Eine Kultur, die nicht mehr trauern kann

Ein Nebeneffekt unserer areligiösen Gesellschaft ist, daß man die Fähigkeit zum Trauern verloren hat. Man lebt nur noch im Tagesgeschäft oder will möglichst schnell dahin zurückkehren. Besonders deutlich wurde das für mich durch den Umgang mit dem Terroranschlag in Berlin. Wo andere Länder eine Staatstrauer verhängen, fand man sich bei uns mit einem Gedenkgottesdienst ab, zu dem noch nicht mal alle Angehörigen eingelassen wurden, da hochranginge Politiker anwesend waren und deren Schutz vorging.

In einem bewegenden Artikel für Die Welt berichten die Angehörigen von ihrer Fassungslosigkeit, als von der Stadt Berlin nicht zuerst eine Mitleidsbekundung eintraf, sondern ein Gebührenbescheid der Gerichtsmedizin.