpunkte hier wiedergeben, weil ich denke, daß gerade junge Gemeinden vor der Entscheidung stehen, welche Richtung sie ihrer Arbeit geben wollen.

Besucherorientierte Gemeinden sind von folgenden acht Merkmalen charakterisiert. Die Predigten verkündigen oft einen moralistischen, therapeutischen Deismus (Christian Smith). Sie sind moralistisch, weil sie sich darauf konzentrieren, was wir tun müssen, statt darauf, was Christus im Evangelium für uns getan hat. Sie sind therapeutisch, weil der Mensch mit seinen Bedürfnissen im Mittelpunkt steht. Und sie sind deistisch, weil Gott nicht in seiner ganzen Souveränität und Autorität gepredigt wird, sondern ein Gott, der nur dann eingreift, wenn wir ihn brauchen und wollen. Außerdem verfolgen besucherorientierte Gemeinden oft eine Ideologie des Pragmatismus, wo nicht primär gefragt wird, was biblisch ist, sondern was funktioniert. Sie verkündigen daher ein verkürztes Evangelium, welches im Gemeindeleben meist in den Hintergrund tritt. Es besteht die Tendenz, Größe mit Erfolg zu verbinden, obwohl in der Bibel Erfolg eher an der Treue zum Auftrag gemessen wird. Mitglieder werden oft reduziert auf ihre Fähigkeit, zum Gemeindeerfolg beizutragen. Es findet zumeist keine ausreichende Nachbetreuung und Jüngerschaft der Menschen statt, die zum Glauben gekommen sind. Die Bibel wird nicht auslegend gepredigt und studiert, sondern reduziert auf eine Sammlung erbaulicher Zitate. Man gibt sich den Schein der Relevanz und Innovation und isoliert sich von Kritik an den Grundannahmen der Gemeinde.

Dagegen versucht eine evangeliumszentrierte Gemeinde nicht nur auf die Autorität der Schrift zu vertrauen, sondern auch auf ihre Genügsamkeit. Sie braucht nicht tausend Extras, sondern vertraut auf die Macht des Wortes. In den Predigten wird das vollbrachte Werk Jesu betont, statt unseres Werkes der Nachfolge und des Gemeindebaus. Jesus ist der Star, nicht nur ein Nebendarsteller. Es wird eine bedeutsame Gemeindemitgliedschaft praktiziert, die ganzheitliche Jüngerschaft, pastorale Fürsorge und Gemeindezucht beinhaltet. Mitglieder werden zu Missionaren zugerüstet, die nach außen gehen. Die Gemeinde hat eher ein neutestamentliches Modell des „geht hin und verkündigt“ statt eines „kommt her und seht“, wie es im Alten Testament üblich war. Eine solche Gemeinde vertraut auf das Evangelium allein, um Veränderung im Leben der Mitglieder zu bewirken. Sie begnügt sich nicht mit inspirierenden Ansprachen, die nur kurzfristig einen Anschub geben. Das Mahl des Herrn wird regelmäßig gefeiert, weil das Evangelium im Zentrum des Gemeindelebens steht. Sie verläßt sich auf die Robustheit des Evangeliums, um die Gläubigen sowohl in der Rechtfertigung als auch in der Heiligung zu gründen. Schließlich wird die Gemeinde als eine Gemeinschaft der Heiligen verstanden, nicht nur als ein Gottesdienst oder ein Veranstaltungsbüro.

Ich bin überzeugt, daß dieses evangeliumszentrierte Gemeindemodell sowohl das biblische als auch das langfristig erfolgreiche Modell ist. Die anderen drei Modelle haben einen scheinbaren, kurzfristigen Erfolg, indem sie ein gutes Gemeinschaftsgefühl, schnelles Wachstum oder tolle Erfahrungen ermöglichen. Aber all das wird das geistliche Leben der Mitglieder nicht langfristig erfüllen und voranbringen. Stattdessen wird die anfängliche Begeisterung abflachen und am Ende wird unklar sein, wer überhaupt zu Christus bekehrt ist oder wer einfach nur deshalb dabei ist, weil er von der Gemeinde Nutzen ziehen kann. Es wird eine Herausforderung sein, gerade junge Gemeindegründer davon zu überzeugen, sich nicht von den Modellen zwei und drei blenden zu lassen, sondern auf das robuste Evangelium von Jesus Christus zu vertrauen, welches die Macht hat, das Leben der einzelnen Gläubigen, wie auch eine ganze Gemeinde, gedeihen zu lassen.

Das Wort der Wahrheit des Evangeliums, das zu euch gekommen ist, wie es auch in der ganzen Welt ist und Frucht bringt, so wie auch in euch, von dem Tag an, da ihr von der Gnade Gottes gehört und sie in Wahrheit erkannt habt. Kolosser 1:5-6

von Stefan Beyer

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Die Weltseligkeit der Kirche

„Die nationalsozialistische deutsche Führung hat mit zahlreichen Dokumenten unwiderleglich bewiesen, daß dieser Krieg in seinen weltweiten Ausmaßen von den Juden angezettelt worden ist. Sie hat deshalb im Inneren wie nach außen die zur Sicherung des deutschen Lebens notwendigen Entscheidungen und Maßnahmen gegen das Judentum getroffen.

Als Glieder der deutschen Volksgemeinschaft stehen die unterzeichneten deutschen evangelischen Landeskirchen und Kirchenleiter in der Front dieses historischen Abwehrkampfes, der unter anderem die Reichspolizeiverordnung über die Kennzeichnung der Juden als der geborenen Welt- und Reichsfeinde notwendig gemacht hat, wie schon Dr. Martin Luther nach bitteren Erfahrungen die Forderung erhob, schärfste Maßnahmen gegen die Juden zu ergreifen und sie aus deutschen Landen auszuweisen.

Von der Kreuzigung Christi bis zum heutigen Tag haben die Juden das Christentum bekämpft oder zur Erreichung ihrer eigennützigen Ziele mißbraucht oder verfälscht. Durch die christliche Taufe wird an der rassischen Eigenart eines Juden, seiner Volkszugehörigkeit und seinem biologischen Sein nichts geändert. Eine deutsche evangelische Kirche hat das religiöse Leben deutscher Volksgenossen zu pflegen und zu fördern. Rassejüdische Christen haben in ihren keinen Raum und kein Recht…“

Es erhellend und oft erschreckend zu lesen, wie die Kirche zu unterschiedlichen Perioden der Geschichte vor dem Zeitgeist kapituliert hat. Sie hat vergessen, daß wir in einer Welt leben, die Christus und sein Evangelium haßt (Johannes 15:18) und in ihren Werten nicht zur Heiligkeit, das heißt zur Liebe Gottes, drängt (1. Johannes 2:15-17).

Deswegen ist es unsere Aufgabe als Christen, unser Denken am Wort Gottes erneuern zu lassen (Römer 12:2). Wir können und dürfen nicht davon ausgehen, daß die Überzeugungen, die uns als absolut natürlich und richtig erscheinen, auch wirklich der biblischen Wahrheit des Evangeliums entsprechen. Ich denke, wenn Christen aus anderen Epochen auf die Kirche unserer Zeit schauen würden, dann würde ihnen sofort die Weltlichkeit in unserem Leben auffallen, für die wir selber blind sind, weil wir wie ein Fisch im Wasser nicht mehr merken, daß wir naß sind.

In dem Versuch, den Glauben der eigenen Generation weiterzugeben, steht die Kirche immer wieder in der Versuchung der Akkommodation: des Veränderns der biblischen Aussagen und des Angleichens des Lebensstils an die zeitgenössische Mode. Die Lösung ist nun nicht ein Zurückgehen auf eine Glaubensäußerung der Vergangenheit, die nur vielfach selbst wieder die Mode ihrer Zeit widerspiegelt. Stattdessen müssen wir immer wieder zurück zum Evangelium und unser ganzes Leben von ihm her bestimmen lassen. Das Evangelium ist die ewige Botschaft, die zu jeder Zeit spricht. Es fordert uns heraus aus der Welt und verändert uns, nur um uns dann wieder als ein Licht in die Welt zu senden.

Zu diesem Leben aus dem Evangelium gehört Mut. Der Mut an die Wahrheit Gottes zu glauben, auch wenn sie alle Menschen Lügen straft (Römer 3:4). Es braucht aber auch Glauben an die Kraft dieser Botschaft, die es nicht nötig hat, angepaßt und verwässert zu werden, sondern in sich die Dynamis trägt, Menschen jeden Hintergrunds zu retten (Römer 1:16).

Der Apostel Paulus ruft seinen Schüler Timotheus in seinem letzten überlieferten Brief immer wieder dazu auf, daß Evangelium zu bewahren und mutig zu verkündigen. Timotheus sollte nicht aus Angst oder aus falscher Liebe zur Welt die Botschaft verändern, sondern treu das Wort verkündigen, „sei es gelegen oder ungelegen“ (2. Timotheus 4:2). Diese Botschaft ist das „edle anvertraute Gut“, das er durch den Heiligen Geist bewahren soll (2. Timotheus 1:14).

Wir sollen die Welt lieben, im Sinne, daß wir barmherzig mit ihr sind und wünschen, daß Menschen aus ihr gerettet werden (1. Timotheus 2:3,4). Aber als Kirche dürfen wir zur gleichen Zeit niemals vergessen, daß wir innerhalb eines „gegenwärtigen bösen Weltlaufs“ leben, aus dem uns Christus „herausgerettet“ hat (Galater 1:4). Diese Welt ist voller Abgötter (1. Johannes 5:21) und das letzte, was wir als Kirche tun sollten, ist ihr blind zu folgen.

Wir brauchen eine gehörige Portion Unterscheidungsvermögen, damit wir prüfen können, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist (Römer 12:2). Dazu müssen wir uns vor Gott demütigen und durch seinen Geist verändern lassen. Wir müssen wie David beten:

23 Erforsche mich, o Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich es meine; 24 und sieh, ob ich auf bösem Weg bin, und leite mich auf dem ewigen Weg! (Psalm 139:23-24)

von Stefan Beyer

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Die Kennzeichen eines treuen Dienstes am Evangelium

Mp3: Die Kennzeichen eines treuen Dienstes am Evangelium

  • Paulus hat ein sehr besonderes Verhältnis zur Gemeinde in Ephesus, die er mitgegründet hatte und wo er viel Zeit zu Beginn seiner dritten Missionsreise verbracht hatte.
  • Später sandte er Timotheus als Pastor nach Ephesus und schließlich würde sogar Johannes dort dienen.
  • Die Gemeinde hatte für ihn strategische Bedeutung für die ganze Region.
17 Von Milet aber sandte er nach Ephesus und ließ die Ältesten der Gemeinde herüberrufen.
  • Als Paulus sich auf der Rückreise befand, wollte er nochmal ausdrücklich mit den Ältesten der Gemeinde in Ephesus sprechen und sie besonders ermahnen und ermutigen.
  • Nebenbei gemerkt merken wir hier die Struktur der neutestamentlichen Gemeinden:
    • kongregationalistisch (Paulus besucht einzelne Gemeinden)
    • ältestengeführt (Paulus trifft sich gesondert mit den Führern der Gemeinde)
18 Und als sie zu ihm gekommen waren, sprach er zu ihnen: Ihr wißt, wie ich mich vom ersten Tag an, als ich Asia betrat, die ganze Zeit unter euch verhalten habe,
19 daß ich dem Herrn diente mit aller Demut, unter vielen Tränen und Anfechtungen, die mir widerfuhren durch die Nachstellungen der Juden;
  • Paulus war zunächst der Gemeinde ein Vorbild gewesen im Lebenswandel: Er diente dem Herrn aufrichtig und mit echter Liebe für die Gemeinde.
  • Er mußte seinen Dienst im Kontext von Anfechtungen und Verfolgungen ausführen und nahm diese bereitwillig auf sich.
    • Er veränderte nicht seinen Dienst oder seine Botschaft, um Anfechtungen zu entgehen.
20 und wie ich nichts verschwiegen habe von dem, was nützlich ist, sondern es euch verkündigt und euch gelehrt habe, öffentlich und in den Häusern,
21 indem ich Juden und Griechen die Buße zu Gott und den Glauben an unseren Herrn Jesus Christus bezeugt habe.
  • Paulus hatte das ganze Evangelium verkündigt: Buße zu Gott und Glauben an den Herrn Jesus Christus.
  • Er lehrte sowohl öffentlich als auch in persönlicher Jüngerschaft.
22 Und siehe, jetzt reise ich gebunden im Geist nach Jerusalem, ohne zu wissen, was mir dort begegnen wird, 23 außer daß der Heilige Geist von Stadt zu Stadt Zeugnis gibt und sagt, daß Fesseln und Bedrängnisse auf mich warten. 24 Aber auf das alles nehme ich keine Rücksicht; mein Leben ist mir auch selbst nicht teuer, wenn es gilt, meinen Lauf mit Freuden zu vollenden und den Dienst, den ich von dem Herrn Jesus empfangen habe, nämlich das Evangelium der Gnade Gottes zu bezeugen. 25 Und nun siehe, ich weiß, daß ihr mein Angesicht nicht mehr sehen werdet, ihr alle, bei denen ich umhergezogen bin und das Reich Gottes verkündigt habe.
  • Paulus selbst war das Beispiel für ein Leben, welches dem Evangelium geweiht war.
  • Seine höchste Leidenschaft war es, das Evangelium der Gnade Gottes zu bezeugen.
  • Er betrachtete seinen Dienst als eine göttliche Berufung und Auftrag.
  • Er war bereit, Gott dahin zu folgen, wo er ihn hinführen würde.
  • Wie betrachtete Paulus Erfolg in seinem Leben: Das Evangelium treu zu verkündigen.
  • Für ihn war das Evangelium sowohl eine Botschaft der Gnade als auch des Reiches Gottes.
26 Darum bezeuge ich euch am heutigen Tag, daß ich rein bin von aller Blut. 27 Denn ich habe nichts verschwiegen, sondern habe euch den ganzen Ratschluß Gottes verkündigt.
  • Wie der Wächter aus Hesekiel 3 sah Paulus seine Verantwortung darin, die Botschaft umfassend und treu auszurichten, die er von Gott bekommen hatte.
  • Der Wächter ist nicht verantwortlich, ob die Menschen auf die Nachricht hören.
  • Er ist aber verantwortlich, daß er sie treu und umfassend ausrichtet.
28 So habt nun acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, in welcher der Heilige Geist euch zu Aufsehern gesetzt hat, um die Gemeinde Gottes zu hüten, die er durch sein eigenes Blut erworben hat!
  • Die primäre Aufgaben der Ältesten in der Gemeinde sind:
    • das treue Verkündigen des Evangeliums (kerysso)
    • das Achten auf und Hüten der Schafe (poimaino)
  • Älteste werden nicht durch Wahlen, sondern durch den Heiligen Geist eingesetzt.
  • Die Gemeinde gehört nicht einer Person oder Gruppe in der Gemeinde, sondern Gott, der sie selbst erworben hat.
29 Denn das weiß ich, daß nach meinem Abschied räuberische Wölfe zu euch hineinkommen werden, die die Herde nicht schonen; 30 und aus eurer eigenen Mitte werden Männer aufstehen, die verkehrte Dinge reden, um die Jünger abzuziehen in ihre Gefolgschaft.
  • Die Gemeinde wird von außen als auch von innen angegriffen scharf angegriffen werden:
    • Es werden falsche Christen von außen kommen, um die Herde auszunutzen.
    • Es werden falsche Brüder von innen versuchen, verkehrte Lehre zu verkünden und Einfluß auf die Herde zu gewinnen.
  • Der Angriff kommt über die Lehre, weshalb die Gemeinde ein festes theologisches Fundament benötigt und Älteste, die bereit sind, es zu verteidigen.
31 Darum wacht und denkt daran, daß ich drei Jahre lang Tag und Nacht nicht aufgehört habe, jeden einzelnen unter Tränen zu ermahnen.
  • Paulus hatte einen Dienst am Einzelnen: persönliche Jüngerschaft und Lehre des Einzelnen.
  • Sein Dienst an den einzelnen Gemeindemitgliedern hatte sich nicht auf die seelsorgerliche Betreuung beschränkt, sondern er ermahnte jeden Einzelnen im Glauben.
    • 28 Ihn verkündigen wir, indem wir jeden Menschen ermahnen und jeden Menschen lehren in aller Weisheit, um jeden Menschen vollkommen in Christus Jesus darzustellen. (Kolosser 1:28)
32 Und nun, Brüder, übergebe ich euch Gott und dem Wort seiner Gnade, das die Kraft hat, euch aufzuerbauen und ein Erbteil zu geben unter allen Geheiligten.
  • Letztlich wurde die Gemeinde für Paulus getragen von Gott selbst und er war verantwortlich für den Bau und den Erhalt der Gemeinde.
  • Aber als zentrales Mittel dazu benutzt der Herr das Wort seiner Gnade, weshalb es für Paulus so wichtig war, es umfassend in der Gemeinde zu lehren.
  • Das Wort Gottes selbst hat Kraft, die Gemeinde aufzubauen, das heißt Glauben zu schaffen und zu erhalten.
  • Gnade wird im Neuen Testament zweifältig gebraucht:
    • Gott vergibt Sündern aufgrund des Werkes Jesus am Kreuz.
    • Gott befähigt vergebene Sünder durch sein Wort.
  • Beide Aspekte der Gnade gehören zusammen: Die Freude über die Vergebung mündet in bereitwilligem Dienst für den Herrn.
33 Silber oder Gold oder Kleidung habe ich von niemand begehrt; 34 ihr wißt ja selbst, daß diese Hände für meine Bedürfnisse und für diejenigen meiner Gefährten gesorgt haben. 35 In allem habe ich euch gezeigt, daß man so arbeiten und sich der Schwachen annehmen soll, eingedenk der Worte des Herrn Jesus, der selbst gesagt hat: Geben ist glückseliger als Nehmen!
  • Paulus hatte die Gemeinde nie ausgenutzt, sondern war immer zuerst ein Gebender, bevor er ein Nehmender war.
  • Damit folgte er dem Beispiel und dem Befehl Jesu.
  • Paulus zitiert hier einen Satz, den wir nicht in den Evangelien finden.
    • Jesus Dienst und Werk war noch viel umfassender.
    • Das, was uns im Neuen Testament gegeben ist, ist ausreichend und begründent für unseren Dienst in der Gemeinde.
36 Und nachdem er dies gesagt hatte, kniete er nieder und betete mit ihnen allen. 37 Da weinten alle sehr, fielen Paulus um den Hals und küßten ihn, 38 am meisten betrübt über das Wort, das er gesagt hatte, daß sie sein Angesicht nicht mehr sehen würden. Und sie geleiteten ihn zum Schiff.
  • Zum Abschluß sehen wir nochmal die innige Liebe von Paulus zur Gemeinde in Ephesus und umgekehrt.
  • Für beide war das Verhältnis weniger vertraglich, als vom Evangelium her bestimmt.
  • Hinter der Lehre des Paulus stand eine liebevolle Person, die sowohl treue Lehre als auch aufrichtige Fürsorge ausstrahlte.

Predigt von Stefan Beyer, gehalten am 28. August 2016 in der FeG Borna

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A Sad Departure

Eine traurige Abkehr

Mich hat das Buch A Sad Departure, welches neulich bei Banner of Truth veröffentlicht wurde, sehr bewegt. Darin schildert Pfarrer David Randall, warum er und einige andere zu dem Punkt gekommen sind, die Kirche von Schottland zu verlassen. Der Titel des Buches ist doppeldeutig, denn der Abkehr der Gläubigen ging die Abkehr der Kirche von ihren Wurzeln in den Bekenntnissen und der Unterordnung unter die Autorität der Heiligen Schrift voraus.

Entzündet hat sich diese Abkehr an der Frage, ob praktizierende Homosexuelle als Pfarrer in der Kirche von Schottland dienen dürfen. Hier wurde aus Sicht der Schreiber des Buches erstmals eine Linie übertreten, bei der die Kirche von Schottland Glaubensaussagen oder Verhalten, welche der Bibel widersprechen, nicht nur in ihren Reihen duldet, sondern sich offen dazu bekennt. Damit hat sich die ganze Kirche hinter eine Haltung gestellt, die im offenen Widerspruch zu Gottes Wort steht.

An diesem Punkt konnten sich die Schreiber nicht mehr herausreden, daß die Kirche offiziell ja noch zu ihrem Bekenntnis steht, wenn sie es auch inoffiziell oft nicht durchsetzt. Sie mußten sich die Frage stellen, ob sie bleiben sollten, um in ihren Ortsgemeinden einen treuen Dienst zu tun und vielleicht eine positiv prägende Kraft auf die Kirche als Ganzes auszuüben, oder ob sie sich mitschuldig machen, wenn sie Teil einer Kirche sind, die sich von der Autorität der Bibel verabschiedet hat.

Den Autoren ist es wichtig zu betonen, daß es hierbei nicht um eine kleinere Meinungsverschiedenheit geht, sondern um eine Frage, die den Kern des Evangeliums betrifft. Deshalb muß man an dieser Stelle die Aufforderung des Paulus ernstnehmen, kein anderes Evangelium aufzunehmen (Galater 1:6-8), die des Johannes, die Geister zu prüfen (1. Johannes 4:1) und die des Judas, für den Glauben zu kämpfen, der den Heiligen ein für allemal überliefert worden ist (Judas 3).

Wenn man in der Kirche von Schottland bleibt, muß man sich folgende Fragen stellen: Unterstütze ich durch mein Bleiben nicht implizit die Abkehr? Wie weit müßte sich die Kirche von der Bibel entfernen, bis ich mich von ihr entfernen würde? Wir sind von unserem Herrn aufgerufen, das zu tun, was in seinen Augen richtig ist, egal wie schwierig die Folgen sind. Es ist auch nicht ausgeschlossen, daß diejenigen in der Kirche, die eine traditionelle Auslegung der Heiligen Schrift vertreten, zunehmend marginalisiert werden und ihre Auslegung als altmodisch und nicht mehr zeitgemäß abgewertet wird.

Eine Entscheidung für die Wahrheit zieht immer Kosten nach sich. Es gibt emotionale Kosten, in dem man sich von liebgewonnenen Menschen und Orten trennt. Es gibt finanzielle Kosten, indem man bestimmte Privilegien und oftmals auch das eigene Gemeindegebäude einbüßt. Es gibt persönliche Kosten, die von Unsicherheit über die Zukunft über Streß bis hin zu Krankheit führen. Aber, den Autoren ist es wichtig zu unterstreichen: Wenn die Schrift uns einen Weg weißt, müssen wir ihn gehen, egal wie kostspielig er ist.

Ich sehe in der Entwicklung der Kirche von Schottland starke Parallelen zur Situation in Deutschland. Unsere evangelische Landeskirche hat sich schon lange von ihren bekenntnismäßigen Wurzeln gelöst. Aber auch in viele Freikirchen herrscht ein pragmatischer Geist und weniger das Verlangen, Gottes Wort und seinem wunderbaren Evangelium treu zu sein.

Den Schreibern des Buches ist es wichtig zu erklären, daß die Trennungen nicht durch diejenigen hervorgerufen werden, die dem Wort Gottes treu bleiben wollen, sondern durch diejenigen, die sich von der Autorität der Schrift abwenden. Somit dient eine Abkehr von einer Kirche, die das Wort des Herrn verlassen hat, nicht der Spaltung, sondern der Einheit mit denjenigen, die am apostolischen Zeugnis festhalten und dafür in vielen Teilen der Welt einen hohen Preis bezahlen. Der Apostel Paulus hat eine ähnliche Perspektive, wenn er schreibt:

Ich ermahne euch aber, ihr Brüder: Gebt acht auf die, welche Trennungen und Ärgernisse bewirken im Widerspruch zu der Lehre, die ihr gelernt habt, und meidet sie! (Römer 16:17)

von Stefan Beyer

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Martin Luther

Luthers letzte Predigt

kurz vor seinem Tode gehalten
am St. Matthiastage (15. Februar 1546)

25 Zu derselbigen Zeit antwortete Jesus und sprach: Ich preise dich, Vater und Herr Himmels und der Erde, daß du solches den Weisen und Klugen verborgen hast und hast es den Unmündigen offenbaret. 26 Ja, Vater, denn es ist also wohlgefällig gewesen vor dir. 27 Alle Dinge sind mir übergeben von meinem Vater. Und niemand kennet den Sohn denn nur der Vater; und niemand kennet den Vater denn nur der Sohn, und wem es der Sohn will offenbaren. 28 Kommet her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken! 29 Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. 30 Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht. (Matthäus 11,25-30)

Dies ist ein schön Evangelium und hat viel seiner Lehre in sich begriffen, aber wir wollen jetzt zum Theil davon reden, als so viel wir können, und Gott Gnade verleihet. Der Herr lobet und preiset seinen himmlischen Vater allhier, daß er habe verborgen solches den Klugen und Weisen; das ist, daß er das heilige Evangelium den Weisen und Klugen nicht hat kund gemacht, sondern den Kindern und Unwürdigen offenbaret hat, die nicht reden noch predigen können, noch klug und weise sind. Hiermit hat er angezeigt, daß er den Weisen und Klugen feind sei und Lust und Liebe haben zu denen, so nicht klug und weise, sondern wie die jungen Kinder sind.

Aber das ist vor der Welt sehr thöricht und ärgerlich geredet, daß Gott den Weisen so feind sollte sein und sie also verdammen, so wir doch meinen, Gott können nicht regieren, er müsse kluge und weise Leute dazu haben. Aber es hat diese Meinung: die Weisen und Klugen in der Welt machen’s also, daß ihnen Gott nicht günstig oder gut sein kann; denn sie haben das Herzeleiden, machen’s in der christlichen Kirche wie sie es selbst wollen; Alles was Gott thut und macht, das müssen sie bessern, daß also kein ärmerer, geringerer, ungerechter Discipel nicht ist auf Erden als Gott; er muß aller Jünger sein, jedermann will sein Schulmeister und Präceptor sein. Das sieht man von Anbeginn der Welt in allen Ketzern, Arius und Pelagius, und jetzt zu unserer Zeit die Wiedertäufer und Sacramentirer, und alle Schwärmer und Aufrührer, die sind damit nicht zufrieden, was Gott gemacht und eingesetzt hat, können es nicht lassen bleiben, wie er es geordnet; meinen, sie müssen auch etwas machen, auf daß sie etwas Besseres seien vor anderen Leuten, und rühmen können, das hab‘ ich gemacht; es ist zu schlecht und gering, ja zu kindisch und närrisch, was Gott machet und stiftet, ich muß etwas dazu thun.

Das ist die Natur der schändlichen Weisheit auf Erden, sondern in der christlichen Kirche, da ein Bischof auf den andern, ein Pfarrherr auf den andern hacket und beißet, und einer den andern hindert und stößet, wie man allezeit im Kirchen-Regimente solches mit großem Schaden erfahren hat; dieselben sind die rechten Meister Klügling, davon Christus hier redet, die das Pferd am Hinteren zäumen und nicht auf dem Wege bleiben wollen, so uns Gott selbst fürgestellt, sondern immer etwas sonderliches haben und machen müssen, daß die Leute darnach sagen: Ei es ist nichts mit unserm Pfarrherrn oder Prediger, das ist der rechte Mann, der wird’s thun. Ist’s aber nicht verdrießlich, und sollte Gott darüber nicht ungeduldig werden, sollte er an solchen großen Gefallen haben, die ihm so gar zu klug und weise sind und allezeit ihn zur Schule führen wollen? wie in demselbigen Kapitel Vers 19 vorher stehet: Die Weisheit muß sich rechtfertigen lassen von ihren eigenen Kindern. Es es stehet fein, wenn das Ei will klüger sein als die Henne; eine schöner Meisterschaft muß es sein, wo die Kinder ihren Vater oder Mutter, die Narren und Thoren weise Leute regieren wollen. Siehe, das ist die Ursache, daß allenthalben die Klugen und Weisen in der Schrift verdammet werden.

Der Papst hat gleich auch also gethan. Als da Christus das Predigtamt und das Sacrament seines Leibes und Blutes eingesetzt und bestätigt, wie es die Christen brauchen sollen, ihren Glauben damit zu stärken und zu kräftigen, da schreiet der Papst: Nein, nein, es muß also nicht sein, es ist nicht gewißlich gehandelt; denn sein Decret sagt: es sei nicht fein, daß das Sacrament zur Stärkung des Glaubens den Christen soll gereicht werden, sondern es muß ein Opfer sein, wenn der Priester die Messe lieset für die Lebendigen und die Todten; als wenn ein Kaufmann über Land reisen will, so soll er zuvor ihm eine Messe lesen lassen, alsdann werde es ihm glückselig ergehen.

Also daß Gott die Taufe hat eingesetzet, daß ist dem Papst ein gering Ding und bei ihm bald verloren und kraftlos geworden, dagegen mehret er sein Schürling, die da Kappen und Platten tragen, die müssen mit ihren Orden und Möncherei der Welt helfen, daß wer in solchen Orden tritt, der habe eine neue bessere Taufe, dadurch nicht allein ihm, sondern auch andern Leuten, wo sie wollen selig werden, geholfen werden. Das ist des Papstes Weisheit und Klugheit. Also geht’s unserm Herr Gott in der Welt deß allewege, was er stiftet und ernennet, daß muß vom Teufel und den Seinigen verkehret, dazu gelästert und geschändet werden, und hält doch die Welt dafür, daß Gott ihm solches gar wohl gefallen und gut sein lasse, daß ein jeglicher Narr ihn meistern und regieren wolle.

Im weltlichen Regimente und Sachen geht’s zwar auch also zu, wie auch Aristoteles davon schreibet, daß etliche Leute sind mit großer Weisheit und Verstande begnadet, und nicht gemeine Leute, als Gott oft einen feinen hohen verständigen Mann giebt, der mit Weisheit und Rath Landen und Leuten dienen könnte, aber solche fliehen vor den Geschäften, daß man sie schmerzlich zur Regierung kann bringen. Aber darnach sind andere, die wollens sein und thun und können doch nichts thun, die heißet man im weltlichen Regiment Naseweisen und Meister Klügel. Diese schilt man sehr und man ist ihnen auch billig feind, und muß jedermann klagen, daß man vor den Narren nirgends kann auskommen, die sind zu keiner Sache nütz denn daß sie nur Haar eintragen. Darum sagen auch die Leute von ihnen, hat uns der Teufel mit Narren beschmissen. Und Aristoteles, der solches im Regiment gesehen, daß wenig rechter und tüchtiger Leute sind zur Regierung, machet einen Unterschied zwischen rechten Weisen und Klugen und anderen, die er nennet i.e. opinione sua sapientes, die sich dünken lassen, sie seien klug und weise, gleich wie man auf deutsch sagt: der Dünkel macht den Tanz gut. Diese meinen, dieweil sie im Regiment sitzen und eine hohe Person führen, so müssen sie klug sein, und ein solcher Narr im Rath hindert die andern, daß sie mit keinem Schaden fortkommen können, denn er will in’s Teufels Namen klug sein mit Gewalt und ist doch ein Narr.

So man nun solchen im weltlichen Regiment billig feind ist, die da wollen klug sein und sind’s doch nicht, vielmehr sind das verdrüßliche Leute, denen beide, Gott und Menschen billig gram sind, die in der heiligen christlichen Kirche klug sein wollen und sind’s nicht; denn diese hindern das Predigtamt, daß die Leute nicht zu Gott kommen können. Als da ist gewesen zu unserer Zeit Münzer, die Wiedertäufer und Sacramentirer, die dem Evangelio seinen Lauf hindern und wehren, verführen die Leute, meinen, sie sind allein klug und weise, weil sie im Amt und Regiment der Kirche sitzen.

Also will auch der Papst ein sehr kluger Mann sein, ja der allerweiseste, allein darum, daß er hoch sitzet und vorgibt, er sei das Haupt der Kirche, damit ihn der Teufel so aufblähet, daß er meinet, was er nur darf vornehmen und sagen, das sei eitel göttliche Weisheit, und jedermann müsse es annehmen und folgen, und soll niemand weiter fragen, ob es Gottes Wort sei oder nicht. Wie er in seinem großen Narrenbuche darf unverschämt sagen, es sei nicht zu vermuthen, daß eine solche Hoheit (als er sein will) können irren. Also auch Kaiser, Könige, Kardinäle, dieweil sie hoch sitzen, so meinen sie, daß sie nicht irren noch fehlen können. Eben solche Weisheit hatte Kaiphas auch, da er mit den Juden zu Rathe ging, Ihr groben Narren! ihr habt keine Köpfe, ihr wisset und verstehet nichts, ist’s nicht besser, daß ein Mann sterbe, denn das ganze Volk verderbe (Johannes 11,49 und 50). Das wäre ein weiser kluger Rath, daß es besser wäre, einen Menschen erwürgen, denn das ganze Land verderben. Wie ging aber dieser Rath hinaus? Eben damit brachte er’s dazu, daß das ganze Land verderben und untergehen mußte. Also thun auch alle solche Naseweisen in der christlichen Kirche und im weltlichen Regimente.

Das ist’s nun, daß der Herr Christus hier spricht, er sein den Naseweisen feind, er wolle sie nicht leiden in seiner christlichen Kirche, sie heißen Papst, Kaiser, Könige, Fürsten, Doctores, die ihm sein göttliches Wort meistern und mit ihrer eigenen Klugheit in den hohen großen Sachen des Glaubens und unserer Seligkeit regieren. Solcher Exempel haben wir selbst viel erfahren in kurzer Zeit, daß solche Klüglinge sich unterstanden, Einigkeit und Reformation anzurichten, dadurch in der christlichen Kirche Einigkeit würde, und solches mit köstlichem Vorgeben zu Markte brachten, sagend: so und so sollen’s der Kaiser, die Könige, Fürsten und Herren machen, so könnte man Land und Leuten helfen und viel Gutes in der Christenheit schaffen. Aber was man durch solche eigene Anschläge Klugheit ausrichtet und schaffet, das sieht man, meine ich, jetzt wohl.

Am allermeisten aber hat solche Weisheit und Klugheit der Papst und die Kardinäle allweg getrieben, so Gottes Meister haben sein wollen und selbst die Christenheit regieren. Aber das will und kann Gott nicht leiden. Er will nicht Schüler sein, sie sollen Schüler sein. Er ist die ewige Weisheit und weiß wohl, was er thun oder lassen will. Sie meinen, dieweil sie obenan im Regiment sitzen, darum seien sie die Klügsten, sehen tiefer in die Schrift denn andere Leute, darum stürzet sie Gott auch greulich, denn er will’s und kann’s und soll’s auch nicht leiden, und macht’s doch also, daß das Evangelium den Hohen und Weisen verborgen bleibt, und regiert seine Kirche viel anders, denn sie gedenken und verstehen, ob sie sich gleich dünken lassen, sie wissen und verstehen alles, und weil sie im Regiment sitzen, so könne Gott ihres Rathes und Regierens nicht entrathen.

Und lautet gleich als sei es neidisch geredet, daß er eben also spricht: Ich danke dir himmlischer Vater, so doch gar kein Neid noch Haß in seinem Herzen gewesen; denn so er sich selbst mit Leib und Leben für uns hat gegeben, wie konnte da ein Neid sein. Aber der Verdruß und Unlust kommt daher, daß die elenden thörichten Leute die göttliche Majestät meistern wollen, das kann und soll er auch nicht leiden, und alle frommen Herzen danken ihm dafür, denn des Klügelns und Meisterns wäre auch sonst kein Ende. Der Teufel reitet die Leute, daß sie aus der heiligen Schrift und Gottes Wort einen hohen Namen, eigen Lob und Ehre suchen und mehr sein wollen denn andere Leute, aber wir sollten hier sagen: Lieber himmlischer Vater rede du, ich will gern ein Schüler und Kind sein und schweigen, denn sollte ich die Kirche regieren, aus meinem eigenen Witz, Weisheit und Vernunft führen, so stäke der Karren längst im Dreck und wäre das Schiff lang zu Trümmern gegangen, darum, lieber Gott, regiere und führe du es selbst, ich will gerne meine Augen ausstechen, die Vernunft zuthun und dich allein durch dein Wort regieren lassen.

Aber das kann man bei der Welt nicht erhalten, die Rottengeister stehen darum auf, suchen im Grund nichts anderes, denn daß sie bei dem Volk große Ehre haben mögen, daß man von ihnen sage, das ist der rechte Mann, der wird’s thun, und daß sie sich selbst auch mit solchem Ruhme kitzeln und brüsten können; das hast du gethan, das ist dein Werk, du bist der treffliche Mann, der rechte Meister, das taugt nun nicht für alle Hunde.

Denn rechte Prediger sollen nur allein Gottes Wort fleißig und treulich lehren und deß Ehre und Lob allein suchen. Desgleichen sollen auch die Zuhörer sagen: Ich glaube nicht an meinen Pfarrherrn, sondern er sagt mir von einem andern Herrn, der heißt Christus, den zeigt er mir, auf deß Mund ich will sehen, und sofern er mich auf denselben rechten Meister und Präceptor, Gottes Sohn, führet, also würde es recht in der Kirche stehen und wohl regiert heißen und allenthalben Einigkeit bleiben, sonst bleibt allewege die Unlust, so auch in der Welt Regiment gemein ist. Und wie ein Rath in einer Stadt einen solchen Narren, der oft die ganze Stadt irre machet, nicht gerne leidet, sondern stößet ihn heraus, daß sich auch das ganze Land freuet, also solls auch hier in der christlichen Kirche zugehen, daß niemand soll gepredigt oder gelehret werden, denn allein der Sohn Gottes; der ist’s allein, von dem gesagt ist Matthäus 3,17: Das ist mein lieber Sohn, den sollt ihr hören und keinen anderen Menschen, er sei Kaiser, König, Papst, Kardinal.

Darum sagen wir also: Ich laß geschehen, daß Kaiser, König, Papst, Kardinäle, Fürsten und Herren klug und weise seien, aber ich will an meinen Herrn Christum allein glauben, der ist mein Meister und Herr, den mich Gott hat heißen hören und von ihm lernen, was rechte göttliche Weisheit und Klugheit sei. Da schreiet dann der Papst und was ihm anhanget: Nein, nein, du sollst solches nicht thun, du sollst der Obrigkeit gehorsam sein und thun, was wir dir gebieten. Ja, sage ich, das soll ich thun, aber sei du zuvor eins mit dem Herrn, der allhier spricht: Es ist mir alles übergeben von meinem Vater. Darum lieber Papst, Kaiser, König, Herr und Fürst, fahre nicht so einher, ich will dich gerne hören in weltlicher Regierung, aber daß du willst in der Christenheit sitzen, als ein Herr und Gewalt haben, zu beschließen, was ich glauben und thun soll, das nehme ich nicht an; denn du willst klug und weise sein an dem Ort, da du ein Narr bist und dir nicht offenbaret ist. Denn hier ist der Herr, den man allein soll hören in diesen Sachen, wie er auch hier spricht: Niemand kennet den Vater, denn nur der Sohn, und wem es der Sohn will offenbaren; das sind die Albernen und Einfältigen, so sich selbst nicht weise noch klug wissen, sondern sein Wort hören und annehmen. Ist’s nun sein Wort, das du mir vorhälst und gebeutst, so will ich’s gerne annehmen, wenn’s gleich ein jung Kind redet, oder auch der Esel, so mit Bileam redete, und will hier keinen Unterschied haben der Person, so solches redet, sie sei klug oder ein Narr; denn es soll heißen und ist beschlossen: Mir ist alles übergeben, ich bin der Mann, der allein lehren und regieren soll, trotz allen Klugen und Weisen, die sollen ihre Augen blenden lassen und ihre Vernunft zuthun.

Denn unsere Weisheit und Klugheit in göttlichen Sachen ist das Auge, so der Teufel uns im Paradies aufgethan hat, da Adam und Eva ins Teufels Namen auch wollten klug sein. Gott hatte sie selbst gelehret und sein Wort ihnen gegeben; das sie halten sollten, wo sie wollten recht klug sein; so kommt der Teufel, der machts besser, that ihnen die Augen zu, daß sie Gott nicht sehen, da sie den Teufel nicht sehen konnten. Das ist die Plage, so uns noch immer anhänget, daß wir ins Teufels Namen weise und klug sein wollen.

Aber hinwieder sollen wir lernen, was das ist, mir ist alles gegeben, das ist, ich soll regieren, lehren, rathen, heißen und gebieten in meiner Kirche. Und hiemit bekennt er öffentlich, daß er sei wahrhaftiger Gott. Denn kein Engel, noch etwa eine Kreatur hat diesen Ruhm, daß ihm alles gegeben sei. Der Teufel wollte sich wohl einmal in den Stuhl setzen, und Gott gleich sein, er ward aber darob bald vom Himmel gestoßen. Darum sagt Christus: Mir ist alles gegeben, das ist: mir, mir soll man gehorchen. Hast du mein Wort, so bleib dabei und siehe niemand an, wer dich anders lehret oder heißt, ich will dich wohl regieren, schützen und retten, lasse den Papst, Kaiser, Gewaltige gelehrt, weise und klug sein, aber folge du ihnen nicht, wenn sie dir mein Wort nicht bringen, ob ihrer gleich tausendmal mehr und alle viel klüger wären. Item thue das nicht, das auch kein Engel im Himmel darf thun, daß er sich hierinnen in der Herrschaft und Gewalt unterstünde, selbst klug zu sein oder in Gottes Regiment zu walten und herrschen und haben doch die elenden armen Leute, Papst, Kaiser, Könige und alle Rotten, nicht Scheu, sich solches anzumaßen, aber Gott hat seinen Sohn zur rechten Hand gesetzt und gesagt: Psalm 2,7: Du bist mein Sohn, dir habe ich alle Welt und alle Völker zu eigen gegeben, den sollt ihr Könige und Herren hören, wollt ihr klug sein, und ihn huldigen als euren Herrn und wissen, was er euch gesagt, daß ich’s euch sage.

Dieses sollen wir Christen lernen und erkennen, (ob es die Welt nicht thun will) und Gott auch dafür dankbar sein, (wie Christus selbst allhier seinem himmlischen Vater fröhlich danket) daß er uns so reichlich gesegnet und gegeben hat, daß wir ihn selbst können hören. Vor Zeiten wären wir gelaufen an der Welt Ende, wenn wir einen Ort gewußt, da wir hätten mögen Gott hören reden, aber das siehet man nicht, daß wir jetzt täglich solches in Predigten hören, ja alle Bücher des voll sind. Du hörst daheim im Hause Vater und Mutter, Kinder singen und sagen davon, der Prediger und der Pfarrherr redet davon; da solltest du die Hände aufheben und fröhlich sein, daß wir zu den Ehren sind gekommen, daß wir Gott durch sein Wort mit uns reden hören.

O, sagt man, was ist das, predigt man doch alle Tage, und oft einen Tag vielmal, daß man sich schier müde daran hören muß; was haben wir mehr davon? Wohlan, so fahre hin, lieber Bruder, magst du das nicht, daß Gott täglich mit dir redet, beide, daheim in deinem Hause und in deiner Pfarrkirche, so sei nur immerhin klug und such dir ein anders. Zu Trier ist unsers Herrn Gottes Rock, zu Aachen sind Josephs Hosen und unsrer lieben Frau Hemde, da laufe hin, verzehre dein Geld, und kaufe Ablaß und des Papstes Trödelmarkt; daß ist köstlich Ding! darum hat man müssen weit laufen und groß Geld verzehren, Haus und Hof stehen lassen.

Sind wir aber nicht toll und thöricht, ja, vom Teufel geblendet und besessen? Da sitzt der Kauz zu Rom mit seinem Gaukelsack und locket alle Welt zu sich mit ihrem Geld und Gut. Da ein jeglicher zu seiner Tauf, Sacrament und Predigtstuhl laufen sollte, denn wir sind damit ja hoch genug geehret und reichlich begnadet, daß wir wissen, daß Gott mit uns redet, und mit seinem Wort uns speiset, giebt uns seine Taufe, Schlüssel. Aber da sagen die rohen, gottlosen Leute dagegen: Was Tauf, Sakrament, Gottes Wort! Joseph’s Hosen, die thuns. Das ist der Teufel in der Welt, daß die hohen Personen, Kaiser, König, solches nicht achten, und sich durch die Erzbuben und Lügner, den Papst und sein Plättlinge und Schürlinge, also gröblich betrügen und narren lassen und ihres Unflaths gar voll schmeißen. Aber wir sollen Gottes Wort hören, daß er unser Schulmeister sei, und nichts wissen von Josephs Hosen, oder des Papstes Narrenwerk.

Das ist das erste Stück vom Evangelio, wie Christus und Gott der Vater selbst den Klugen und Weisen feind ist, denn sie ihm auch großen Verdruß thun.

Sie zerreißen die Sakramente und Kirchen, und setzen sich an seine Statt, wollen selbst Meister sein und denen sind alle Engel im Himmel, alle Christen auf Erden feind und sollen zu ihnen sagen: Willst du mir Christum weisen und sein Wort lehren, so will ich gerne zuhören, sonst nicht, und wenn du ein Engel vom Himmel wärest, wie St. Paulus Galater 1,8 sagt: Siquis aliud Evangelium docuerit. Ob nun darnach die großen Herrn, Kaiser, Papst, Kardinal und Bischoff feindlich zürnen, thun uns in Bann, wollen uns alle gerne verbrennen und morden, das müssen wir leiden, und sagen: Um Papsts, Bischöffen, Fürsten willen nicht gelassen. Christus sagt: Kommt zu mir, die ihr mühselig seid, Als wollte er auch sagen: Haltet euch nur an mich, bleibet bei meinem Wort, und laßt gehen, was da gehet; werdet ihr darob verbrannt, geköpft, so habt Geduld, ich will’s euch so süße machen, daß ihrs wohl sollt ertragen.

Wie man von der Jungfrau St. Agnes schreibt, da sie zum Kerker geführet ward und sollte umgebracht werden, war ihr gleich, als ging sie zum Tanze. Woher kam ihr solcher großer Muth? Ei, allein von diesem Christo, durch den Glauben an die Worte, so er hier sagt: Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Gehet’s euch übel, so will ich euch den Muth geben, daß ihr noch dazu lachen sollt, und soll euch die Marter nicht groß sein, der Teufel nicht so bös; wenn ihr auch auf feurigen Kohlen ginget, so soll euch dünken, als ginget ihr auf Rosen. Ich will euch das Herz geben, daß ihr lachen sollt, wenn der Türk, Papst, Kaiser, aufs allergräulichste zürnen und toben, allein kommt zu mir. Habt ihr Beschwerung, Tod oder Marter, so Papst, Türk, Kaiser euch angreift, erschreckt nicht, es soll euch nicht schwer zu tragen, sondern leicht und sanft werden, denn ich geben den Geist, daß solche Last, so der Welt unerträglich wäre, euch eine leichte Bürde wird.

Denn es heißt alsdann, so ihr um meinetwillen leidet, mein Joch und meine Last, die ich euch mit Gnade auflege, daß ihr wisset, daß Gott und mir solch euer Leiden wohlgefället und ich selbst euch helfe tragen, dazu Kraft und Stärke gebe. Wie auch der 31. Psalm, Vers 5, saget: Seid getrost und unverzaget alle, die ihr des Herrn harret; das ist, die ihr um seinetwillen leidet euer eigen Unglück, Sünde, Tod, und was euch der Teufel und Welt dazu anleget, lasset alles an euch laufen und stürmen; bleibt nur ihr getrost und unverzagt mit eurem Harren und Warten des Herrn durch den Glauben, so habt ihr schon gewonnen und seid dem Tode entlaufen, dem Teufel und der Welt weit überlegen.

Siehe, das heißt nun, die Weisen der Welt verworfen, auf das wir lernen, nicht selbst weise uns dünken lassen, und alle hohe Personen aus den Augen setzen, und schlecht die Augen zugethan, an Christi Wort uns halten und zu ihm kommen, wie er uns aufs freundlichste locket, und saget: Du bist allein mein lieber Herr und Meister, ich bin dein Schüler. Dies, und viel mehr wäre von diesem Evangelio weiter zu sagen, aber ich bin zu schwach, wir wollens hierbei bleiben lassen. Der liebe Gott gebe Gnade, daß wir sein theures Wort mit Danksagung annehmen, in Erkenntnis, Glauben seines Sohnes, unseres Herrn Jesu Christi, zunehmen und wachsen, und im Bekenntnis seines heiligen Wortes beständiglich bleiben bis ans Ende. Amen!

Eduard Luther: Dresden, 1846

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Eindrücke

Eindrücke sind Eindrücke

Viele Christen, denen ich begegne, glauben, daß Gott uns durch subjektive Eindrücke seinen Willen offenbart. Das können Träume, zufällige Umstände oder einfach ein besonderes Bauchgefühl sein. Dieser Glaube an persönliche Eindrücke scheint so fest zu sein, daß er auch in manchen christlichen Publikationen auftaucht und als normatives christliches Verhalten gelehrt wird.

Was vielen nicht bewußt ist, ist daß das Neue Testament nirgendwo dazu aufruft, Gottes Willen in und durch solche Eindrücke zu suchen. Stattdessen sollen wir uns ganz Gott hingeben, unser Denken durch sein Wort verändern lassen und dann aus Weisheit handeln.

1 Ich ermahne euch nun, ihr Brüder, angesichts der Barmherzigkeit Gottes, daß ihr eure Leiber darbringt als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer: das sei euer vernünftiger Gottesdienst! 2 Und paßt euch nicht diesem Weltlauf an, sondern laßt euch in eurem Wesen verwandeln durch die Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist. (Römer 12:1-2)

Den Willen Gottes erfahren wir nicht durch subjektive Erlebnisse, sondern durch sein objektives Wort. Dieses Wort strahlt heller und ist fester als selbst die Erfahrung des Petrus auf dem Berg der Verklärung.

18 Und diese Stimme hörten wir vom Himmel her ergehen, als wir mit ihm auf dem heiligen Berg waren. 19 Und so halten wir nun fest an dem völlig gewissen prophetischen Wort, und ihr tut gut daran, darauf zu achten als auf ein Licht, das an einem dunklen Ort scheint, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen. (2. Petrus 1:18-19)

Die Reformatoren lehnten diese subjektiven Eindrücke ab, weil sie sich unserer sündigen Herzens bewußt waren. Wir können uns sehr leicht selbst betrügen, weil wir kein objektives Kriterium haben, um zu entscheiden, ob ein Eindruck von Gott, vom Teufel, von unserem sündhaften Herzen oder rein von unserer menschlichen Natur stammt.

26 Wer sich auf sein eigenes Herz verläßt, ist ein Narr; wer aber in der Weisheit wandelt, der wird entkommen. (Sprüche 28:26)

Im Neuen Testament wird uns der Wille Gottes für unser Leben klar offenbart, was eine Suche nach den Begriff „Wille Gottes“ belegt. Gott will, daß wir vollkommen im Willen Gottes sind (Kolosser 4:12), heilig (1. Thessalonicher 4:3), dankbar (1. Thessalonicher 5:18) sowie standhaft im Gutestun (1. Petrus 2:15) und im Leiden (1. Petrus 3:17).

In den anderen Bereichen sollen wir nicht entsprechend unserer Gefühle und Eindrücke leben, sondern aus biblischer Weisheit.

17 Die Weisheit von oben aber ist erstens rein, sodann friedfertig, gütig; sie läßt sich etwas sagen, ist voll Barmherzigkeit und guter Früchte, unparteiisch und frei von Heuchelei. (Jakobus 3:17)

Da wo Menschen in der Bibel direkt von Gott angesprochen wurden, war das eine heilsgeschichtliche Tatsache, die im Neuen Testament aber nie zur Aufgabe gemacht wird, nach der wir suchen sollen.

Meine Erfahrung ist es, daß Menschen oft aus einer Evangeliumsarmut und einer geistlichen Unterernährung mit dem Wort Gottes heraus nach übernatürlichen, besonderen Erlebnissen suchen. Der Weg zu einer engen Beziehung mit Gott und zum Tun seines Willens führt aber nicht weg vom Wort Gottes oder parallel dazu entlang, sondern hin zum Wort Gottes. Desto mehr wir das Wort Gottes als Schatz wiederentdecken, desto kostbarer wird uns Jesus Christus, vom dem das Wort Gottes spricht, und desto mehr werden wir seine göttliche Weisheit kennenlernen.

8 Das Gesetz des HERRN ist vollkommen, es erquickt die Seele; das Zeugnis des HERRN ist zuverlässig, es macht den Unverständigen weise. 9 Die Befehle des HERRN sind richtig, sie erfreuen das Herz; das Gebot des HERRN ist lauter, es erleuchtet die Augen. 10 Die Furcht des HERRN ist rein, sie bleibt in Ewigkeit; die Bestimmungen des HERRN sind Wahrheit, sie sind allesamt gerecht. 11 Sie sind begehrenswerter als Gold und viel Feingold, süßer als Honig und Honigseim. 12 Auch dein Knecht wird durch sie belehrt, und wer sie befolgt, empfängt reichen Lohn. (Psalm 19:8-12)

Was braucht ein Christ mehr?

von Stefan Beyer

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E21 Bonn 2016

Mit Jesus im Boot

Vom 1. bis 2. Juli 2016 fand die erste Evangelium21 Regionalkonferenz in Bonn statt. Hauptredner war der Evangelist Pete Woodcock. Das Thema „Jesus nachfolgen“ entfaltete er in spannenden Vorträgen aus dem Matthäusevangelium.

Zu Beginn ging es anhand von Matthäus 8:16-34 um unsere Hingabe zu Jesus. Am Ende eines schweren Arbeitstages wird Jesus mit Nachfolgebegierigen konfrontiert, denen er ganz klar die Kosten der Nachfolge vor Augen führt. Danach steigen seine wahren Jünger mit ihm ins Boot, nicht um eine erholsame Kreuzfahrt zu machen, sondern um in einen seismischen Sturm zu geraten, der ihren Glauben herausfordert. Das alles dient dazu, damit sie am anderen Ufer Menschen von ihrer Besessenheit befreien können.

Als nächstes sprach Pete Woodcock aus Matthäus 9:35-10:8 über die Barmherzigkeit Jesu. Das griechische Wort drückt ein tiefes Berührtsein bis in die Eingeweide hinein aus. Um den Dienst Jesu an den Menschen tun zu können, brauchen wir die Barmherzigkeit Jesu in unserem Inneren. Jesus setzt ein Team von Jüngern ein, die mit ihm gemeinsam die Ernte bearbeiten. Wir sollen für solche Mitarbeiter für unsere Gemeinden beten und bereit sein, daß Gott uns selbst gebrauchen kann.

Schließlich ging es anhand der Speisung der 5000 (Matthäus 14:13-21) um die Fähigkeit Jesu, aus etwas Kleinem etwas zu machen, was in seinem Reich gebraucht werden und viele Menschen erreichen kann. Wir sollen uns mit unseren ganzen Schwachheiten (unsere fünf Brote und zwei Fische) Jesus ganz hingeben und er wird uns reichlich gebrauchen. Wir sollen uns nicht von der geistlichen Not in Europa einschüchtern lassen, sondern dem Herrn Jesus vertrauen, daß er mit schwachen Werkzeugen Großes vollbringen kann.

Einen Einschub bildete die Einheit von Michael Martens, der über Gottes Heiligungs- und Veränderungsprozeß aus Jakobus 1:1-18 sprach. Gott benutzt Anfechtungen, um unseren Glauben auf die Probe zu stellen und dadurch Bewährung und Ausharren in uns zu bewirken. Für diesen Prozeß schenkt er uns die nötige Weisheit, wenn wir uns von Gott verändern lassen wollen. Dabei geht es dem Herrn vor allem um unser Herz, daß es vollkommen ihm gehört und wir erkennen, daß alle gute Gabe von ihm allein kommt. Für dieses mächtige Werk in uns benutzt Gott das Wort der Wahrheit, die Bibel.

Ein besonderes Highlight der Konferenz war für mich die Zeit mit Ron Kubsch, bei dem wir übernachten und gemeinsam das Spiel Deutschland-Italien verfolgen konnten. Ähnlich wie Francis Schaeffer durften wir ihn in L’Abri (Gieleroth) besuchen und ermutigende, evangeliumsgegründete Gemeinschaft genießen. Ein besonderer Bonus waren die leckeren Grillspieße und der Sieg der deutschen Nationalmannschaft.

Ich kann nur wieder sagen: Ein Besuch bei einer Evangelium21 Konferenz lohnt sich. Auf die nächste Gelegenheit freue ich mich schon.

von Stefan Beyer

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