Unsichere Leiter

In einem Vortrag im Rahmen seiner Gemeindegründungskonferenz 2011 sprach Pastor Johnny Hunt von der First Baptist Church Woodstock über unsichere Leiter in christlichen Gemeinden, ihre Merkmale und welche Probleme sie schaffen. Diese Botschaft sei unter den am meist-nachgefragten Themen, da Gemeinden immer wieder davon betroffen wären. Einer der Hauptgründe für Probleme im Dienst der Gemeinden seien unsichere Leiter. Leiter, die gute Mitarbeiter verprellen, weil sie sich von ihnen bedroht fühlten. Als Beispiel gab er König Saul im Alten Testament und seine Beziehung zu David. Saul wäre der unsicherste Leiter der ganzen Bibel. Leiterschaftsentwicklung sei aber gerade für Gemeinden wichtig, denn wenn man eine Gemeinde zum wachsen bringen möchte, muß man in das Wachstum ihrer Leiter investieren. Es gäbe schon genug Ermahnung in Gemeinden, nun müsse auch das Vorbild guter Leiter folgen. Der Kernauftrag einer Gemeinde sei es, Menschen zu Jüngern zu machen. Dazu benötige es Leiter, die ihre Verantwortung in der Jüngerschaft wahrnehmen. Dagegen seien unsichere Leiter ein Schaden sowohl für sich selber, als auch für die Gemeinden, die sie leiten. Sie bringen ihre Gemeindemitglieder und ihren Dienst in Gefahr, weil sie nur an sich selbst, anstatt an andere denken.

Zunächst erklärte Johnny Hunt einige grundlegende Leitungsprinzipien. Wenn man als Leiter berufen sei, solle man auch die Verantwortung annehmen. Leiter sollten offen zu ihren Fehlern stehen. Leiterschaft würde die eigene Unsicherheit oft noch verstärken. Jedes Gepäck, welches man zu einem Dienst mitbringt, würde nur schwerer werden, wenn die Organisation wächst, es sei denn man beschäftigt sich damit. Unsicherheit würde einen ungewiß machen, was zu Unentschiedenheit führe, was zu Problemen in Organisationen führe, die wiederum schlechte Stimmung bewirken und die Produktivität lähmen.

Im Kernteil des Vortrages verglich Pastor Hunt das Leben von König Saul und König David angefangen mit 1. Samuel 15. Als ein unsicherer Leiter schob Saul die Schuld auf andere und übernahm keine Verantwortung für seinen Ungehorsam. Er fürchtete das Volk mehr als Gott. Er wurde selbstzentriert und nur auf seinen Vorteil bedacht. Er wurde eifersüchtig auf David, entfernte sich von ihm, fürchtete ihn und wollte ihn schließlich sogar ermorden. Weil Saul ein unsicherer Leiter war, wurde er zum Feind Davids, statt sich seiner Freundschaft zu erfreuen.

Was würden Gemeindemitarbeiter einem unsicheren Leiter gern sagen? Ich bin da, um beim Dienst in der Gemeinde zu helfen – bitte lass mich. Ich möchte wachsen – bitte gib mir die Möglichkeit dazu. Ich möchte etwas großes für Gott tun – bitte setze mich frei dazu. Da hast mich zur Mitarbeit in der Gemeinde berufen – bitte setzte mich ein. Gott hat mir Gaben und Fähigkeiten geschenkt – bitte fühl dich dadurch nicht bedroht. Ich bin hier, um dein Freund zu sein – bitte erlaube mir, eine freundschaftliche Beziehung zu dir zu haben.

Wie kann man einen unsicheren Leiter ausfindig machen? Einem unsicheren Leiter fällt es schwer, anderen Anerkennung zu zollen. Er hält Informationen von seinen Mitarbeitern zurück, um sie zu kontrollieren. Er möchte nicht, daß seine Mitarbeiter andere Leiter kennenlernen. Er wird durch das Wachstum von anderen bedroht. Er regelt selbst kleinste Kleinigkeiten.

Was sind die Gefahren von unsicheren Leitern? Sie sind nicht wirklich Leiter. Man könne Menschen nicht führen, die man zu seiner Identität brauche. Sie geben Menschen keinen Schutz. Sie nehmen mehr von Menschen als sie geben. Sie bremsen ihre besten Leute und ihre Organisation. Man könne zwar alles weitergeben, was man wisse, aber nur das reproduzieren, was man auch selbst wirklich sei.

Was kann man tun, wenn man ein unsicherer Leiter ist? Man solle lernen, verletzbar zu sein und ehrlich mit seiner Unsicherheit. Man solle sich Rechenschaft suchen und zulassen, daß Gott einen verändert. Man solle seine Sicherheit und Identität in Christus finden, nicht in seinem Dienst oder seiner Position. Man solle anfangen, andere für ihre guten Leistungen öffentlich zu loben. Man solle sich einen guten Mentor suchen, an dem man Sicherheit lernen kann.

Ich denke, daß die Botschaft von Johnny Hunt große Relevanz für unsere Gemeindearbeit in Deutschland hat. Gemeinden entstehen durch die Verkündigung des Evangeliums und müssen immer wieder auf das Evangelium ausgerichtet werden. Dafür braucht es Leiter, die ihre Kraft und ihre Identität aus der Beziehung zu Jesus bekommen. So können sie der Gemeinde wirklich dienen und ihren Erfolg im Erfolg der Gemeindemitglieder sehen. Sie werden sie zu Leitern gemäß Epheser 4:11-13:

Und Er hat etliche als Apostel gegeben, etliche als Propheten, etliche als Evangelisten, etliche als Hirten und Lehrer, zur Zurüstung der Heiligen, für das Werk des Dienstes, für die Erbauung des Leibes des Christus, bis wir alle zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, zur vollkommenen Mannesreife, zum Maß der vollen Größe des Christus.

Kommentar verfassen