1. Spurgeon Konferenz 2014

Vom 6. bis 9. August veranstaltete das Martin Bucer Seminar in München in Kooperation mit dem Netzwerk Evangelium21 die 1. Spurgeon Konferenz unter dem Motto: „Predige das Wort!“. Insgesamt 40 Teilnehmer hatten die besondere Gelegenheit und das Privileg, von David Jackman, dem früheren Präsidenten des „Proclamation Trust“ in London, und Dr. Michael Clark, Dozent und Co-Leiter des Martin Bucer Seminars in München, zu lernen.

Den großen Rahmen der Konferenz bildete eine Auslegung des Galaterbriefs, durch welche die Teilnehmer geschult werden sollten, in ihrem eigenen Gemeindeumfeld das Wort Gottes treu zu predigen. David Jackman verwies zunächst darauf, daß die Gemeinde nicht weniger Predigten, sondern bessere Predigten benötige. Er setze sich schon seit Jahren im Rahmen des Cornhill Trainingskurses dafür ein, eine neue Generation von Bibellehrern auszubilden. Es gäbe einen Hunger unter den Christen, das Wort Gottes gut ausgelegt zu hören. Denn richtig gepredigt tue das Wort Gottes in den Händen des Geistes Gottes das Werk Gottes.

In der ersten Einheit unterstrich David Jackman, daß das Wort Gottes inmitten des Relativismus unserer Zeit eine völlig gewisse Grundlage für unseren Glauben bilde. Der Apostel Petrus mache in 2. Petrus 1:12-21 deutlich, daß Gott sich uns offenbart hat und diese Offenbarung bilde das Fundament unseres Glaubens. Dazu käme das Leben Jesu als Fundament der Wahrheit, denn die ganze Bibel konzentriere sich laut Lukas 24:25-27,44-45 auf die Person und das Werk Jesu. Die Frage sei nun, welcher Autorität wir uns unterwerfen. Die unseres Verstandes, der Kirche, unser Erfahrung  oder dem Licht des Wortes Gottes, welches von außen auf uns scheint. Spurgeon, der Prinz der Prediger genannt, verglich die Bibel mit einem Löwen, der sich sehr gut selbst verteidigen kann, sobald er freigelassen werde. Gott offenbare sich in der Bibel durch die überlieferten Geschehnisse sowie durch deren Deutung in der Schrift selbst. Weil der auferstandene Herr Jesus seine Herrschaft über unser Leben vermittelt durch die Worte der Heiligen Schrift ausübt, sei es von äußerster Wichtigkeit, daß die Bibel unser Leben bestimmt. Das tue sie am besten, wenn der biblische Text selbst jede Predigt bestimmt. Christliche Lehrer sollten das Wort Gottes lehren und sich auch durch Widerstand nicht davon abbringen lassen (siehe 2. Timotheus 3:15-4:5).

Ab der zweiten Einheit nahm David Jackman die Konferenzteilnehmer mit hinein in eine intensive Auslegung des Galaterbriefes, anhand derer sie exemplarisch die Vorbereitung einer Predigt üben und einen treuen Dienst der Bibelauslegung begründen können. Auslegendes Predigen verlange immer einen Dreischritt von Erklären (Was steht im Text?), Begründen (Was will der Text?) und Anwenden (Wie können wir den Text heute umsetzten?). Ziel der Predigt sei es, den Verstand anzusprechen, um dadurch das Herz zu beeinflussen und schließlich den Willen zu aktivieren. Wobei der Kontext der Passage meist schon den Rahmen der Anwendung vorgebe. Der Schlüssel zu gutem Predigen sei gutes Zuhören. Dabei solle man besonders auf Überraschungen und Schwierigkeiten im Text achten. Der theologische Kontext des Galaterbriefes sei auch heute noch anwendbar. Die falsche Lehrer predigten die Beschneidung aus Furcht vor Verfolgung (Galater 6:12) und verkündeten deshalb ein anderes Evangelium.

Paulus, der das Evangelium direkt vom Herrn Jesus Christus gelernt hat (Galater 1:12), ruft die Gemeinde auf, einem pervertierten Evangelium nicht zu folgen, egal wie beeindruckend der Lehrer sei (Galater 1:8). Die Botschafter authentifizieren nicht die Botschaft, sondern umgekehrt. David Jackman verwies darauf, daß ein durch die liberale Theologie verunstaltetes Evangelium für den Mitgliederschwund in den Kirchen Westeuropas verantwortlich sei. Viele wollten, wie auch die falscher Lehrer in Galatia, Werke zu dem Evangelium hinzufügen aus Unglauben an die Genügsamkeit des Evangeliums Leben zu verändern. Das Kommen Jesu, sein vollkommenes Leben, sein Sühnetod am Kreuz und seine Auferstehung (d.h. das Evangelium) hätte alles verändert. Wieder dahinter zurück zu gehen sei töricht. Paulus war dieser Punkt so wichtig, daß er sich sogar dem Apostel Petrus entgegenstellte (Galater 2:11-14). Petrus ließ sein Verhalten von pragmatischen Überlegungen leiten, während Paulus darauf bestand, daß die Gemeinde von Prinzipien des Evangeliums bestimmt werden müsse. Die Konsequenzen des Evangeliums seien genauso wichtig wie die Wahrheit des Evangeliums selbst.

Dr. Michael Clark, der früher als Pastor der St. Andrew’s Anglican Cathedral in Sydney arbeitete und nun als Dozent und Co-Leiter das Martin Bucer Seminar in München betreut, schloß mit einem Vortrag über die neue Paulusperspektive (NPP) an. Laut der NPP hätten die Reformatoren sowohl Paulus als auch das Judentum falsch verstanden, insbesondere in Bezug auf die Gerechtigkeit und Rechtfertigung im Neuen Testament. Das Judentum zur Zeit des Apostels hätte an eine Erlösung aus Gnade geglaubt, welcher ein Gericht aus Werken folge. Der Konflikt in dem Paulus und das Judentum des Neuen Testaments stand, drehte sich weniger um die Rechtfertigung vor dem Tribunal Gottes, als um den Status der Heiden (Ekklesiologie). Paulus wollte nur die Grenzen des Reiches Gottes neu definieren (wer drin ist und wer draußen ist). Dr. Clark ging bei der Besprechung der NPP insbesondere auf den Theologen N.T. Wright ein, der den Begriff Gerechtigkeit im Neuen Testament in Treue umdeute, wenn er auf Gott verweise, und in Bundeszugehörigkeit in Bezug auf die Menschen. Für N.T. Wright schließt die Rechtfertigung nicht nur Jesus Werk für uns am Kreuz ein, sondern auch sein Werk in uns, für welches wir im jüngsten Tag gerichtet werden. Diesem Verständnis stellte Dr. Clark Römer 3 entgegen und die Art und Weise wie Paulus dort den Begriff Rechtfertigung gebraucht, um die gegenwärtige, unmittelbare Gerechtsprechung der Gläubigen vor dem Gericht Gottes zu beschreiben.

Neben vielen praktischen Übungen zur Predigtvorbereitung umfaßte die Konferenz auch die Teilnahme an einem Einsatz des Forums Evangelisation unter arabischen Touristen in der Münchner Innenstadt. Dort konnten die Teilnehmer in Gesprächen mit muslimischen Besuchern Münchens über das Wunder des Evangeliums sprechen, nämlich daß Christus uns nicht aufgrund unserer guten Werke, sondern durch seine guten Werke im Leben und seinen Tod am Kreuz mit Gott versöhnt.  Es wurden Traktate, Neue Testamente auf arabisch, SD-Karten mit christlichem Material und Jesusfilme verteilt. Außerdem nutzten die Konferenzteilnehmer die Gelegenheit, um für die vielen Menschen zu beten, die noch nie vom Evangelium gehört haben.

Als Tagungsort für die Konferenz diente die Münchner Lukas-Schule, welche ihre ausgezeichneten Räumlichkeiten für die Tagung, die Mahlzeiten und das ein oder andere Fußballspiel am Nachmittag zur Verfügung stellte.

Die 1. Spurgeon Konferenz hat einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, daß das Wort Gottes in Deutschland deutlicher gepredigt wird und sie hat Interesse geweckt, in Zukunft noch mehr darüber zu lernen, wie man die Bibel treu auslegt und den Menschen nahe bringen kann. Die nächste Spurgeon Konferenz darf mit Spannung erwartet werden.

Die Vorträge wurden aufgezeichnet und können hier abgerufen werden.

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