Schätze der Gnade: Impulse für die reformierte Bewegung

Das Martin Bucer Seminar hat das Jahrbuch 2013 mit dem Titel „Schätze der Gnade – Reformatorische Theologie im 21. Jahrhundert“ zum kostenlosen Download zur Verfügung gestellt. Darin sind unter anderem vier Aufsätze enthalten, die ich für die moderne reformierte Bewegung in Deutschland als sehr hilfreich empfinde.

Zum einen befaßt sich der Rektor des Martin Bucer Seminars, Thomas Schirrmacher, mit dem Reformator Johannes Calvin. Er stellt das Leben Calvins der schon zu Lebzeiten eintretenden Verleumdung entgegen, die dann in vielen Calvinbiographien kopiert wurde. Er war eben nicht der grausame, despotische, kalte Prädestinationsdiktator, sondern ein warmherziger, demütiger Christ, der seinen Beitrag zur Erneuerung der Kirche in Europa und zur Hinwendung zum Wort Gottes beigetragen hat. Der Artikel von Dr. Schirrmacher sollte helfen, Calvin als Identifikationsfigur teilweise zu rehabilitieren.

In einem zweiten Artikel gibt Ron Kubsch, Dozent für Seelsorgelehre, neuere Theologiegeschichte und Apologetik sowie Autor des TheoBlog.de, einen Einblick in die zeitgenössische reformierte Bewegung. Dieser geht besonders auf die Unterschiede zum alten Calvinismus und die besonderen Schwerpunkte der neuen Bewegung ein. Anhand von 9 Punkten wird aufgezeigt, wie der neue Calvinismus eine Vielfalt der Ausdrucksformen und ein missionarisches Herz mit einer reformierten, theologischen Grundlage verbindet. Eine anschließende Kritik weist auf Schwachstellen und Entwicklungsfelder hin, die von der jungen Bewegung bewältigt werden müssen, um langfristig stabile Wurzeln auch in Europa zu schlagen.

Ein dritter Artikel von Matthias Lohmann, Pastor der FeG München-Mitte und Initiator von Evangelium21, zeigt die reformierten Wurzeln der Freien evangelischen Gemeinden und der Baptisten in Deutschland auf. Sowohl Johann Gerhard Oncken, Gründer der ersten Baptistengemeinde, als auch Hermann Heinrich Grafe, Gründer der ersten FeG, hatten reformierte Glaubensüberzeugen, welche sie in die Glaubensbekenntnisse der neuen Gemeinden bewußt einfließen ließen. Leider ist das Wissen um die reformierten Wurzeln in den daraus entstandenen Gemeindebünden heute vielfach verloren gegangen, weshalb Matthias Lohmann eine Rückbesinnng auf die Heilige Schrift fordert, aus der die Glaubensüberzeugungen ihrer Gründungsväter entstammen.

Ein weiterer Artikel von Matthias Lohmann befasst sich mit der Auslegungspredigt, einem zentralen Bestandteil der reformierten Bewegung. Dabei sollen vor allem Impulse zur biblischen Theologie gebracht werden, welche die Schrift auf Christus hin ausgerichtet versteht  (siehe Lukas 24:27). Jede Predigt müsse dieses zentrale Anliegen der Heiligen Schrift ausdrücken und um das Evangelium herum konzipiert werden. Jeder Bibeltext hat einen Bezug zum Evangelium vom Leben, Sterben und der Auferstehung von Jesus Christus, zu seiner Person oder seinem Heilshandeln.

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