Das Jüngerschaftsprinzip aus 2. Timotheus 2:2

Paulus nannte Timotheus sein „geliebtes Kind“ im Glauben (2. Timotheus 1:2). Er stammte aus einer Familie, die ihn schon früh in den Heiligen Schriften unterwies. Paulus führte ihn vermutlich während seiner ersten Missionsreise, als er auch die Heimstadt von Timotheus, Lystra, besuchte, zum Glauben an Jesus (siehe Apostelgeschichte 14:6-23). Dort stieß Paulus im Übrigen auf starken Widerstand und wurde sogar gesteinigt, wodurch er früh ein Vorbild für Timotheus wurde in der Bereitschaft, für das Evangelium zu leiden. Während seiner zweiten Missionsreise kehrte er nach Lystra zurück und wählte Timotheus zu seinem Begleiter aus (Apostelgeschichte 16:1-3). Obwohl Timotheus zu diesem Zeitpunkt erst circa 20 Jahre alt war, war er schon für seine Gottesfurcht bekannt. Er wurde für den Rest seines Lebens zum treuen Jünger, Freund und schließlich Mitarbeiter des Paulus. Mit ihm wirkte er in Beröa, Athen und Korinth, und er begleitete ihn auf seiner Reise nach Jerusalem. Er war mit Paulus in Rom bei dessen erster Gefangenschaft und ging nach seiner Freilassung nach Philippi. Paulus erwähnte ihn immer wieder in seinen Briefen und sandte ihn wiederholt als seinen Vertreter zu den Gemeinden. Timotheus wurde schließlich Pastor der Gemeinde in Ephesus.

Entfache die Gabe

Paulus führte Timotheus nicht nur zum Glauben, sondern er trainierte ihn ein Leben lang und half ihm, im Glauben zu wachsen und seine Berufung im Dienste Jesu zu erfüllen. Bei seiner zweiten Gefangenschaft in Rom schreibt Paulus an seinen Schüler, daß er „voll Verlangens“ sei, ihn wiederzusehen (2. Timotheus 1:4). Paulus verstand sich nicht nur als geistlicher Lehrer, sondern er war in vollem Umfang Mentor, Betreuer, Freund und Vater im Glauben. Als Timotheus aufgrund der Verfolgung unter Kaiser Nero furchtsam wurde, und der Widerstand in der eigenen Gemeinde dazu führte, daß er seine Gnadengabe des Lehrens und Verkündigens einschlafen ließ, ermahnte ihn Paulus eindringlich, seine Gnadengabe wieder anzufachen, nicht ängstlich zu sein, sondern sich auf die Kraft des Heiligen Geistes und die Gewißheit des Evangeliums zu verlassen (2. Timotheus 1:6-10).

Ein Vorbild des Leidens

Neben dem innewohnenden Heiligen Geist und der festen Kette des Evangeliums erinnerte ihn Paulus auch an sein eigenes Vorbild im furchtlosen Bekennen des Evangeliums und im Festhalten an der gesunden Lehre (2. Timotheus 1:11-13). Paulus selbst schöpfte Kraft und Sicherheit aus der Gewißheit, daß der Heilige Geist in ihm wohnt, welcher das Unterpfand unseres himmlischen Erbes ist und das Siegel, daß Gott uns dorthin führen wird (2. Timotheus 1:14; Epheser 1:13,14).

Neben Paulus war auch Onesiphorus ein Vorbild des Leidens, der selbst in einer Situation, wo sich viele von Paulus aufgrund seiner Gefangenschaft abgewandt hatten, treu zu seiner Seite stand und sich „seiner Ketten nicht geschämt“ hatte (2. Timotheus 1:15,16). Er war einer der wenigen, die Paulus in seiner zweiten Gefangenschaft in Rom besucht hatten und er war ein treuer Diener der Gemeinde in Ephesus gewesen (2. Timotheus 1:17,18).

Gib es weiter

Nach allem, was Paulus an persönlichem Engagement, Vorbild, Lehre und Freundschaft in Timotheus investiert hatte, ermahnte er ihn nun, selbst nach anderen Menschen Ausschau zu halten, denen er ein ähnlicher geistlicher Mentor sein konnte (2. Timotheus 2:2). Von all den Dingen, die Paulus laut 2. Timotheus 3:10,11 an Timotheus weitergegeben hatte, dürften die wenigsten in einer bloßen Gottesdienstsituation gelehrt wurden sein. Paulus hatte eine tiefe, persönliche Beziehung zu Timotheus initiiert, durch die er ihm nicht nur das Wort Gottes gelehrt, sondern geistliche Wahrheiten tiefschürfend anvertraut hatte. Timotheus sollte nun diesen Dienst der persönlichen Jüngerschaft reproduzieren und selbst in „treue Menschen“ investieren, die wiederum „fähig sein werden, auch andere zu lehren“ (2.Timotheus 2:2). Der Dienst von Jesus und Paulus sollte multipliziert werden, indem immer neue Genrationen von Jüngern geistliche Wahrheiten durch intensive, persönliche Beziehungen vermitteln.

Dieses Element des Abschauens oder Nachahmens (1. Korinther 11:1; Philipper 4:9) ist ein zentrales neutestamentliches Prinzip der Jüngerschaft. Wenn es in einer Gemeinde oder einem christlichen Werk umgesetzt wird, können ähnlich starke Leiter wie Timotheus, Onesiphorus, Clemens, Tychikus oder Titus entstehen. Dadurch hängt der Dienst nicht am Pastor oder einem geistlichen Leiter, sondern wird auf immer mehr Schultern verteilt, die Jesus treu dienen und sein Evangelium verkündigen.

Und was du von mir gehört hast vor vielen Zeugen, das vertraue treuen Menschen an, die fähig sein werden, auch andere zu lehren. (2. Timotheus 2:2)

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