Mission unter falscher Flagge – Radikale Christen in Deutschland

„Wer eine Allianzgesinnung hat, der muß einfach ein Stückchen tolerant sein.“ So drückt Jürgen Werth vom Vorstand das Anliegen der Deutschen Evangelischen Allianz aus. Ein Stückchen Toleranz hätte man sich auch von den Machern der ARD Doku Mission unter falscher Flagge – Radikale Christen in Deutschland gewünscht.

Toleranz heißt auch, die Position des anderen so zu verstehen, wie er sie selber verstanden haben will, und nicht einen selbst geschaffenen Strohmann anzugreifen (http://de.wikipedia.org/wiki/Strohmann-Argument). Außerdem kann Toleranz darüber hinaus bedeuten, der anderen Position erstmal grundsätzlich eine Daseinsberechtigung einzuräumen, auch wenn man sie selbst nicht teilt. Das heißt auch, nicht von vornherein pauschalisierend und abwertend über jeden Vertreter der zugehörigen Gruppe zu urteilen. Und vor allem, nicht Randerscheinung als Normalbild der Bewegung zu verkaufen.

So kann man bei dieser Dokumentation sehr wohl fragen, ob nicht von vornherein das Ergebnis der Untersuchung schon feststand und dann nur durch passende Interviews und Beiträge herausgemeißelt wurde.

Es wurden Lobpreisgottesdienste, Emotionen und einseitige Predigten („Wenn du an Gott glaubst, wird alles gut.“) als Stellvertreter für das ganze Spektrum der Evangelischen Allianz gezeigt. Dabei ist zu beobachten, daß die Interviewpartner anscheinend fälschlicherweise davon ausgingen, daß die ARD objektiv dokumentieren will. Die Klinik in Bad Cannstadt wurde vorgestellt, wo Menschen aufgenommen werden, die mit dem Produkt Jesus nicht zurecht gekommen sind. Vielleicht sind sie aber nur mit ungesunden Umständen in ihren Gemeinden nicht zurecht gekommen und reihen sich in der Klinik mit anderen aus schwierigen Umständen ein. Es gäbe hinter der Fassade der Gemeinde rigide Ansichten und enge Lebensvorschriften. Leider wurden solche Behauptungen viel zu wenig belegt. Es sei denn die Bibel selbst ist für die Berichterstatter rigide und eng. Dann entfällt aber auch die Unterscheidung in radikale und nichtradikale Christen. Dann hat man ein Problem mit dem Christentum überhaupt.

Anscheinend wurden auch die Gespräche mit Vertretern der evangelischen Allianz nur unzureichend vorbereitet. Das erklärt die wiederkehrende Reaktion von Jürgen Werth, daß er auf die Frage nicht antworten könne, weil er den Fall nicht zur Genüge kenne und jeden Fall einzeln (sprich angemessen) beurteilen möchte. Er beschreibt die Menschen aus der evangelischen Allianz als Christen, die ihren Glauben ausleben wollen. Das scheint für die Reporter schon verdächtig zu sein. Dazu kommt, daß auch jedes gute Werk aus dem Hintergrund der evangelischen Allianz als verdächtig gilt. Am Umgang mit Gabriele Wentland in der Dokumentation wird deutlich, daß die Chefredakteure ihr und ihrer jungen Organisation zugestanden haben, noch Fehler machen zu dürfen. Die Autoren der Doku taten das nicht. Was in einer säkularen sozialen Arbeit vermutlich als unproblematisch gesehen würde, eine lebendige Arbeit mit Kindern, wird in einem christlich-missionarischem Kontext plötzlich verdächtig und gefährlich. Damit wird jedes christliche Engagement grundsätzlich in Frage gestellt, denn die Verkündigung des eigenen Glaubens ist natürlicher Bestandteil eines Dienstes von Menschen, denen ihre Religion wichtig ist.

Es wurden immer wieder Aussteiger zitiert ohne Belege für ihre Anschuldigungen zu ergänzen. Ob eine strenge Hierarchie oder eine enge Gemeinschaft in der Gemeinde vorlag, ist auch vom subjektiven Empfinden des einzelnen abhängig. Inwieweit Machtmißbrauch stattfand, muß im Einzelfall genau geprüft werden und nicht als pauschale Verdächtigung über jede Gemeinde gehängt werden. So waren denn auch manche Werke nicht zum Gespräch mit der ARD bereit. Vielleicht vermuteten sie schon eine unausgewogene Berichterstattung.

Den Christen der Deutschen evangelischen Allianz, den radikalen Christen in Deutschland, wurde ein schlichtes Weltbild vorgeworfen, und daß sie ihren Glauben als Machtmittel gebrauchen würden. Ich denke, daß die Dokumentation selbst von diesen zwei Vorwürfen nicht ganz frei ist. Modellrechnungen sind immer nur so gut wie die Annahmen, die ihnen zugrunde liegen. Ich denke, dieser Merksatz gilt auch für Dokumentationen.

Es kann natürlich sein, daß sich hinter der Ablehnung der Deutschen evangelischen Allianz eine Ablehnung des Evangeliums an sich verbirgt.

„Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verlorengehen; uns aber, die wir gerettet werden, ist es eine Gotteskraft; denn es steht geschrieben: „Ich will zunichte machen die Weisheit der Weisen, und den Verstand der Verständigen will ich verwerfen“.“ (1. Korinther  1:18-19)

Die Torheit des Kreuzes demütigt den Verstand des Menschen. Wir sind schuldig vor Gott und brauchen einen Erlöser. Gott hat diesen Erlöser in Form seines Sohnes in die Welt gesandt. Nachdem er am Kreuz an unserer Stelle gelitten hat und auferstanden ist, ruft er uns in seine Nachfolge als lebendiger, regierender Herr (Matthäus 28:18-20). Wer diese Botschaft ablehnt, hat dazu die Freiheit. Er darf sich aber nicht darüber wundern, daß andere sie annehmen und in Christus ein neues Leben finden. Leben, das wirklich Leben ist (1. Timotheus 6:19 L84).

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