Christ, der Retter ist da!

In der vorweihnachtlichen Adventszeit gedenkt die christliche Kirche des Kommens des Messias. Aber bei der Frage, warum Jesus auf die Welt gekommen ist, was eigentlich das Ziel seiner Menschwerdung war, gehen die Meinungen innerhalb der Christenheit stark auseinander. Die einen sehen in ihm ein ethisches Vorbild, dem wir durch ein moralisch geführtes Leben nacheifern sollen. Andere betonen zwar die Wichtigkeit seines Sterbens am Kreuz, sehen darin aber eher eine Erlösungsmöglichkeit, die Jesus für alle geschaffen hat, die sie jetzt mit dem Glauben ergreifen wollen. Er hätte uns errettbar gemacht, indem er für unsere Schuld am Kreuz bezahlt hat. Aber wir müßten diese Errettung selbst verwirklichen, indem wir das Angebot der Vergebung annehmen. Potentiell galt Jesu Sühnetod am Kreuz allen Menschen, aber wirklich zählt er nur für die Gläubigen.

Es ist vollbracht

Der Idee dieser hypothetischen Erlösung steht die Sprache der Bibel entgegen, die durchweg von der Rettung als etwas fertigem, vollbrachten spricht.

Sie wird aber einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk erretten von ihren Sünden. Matthäus 1:21

Jesus wird hier angekündigt als der Retter (Jesus = Der Herr ist Rettung), der sein Volk retten wird. Er wird es nicht in einen möglichen Stand der Errettung versetzen, die es dann durch seine eigene Glaubensentscheidung selbst verwirklicht. Sondern er wird sein Volk tatsächlich von ihren Sünden erretten, das heißt ihre Strafe auf sich nehmen.

Und er hat die gegen uns gerichtete Schuldschrift ausgelöscht, die durch Satzungen uns entgegenstand, und hat sie aus dem Weg geschafft, indem er sie ans Kreuz heftete. Kolosser 2:14

Jesus hat nicht für hypothetische Sünden von hypothetischen Sündern gelitten, sondern er ist mit einer Liste von Namen ans Kreuz gegangen. Er hat die Anklageschrift von konkreten Übertretungen konkreter Menschen getilgt.

So wird der Christus, nachdem er sich einmal zum Opfer dargebracht hat, um die Sünden vieler auf sich zu nehmen, zum zweitenmal denen erscheinen, die auf ihn warten, nicht wegen der Sünde, sondern zum Heil. Hebräer 9:28

Jesus ist erschienen, um die Sünden konkreter Menschen auf sich zu nehmen. Die Lutherübersetzung sagt es noch deutlicher: „die Sünden vieler wegzunehmen“. Das ist nicht die Sprache einer möglichen Errettung für eine unbestimmte Zahl, sondern eine Sühne, die vollbracht und vollendet ist. Deswegen konnte Jesus am Kreuz sagen: „Es ist vollbracht.“ (Johannes 19:30), weil sein Werk der Erlösung tatsächlich fertig war, und alles andere nur noch Ausfluß dessen ist, was er schon vollkommen vollendet hat.

Der Hirte gibt sein Leben für die Schafe

Wenn nun das Erlösungswerk Jesu dergestalt vollendet ist, dann kann es nicht für eine unbestimmte Zahl von Menschen dargebracht worden sein. Sonst würde jeder Mensch gerettet werden. Im amerikanischen Strafsystem gibt es das Prinzip des Double Jeopardy. Dieser Rechtsgrundsatz besagt, daß ein Mensch nicht zweimal wegen desselben Verbrechens verurteilt werden kann. Dieses Verbot der Doppelbestrafung steckt auch hinter dem Heilswirken Christi. Wenn Jesus tatsächlich meine Sünden am Kreuz getragen hat und die Schuld dafür bezahlt hat, dann kann Gott mich nicht mehr dafür zur Rechenschaft ziehen. Er würde sonst die Sünde zweimal bestrafen, einmal bei meinem Stellvertreter und dann nochmal bei mir. Somit muß die Zahl der Menschen, für welche dieses Opfer dargebracht wurde, beschränkt sein. Und tatsächlich, wenn wir uns die Verse von oben nochmal genauer anschauen, dann steckt in ihnen schon der Verweis auf eine bestimmte Menschengruppe, für die Jesu Heilshandeln gilt. Er hat „sein Volk“ von ihren Sünden errettet, die Schuldschrift ausgelöscht, die gegen „uns“ gerichtet war, und sich zum Opfer dargebracht, um die Sünden „vieler“ auf sich zu nehmen.

6 Ich habe deinen Namen den Menschen offenbar gemacht, die du mir aus der Welt gegeben hast; sie waren dein, und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt. 19 Und ich heilige mich selbst für sie, damit auch sie geheiligt seien in Wahrheit. Johannes 17:6,19

Jesus spricht im Johannesevangelium immer wieder von einer besonderen Gruppe Menschen, die Gott ihm anvertraut hat (Johannes 6:37,39), seine „Schafe“, die der Vater ihm gegeben hat (Johannes 10:29). Für sie geht er den Weg zum Kreuz (Johannes 17:19). Ja, er gab sein Leben, „um die zerstreuten Kinder Gottes in Eins zusammenzubringen“ (Johannes 11:52).

Ein Gott, der rettet

Wir haben einen Gott der eingreift, rettet und befreit (Jesaja 46:4).

Gepriesen sei der Herr! Tag für Tag trägt er unsere Last, Gott ist unser Heil! Psalm 68:20

Er tut nicht die Hälfte und überläßt uns dann den Rest. Die ganzen biblischen Geschichten haben eine gemeinsame Lektion: „Die Rettung kommt von dem Herrn“ (Jona 2:10). Diesen Gott dürfen wir zur Advents- und Weihnachtszeit feiern. Er hat seinen Sohn zur Erde gesandt, um ein vollkommenes Leben unter dem Gesetz zu führen (Galater 4:4). Ein Leben, das wir niemals leben konnten. Dieses Leben beschloß er mit einem stellvertretendem Tod am Kreuz (1. Petrus 3:18). Ein Tod, den wir hätten sterben müssen. Nun ist er auferstanden und schenkt uns durch den Heiligen Geist ein neues Leben (Johannes 10:10). Ein Leben, nach dem wir uns immer gesehnt haben.

Stille Nacht! Heilige Nacht!
Die der Welt Heil gebracht,
Aus des Himmels goldenen Höh’n
Uns der Gnade Fülle läßt seh’n
Jesum in Menschengestalt!
Jesum in Menschengestalt!

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