Erfahrungen aus einem Besuch in Amerika

Im Januar durfte ich für zweieinhalb Wochen die Vereinigten Staaten besuchen, hauptsächlich wegen einer Pastorenkonferenz in unserer Partnergemeinde in Jacksonville. Daneben nahm ich aber auch an der Passion Konferenz 2015 und einer Ligonier Konferenz teil. Außerdem konnte ich viele Freunde und Bekannte besuchen, und neue Kontakte knüpfen. Mir sind folgende Eindrücke aus der Reise hängengeblieben.

Gastfreundschaft

Ich wurde in mehreren christlichen Familien so freundlich aufgenommen, daß es für mich ein echtes Vorbild gelebter christlicher Nächstenliebe wurde. Die Bibel ruft ausdrücklich zur Gastfreundschaft auf (Hebräer 13:2) und ich war beeindruckt, wie viele Familien mir ihre Türen und Herzen geöffnet haben und ganz praktisch durch finanzielle Unterstützung oder dem Ausleihen eines Fahrzeugs aushalfen.

Predigten und der Umgang mit dem Wort Gottes

Neben vielem Positiven, das ich auf den Konferenzen erleben durfte, war ich doch enttäuscht, daß die meisten Predigten ihren zugrundeliegenden Text nicht wirklich auslegten. Oft diente er nur als Basis für eine allgemeine Moralpredigt, entweder hingegebener als Christ zu leben oder als Gemeinde aktiver zu sein. Durch eine fehlende Auslegung des Bibeltextes folgte nicht nur eine Beliebigkeit der Predigtaussage, sondern es führte auch oft dazu, daß das Evangelium ganz oder weitestgehend fehlte. Die Predigt hätte so auch als Moralappel bei den Pfandfindern oder anderen säkularen Gruppen durchgehen können, aber es fehlt das spezifisch christliche: die gute Nachricht vom Tod und der Auferstehung unseres Retters Jesus Christus. Er hat unsere Schuld bezahlt und dadurch müssen wir nicht mehr aus eigener Kraft gute Christen oder eine gute Gemeinde sein. Wir sollen stattdessen auf ihn und sein Werk am Kreuz sehen, dann wird er durch uns sein Werk in der Welt vollbringen. Paulus rief Timotheus auf „Verkündige das Wort!“ (2. Timotheus 4:2). Eine Predigt in der Gemeinde sollte nicht mehr und nicht weniger als eine Auslegung und Anwendung des Wortes Gottes sein und dessen Hauptaussage: die Erlösung, die in Christus Jesus ist (Römer 3:24).

Gottes Herrlichkeit sehen erzeugt Freude und Leidenschaft in unserem Leben

Wenn die Passion Bewegung (www.268generation.com) für eines steht, dann für Leidenschaft für die Größe und Herrlichkeit Gottes. Und wahrlich, eine gewissenhafte Exposition des Bibeltextes führt unweigerlich zur Begegnung mit dem Gott der Bibel, dessen Herrlichkeit unendlich ist. Wir sollen ihm mit „Lobgesang und Jauchzen begegnen“, weil er „ein großer Gott und ein großer König ist“ (Psalm 95:2,3). Das sollte im Kern auch das Hauptinteresse der Predigt und des gesamten Gottesdienstes sein: Mensch mit der Herrlichkeit und Schönheit Gottes konfrontieren. In manchen wird das zur Ablehnung führen. Christus ist für manche „ein Geruch des Todes zum Tode“. Aber für andere wird er zum „Geruch des Lebens zum Leben“ (2. Korinther 2:16) und erfüllt ihre Herzen mit „unaussprechlicher und herrlicher Freude“ (1. Petrus 1:8).

Gott wirkt in den Details

Ich durfte auch immer wieder Gottes geheime und wundersame Fügung erleben, wie er in den Einzelheiten unseres Lebens wirkt. Viele ungeplante und von mir niemals zu steuernde Segnungen hat er ermöglicht, die mich daran erinnert haben, daß er immer am Wirken ist, egal ob wir’s sehen oder nicht. Von der Zuteilung in das Team bei der Passion Konferenz über die Ermöglichung der kostenlosen Nutzung eines Autos bis zur Zuteilung zur selben Gastfamilie bei der Pastorenkonferenz, die ich schon vor zwei Jahren kennenlernen durfte, hatte Gott in allem seine Finger im Spiel. Der Vater „wirkt bis jetzt“ und Jesus „wirkt auch“ (Johannes 5:17). Wir leben in seiner Welt und dürfen hoffen, daß er alle Umstände unter seiner Kontrolle hat und „alle Dinge durch das Wort seiner Kraft“ zu seinem Ziel trägt (Hebräer 1:3).

Wichtigkeit der Lernbereitschaft

Oft ist es leicht zu glauben, daß man geistlich nichts mehr dazulernen braucht, schon gar nicht von theologisch Andersdenkenden. Aber Gott hatte während der Reise viele Gelegenheiten geschenkt, wichtige geistliche Lektionen von Menschen zu lernen, die nicht die reformatorische Sichtweise unserer Gemeinde teilen. Das hat mich an den Aufruf des Petrus erinnert: „Ihr alle sollt euch gegenseitig unterordnen und mit Demut bekleiden! Denn Gott widersteht den Hochmütigen; den Demütigen aber gibt er Gnade.“ (1. Petrus 5:5). Man lernt nie aus und man sollte nie vorher aussortieren, durch wen Gott zu einem sprechen darf.

Das Kreuz steht im Zentrum der Offenbarung der Liebe und Treue Gottes

Auch hier liegt ein Kernanliegen der Passion Konferenzen. Der Tod Jesu am Kreuz hat alles verändert. Er beweist uns, daß Gott uns liebt (Römer 5:8) und uns alles geben wird, was wir in der Nachfolge Christi brauchen (Römer 8:32). Das Kreuz ist auch das wichtigste Argument im Gebet (Johannes 16:24) und in ihm hat sich Gott zur Einhaltung all seiner Versprechen noch einmal extra gebunden (2. Korinther 1:20; 2. Petrus 1:4). Im Vertrauen auf das Kreuz und das Sühnewerk Jesu, welches dadurch symbolisiert wird, können wir es immer wieder wagen, auf den Herrn und sein Eingreifen zu vertrauen.

Gott gebraucht uns, wie wir sind

Bei der letzten Konferenz von Ligonier, dem Dienst von R.C. Sproul, habe ich mich ziemlich als Außenseiter gefühlt. Alle kamen im Anzug und waren super herausgeputzt. Die ganze Veranstaltung wirkte professionell und einschüchternd. Ich dachte, was ist mit mir? Ich komme nicht aus einer Pastorenfamilie, bin noch im Theologiestudium und scheine auch nicht all die Gaben und Ressourcen zu haben, die von den Menschen hier ausgestrahlt werden. Dann erinnerte ich mich aber an das Argument von Paulus, daß Gott ganz bewußt, den Schatz seines Evangeliums in „irdene Gefäße“ verpackt, damit deutlich wird, daß die „überragende Kraft von Gott sei und nicht von uns“ (2. Korinther 4:7). Gott gebraucht keine Profis, sondern einfache Menschen, die ihre Abhängigkeit von ihm immer wieder anerkennen. Als ich dann länger bei der Konferenz war, entdeckte ich auch andere Menschen, die nicht ganz dem Bild entsprachen und wurde neu ermutigt, daß Gott nicht irgendetwas Äußerliches fordert, sondern ein Herz, daß ihm vertraut und ihm gehorcht (2. Chronik 16:9).

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