Ligon Duncan: Gottes barmherzige Gnade in der Leidenschaft für seinen Namen und die Freude seiner Diener

Ligon Duncan, Kanzler des Reformed Theological Seminary hat in seiner Predigt zur Together for the Gospel Konferenz 2012 ein eindrückliches Plädoyer geliefert, Gott gerade in schwierigen Kontexten des christlichen Dienstes zu vertrauen. Nachdem C.J. Mahaney die Konferenz mit einer Predigt zu 2. Korinther 4 eingeleitet hatte, wo der Apostel Paulus auf seine Entmutigung im Dienst eingeht und die Kraft, die er durch das Evangelium bekommt, war die Predigt von Ligon Duncan eine leidenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Leben des Propheten Elia im Alten Testament. Dort gibt es nämlich einen abrupten Umschwung vom äußerlich erfolgreichen Prophetendienst in 1. Könige 18 und tiefer Verzweiflung mangels nachhaltiger Frucht in 1. Könige 19. Darin spiegelt sich die Erfahrung vieler treuer Diener des Wortes wieder und Ligon Duncan hatte ermutigende Worte, dem Herrn weiter zu vertrauen.

Wir alle müssen lernen, mit unseren Enttäuschungen umzugehen. Oftmals ist die unausgesprochene Vorstellung: „Wenn ich treu zum Herrn stehe und seinen Willen tue, dann werde ich nicht niederdrückende Dunkelheit und Verzweiflung erleben.“ Tritt diese aber dann doch ein, fragt man sich schnell: „Warum passiert das jetzt?“ Aber gerade in diesen Zeiten können wir erkennen, was wir in unserem Leben wirklich lieben, woran wir wirklich glauben, wo wir wirklich ruhen und unsere Erfüllung und Sicherheit finden. Wir finden heraus, was unser wirklicher Schatz ist. Denn auch, wenn wir als Pastoren andere oft über das Wesen Gottes lehren, tendieren wir doch trotzdem dazu, zu vergessen, daß Gott Gott ist, und daß Er gut ist. Auch wir stehen in der Gefahr, Götzen in unserem Herzen Raum zu geben und zu glauben, daß es einen größeren Schatz gibt als das, was Gott uns gegeben hat oder geben kann.

Mit diesen Gedanken finden wir den Propheten Elia in 1. Könige 19. Es ist ein totaler Umbruch von 1. Könige 18 zum nächsten Kapitel und man fragt sich, wie nach den Geschehnissen auf dem Berg Karmel die Hoffnungen des Propheten so sinken und sein Herz mit soviel Furcht erfüllt werden konnte. Aber seine Hoffnungen auf eine nationale Erweckung durch die Ereignisse auf dem Karmel hatten sich nicht erfüllt. Isebel war immer noch an der Macht und bereit, ihren Götzendienst zu verteidigen. Ligon Duncan macht die Situation persönlich, indem er nach unseren eigenen Verlusterfahrungenen fragt, nach unseren unerfüllten Träumen, Plänen, Sehnsüchten und Hoffnungen. Welche Dinge, die wir uns so sehr gewünscht haben, haben wir nie erhalten oder hatten sie, nur um sie wieder zu verlieren? Wie gehen wir mit solchen Situationen um? Für Ligon Duncan ist die Reaktion in diesen Momenten vielleicht das wichtigste, was wir im Leben tun. Was tun wir, wenn die guten, heiligen, vielleicht sogar richtigen Dinge, nach denen wir uns gesehnt haben, nicht gekommen sind oder wieder genommen worden? Oder Gott hat sie uns, wie Mose das verheißene Land, gezeigt, nur um zu sagen, daß sie nicht für uns sind.

Niemand außer Mose hatte zuvor einen ähnlichen Dienst wie Elia. Er diente dem Herrn mutig und tapfer, aber er mußte erleben, wie alle seine Hoffnungen zerschmettert wurden. Sein großer Traum war verloren. Aber die unnachgiebige, barmherzige Gnade Gottes verfolgte ihn. Der Herr sorgt sich um seine Diener und geht ihnen nach. Es ist manchmal schwer, wirklich an die Souveränität Gottes zu glauben, selbst wenn man sie offiziell als Lehre bekennt. Elias Name bedeutet: Mein Gott ist der Herr. Aber er mußte nun lernen, daß das auch heißt, daß Herr auf Seine Weise wirken möchte. Elia hatte Gottes spektakuläres Eingreifen erlebt und erwartete, daß Gott nun auf ähnlich spektakuläre Weise eine Erweckung in Israel bewirken und die Nation zurück zu sich berufen würde. Aber dieser Traum wurde nicht erfüllt. Ahab und Isebel waren immer noch an der Macht und würden alles tun, damit der Baalsdienst wieder neue Unterstützung bekommt. Elia mußte erfahren, daß sich die Dinge in seinem Dienst nicht so entwickeln würden, wie er es sich erträumt hatte. In dem Moment, als sich seine Hoffnungen nicht erfüllten, kommt seine Welt faßt zu einem Ende und er hat nur noch einen Wunsch – zu sterben.

Auch unser Dienst kann fruchtlos erscheinen, während manche falsche Lehrer in Scharen Anhänger finden. Oder der eigene Sohn hat keine persönliche Beziehung zu Christus. Verzweiflung und Entmutigung können selbst treue Diener Gottes treffen, wenn ihre tiefsten Träume zerschmettert werden. Selbst Propheten, die gegen Götzendienst kämpfen, können aus ihren Hoffnungen und Träumen einen Götzen machen, an dem sich Gott orientieren muß. Elia hatte seinen Namen und seine Botschaft vergessen. Er war nicht psychologisch depressiv, sondern in einer theologischen Krise. Er hatte selbst den Gott vergessen, zu dem er Israel aufrief. Elia wollte eine außergewöhnliche Zurschaustellung der Herrlichkeit Gottes in Israel sehen, aber der Herr liebt es, in den kleinen und unscheinbaren Dingen zu wirken. Elia wollte, daß die Baalsanbetung mit einem spektakulären Eingriff Gottes zu Ende gebracht wird, aber der Herr hatte nicht vor, die Gebete aus Elias Herzen mit einem Ja zu beantworten. Er hat anderes vor.

Das zeigt sich auch in dem Auftrag, auf den er Elia sendet, nachdem er ihm am Berg Horeb begegnet ist. Gott zeigt ihm, daß sein Wille für die nationale Erneuerung Israels nicht durch ein außergewöhnliches Eingreifen, sondern durch einen syrischen König, einen anderen israelitischen König und einen anderen Propheten, Elisa, geschehen wird. Wie Mose am Ende des 5. Buch Mose darf Elia das verheißene Land zwar sehen, aber selbst nicht eintreten. Gerade dadurch unterscheidet sich die Stimme Gottes von der Stimme des Teufels. Der Teufel suggeriert uns, daß uns doch alles zustünde, was unser Herz begehrt. Aber der Herr ist bedingungslos darauf aus, die Götzen in unserem Herzen zu tilgen. Er tut dies aus Barmherzigkeit und Gnade, weil er sich eine größere Freude für uns wünscht. Er entwöhnt uns von irdischen Freunden und richtet uns ganz auf sich aus. Er läßt uns mit nichts übrig als sich selbst. Elia brachte die Botschaft an Israel, daß sie sich von ihren Götzen zu dem wahren Gott wenden sollen. Der Herr ließ es nun aber nicht zu, daß Elia diese Botschaft für sich selbst verpaßte. Er bekämpfte den Götzendienst im Herzen seines Dieners. Elia wollte eine Erweckung, aber nicht so wie Gott sie wollte. Dieses Ringen erinnert an den Kampf, den Jesus im Garten Gethsemane auskämpfte, als er sprach: Nicht mein Wille, sondern dein Wille soll geschehen.

Wie geht die Geschichte mit Elia aus? Allem Anschein nach macht Gott dem Dienst von Elia  ein Ende. Elia scheint sein Lebenswerk nicht gut abzuschließen. Er geht niemals nach Syrien oder zu Jehu. Selbst seinen Nachfolger Elisa salbt er nicht mit Öl, und es bleibt diesem überlassen, Jehu zu salben.  Elia scheint am Ende zu sein. Gott scheint sehr hart mit seinem Knecht umzugehen. Er spricht ihm keine Ermutigung zu, sondern fragt ihm ermahnend am Berg Horeb: Was tust du hier, Elia? Er weist Elia scharf zurecht. Und doch sehen wir die Barmherzigkeit Gottes in der Geschichte. Der Herr sendet Engel, um Elia ein warmes Mahl zu bereiten und läßt ihn seine Herrlichkeit sehen. Aber zu diesem Zeitpunkt ist Elia noch so niedergeschlagen, daß er seine Höhle am Anfang gar nicht verläßt. Erst als die leise Stimme erschallt, kommt er heraus, doch er verhüllt sein Angesicht. Er will noch nicht einmal die Herrlichkeit Gottes sehen, sondern ist bereit, aus Verzweiflung zu sterben. Das ist das Ende von Elias Dienst.

Aber plötzlich begegnen wir ihm wieder in 2. Könige 2:1-14. Gott geht seinem Knecht in unnachgiebiger Gnade nach. Wagen und Pferde aus Feuer tragen Elia nach Hause. Gott läßt seine Kämpfer nicht auf dem Schlachtfeld zurück. Er sorgt sich um die zerstörten Hoffnungen und Träume seiner Diener. Er sagt: “Ich kenne sein Herz. Ich weiß, wonach er sich gesehnt hat.” Und es wird sogar noch besser. In Lukas 9 wird Elia auf dem Berg der Verklärung dazugerufen, um die Herrlichkeit des Sohnes Gottes zu sehen. Er, der in seiner Verzweiflung die Herrlichkeit Gottes nicht sehen wollte, darf nun seine Herrlichkeit im Angesicht Jesu Christi sehen. Elia durfte den Retter der Welt sehen und plötzlich wurde alles klar. Es ging dem Herrn nicht nur um eine nationale Erweckung in Israel, sondern er hatte Dinge auf den Weg gebracht, die die Vorbereitung waren für das Kommen seines Sohnes. Dadurch würde nicht nur das Nordreich Israels die Herrlichkeit Gottes sehen, sondern alle Nationen der Welt.

So wirkt Gott. Er greift unseren tiefsitzendsten Götzendienst an und entreißt uns unsere größten Schätze. Hernach gehen wir humpelnd durchs Leben, aber wir haben eins gelernt: Seine Gnade ist genug für uns, seine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Ligon Duncan möchte, daß wir Gott nicht unterschätzen. Er zerschmettert unsere Götzen, die uns sonst zerstören würden. Er wirkt für unser Wohl, selbst wenn wir es nicht sehen und nicht mehr daran glauben können. Als Elia dachte, daß Gott ihm alles genommen hatte, was er sich jemals wünschte, durfte er erkennen, daß der Herr ihm mehr geben wollte, als er jemals bitten oder verstehen konnte. Das ist der Gott, den wir verkündigen. Er läßt uns nicht in unseren Enttäuschen zurück, sondern er hat einen Plan für unsere Freude, von der wir anderen durch das Evangelium erzählen können.

Kommentar verfassen