Paul Tripp: Sex & Geld – Das Babylon da draußen und unser babylonisches Herz da drinnen

In seiner gewohnt herausfordernden aber doch seelsorgerlich-barmherzigen Art nimmt uns Paul Tripp in diesem Buch auf eine Achterbahnfahrt durch unser eigenes, sündiges Herz. Ja, wir leben in einer Welt die geld- und sexverrückt ist, aber der wahre Kampf spielt sich nicht horizontal, sondern vertikal ab – in unserer persönlichen Beziehung zu Gott.

Gott hat diese Welt geschaffen und deshalb hat er auch das Recht, uns Vorschriften in Bezug auf unseren Umgang mit Geld und Sex zu machen. Er hat uns zu seiner Ehre geschaffen, und wir erleben die tiefste Befriedigung nicht durch Habsucht und Begierde, sondern in einem Leben zu seinem Lob. Für Paul Tripp teilt sich die Welt nicht in einen materiellen, von Gott unabhängigen Bereich, und einen geistlichen, der ihm untersteht. In allem, was wir tun, beten wir an. Entweder uns selbst oder etwas Geschaffenes in dieser Welt oder den Gott, der diese Welt geschaffen hat.

Wenn es darum geht was uns antreibt, was erklärt, warum wir tun was wir tun, richtet Jesus unseren Blick fest auf unser eigenes Herz.

Er sprach aber: Was aus dem Menschen herauskommt, das verunreinigt den Menschen. Denn von innen, aus dem Herzen des Menschen, kommen die bösen Gedanken hervor, Ehebruch, Unzucht, Mord, Diebstahl, Geiz, Bosheit, Betrug, Zügellosigkeit, Neid, Lästerung, Hochmut, Unvernunft. All dieses Böse kommt von innen heraus und verunreinigt den Menschen. – Markus 7:20-23

Paul Tripp macht es sehr deutlich, daß es ihm nicht darum geht, Lust und Vergnügen schlecht zu machen. Wir sind dazu geschaffen, Gott zu verherrlichen und uns an ihm zu erfreuen. Aber weltliches Vergnügen braucht Grenzen und sollte immer ein Zeiger auf den wahren Quell der Freude sein: die Herrlichkeit der Beziehung zu Gott selbst. Außerdem sollte unser Verlangen nach Geld und Sex nicht losgelöst von der größeren Bestimmung dieser Dinge gedacht werden. Paul Tripp nennt das sonst „Sex mit kleiner Perspektive“. Wenn man nur an das Hochgefühl des Augenblicks denkt ohne die größere Geschichte im Blick zu haben, die Gott für Sex und unsere Beziehung zum anderen Geschlecht im Sinn hat, dann verpaßt man sehr viel. Sex ist ein Geschenk Gottes, das ihn verherrlichen soll. Es hat den Sinn, in einer intimen, hingegebenen Beziehung von Mann und Frau auf die Freude in der Beziehung zwischen der Gemeinde und ihrem Retter Jesus Christus hinzuweisen. Gott hat deshalb in seinem Wort offenbart, wie wir mit diesem wichtigen Gut umgehen sollen. Wenn wir uns von dieser Offenbarung entfernen und eine Erlösung in Sex oder Geld suchen, die nur durch das Kreuz Jesu Christi geschehen kann, dann entstellen wir das wunderbare Bild, welches Gott sich durch diese Gaben gedacht hat.

Paul Tripp versteht unser Geld- und Sexleben aufs tiefste verwoben mit unserer Anbetung. Statt einem Verlangen nach irdischen Dingen soll unser Herz von der Liebe zu Christus beherrscht sein. Im Kampf gegen die Sünden meines Fleisches soll ich mich weniger auf meine oft vergeblichen Anstrengen konzentrieren und stattdessen den beispiellosen Gehorsam Jesu preisen, der allen Versuchungen widerstanden hat und dessen Gerechtigkeit mir in der Rechtfertigung Gottes gutgeschrieben wird. Mein Leben soll nicht von einer Ewigkeitsamnesie bestimmt sein, sondern jeder Tag und jede Entscheidung sollte im Lichte dessen getroffen werden, daß ich auf eine immerwährende Existenz in der Gegenwart Gottes angelegt bin. Deshalb bin ich aufgerufen von allem zu fliehen, was diese Beziehung trübt, und meinen Leib schon jetzt ganz der Anbetung Gottes hinzugeben.

Das Evangelium befreit uns dazu, mit unserem babylonischen Herzen, welches aus Sex und Geld falsche Götter macht, vor Gott zu kommen und ihn allein Raum zur Herrschaft zu geben. Wir müssen uns nicht schämen, sexuelle Wesen zu sein. Dazu hat Gott uns geschaffen. Wir müssen nicht leugnen, daß wir Sünder sind. Jesus ist für Sünder gestorben. Wir müssen die Gefallenheit der Welt nicht leugnen. Sie hat den Herrn der Herrlichkeit gekreuzigt. Wir müssen uns nicht in Schuld und Furcht verstecken. Jesus ruft uns zu sich. Wir müssen diesen Kampf nicht alleine führen. Gott hat uns die Gemeinde gegeben.

Auch in Bezug auf Geld ist nicht das Ding an sich das Problem, sondern unser Umgang damit. Die „Das steht mir zu!“ Einstellung. Das Kreisen um die eigenen Wünsche. Der Gedanke: „Ich zuerst.“ Wir können unser Geld nicht in unser Leben nach dem Tod mitnehmen, deswegen lohnt es sich, es hier weise zu investieren. Anstatt es wie der reiche Narr in weltlichem Besitz und Sicherheit zu vergeuden (Lukas 12.16-21), sollten wir es zum Bau des Reiches Gottes einsetzen. Anstatt uns das Paradies auf Erden schaffen zu wollen, sollten wir uns Schätze im Himmel sammeln.

Die Lehre, daß das Leben mit dem Tod nicht zu Ende ist, sondern danach ewig währt, macht uns sofort klar, daß unser Leben für etwas Größeres geschaffen ist als die Bedürfnisse und Wünsche des Augenblicks. Es geht nicht darum, den jetzigen Moment zu einem Paradies auf Erden zu machen, sondern mich auf das wirkliche Paradies vorzubereiten. Die Ewigkeit lehrt mich, wo meine einzige und wahre Befriedigung herkommt. Sie zeigt mir auch, welche Investitionen die größte Rendite bringen. Schätze im Himmel werden mir auf immer erhalten bleiben (Matthäus 6:19,20). Indem wir uns an die Ewigkeit erinnern, werden unsere Werte im hier und jetzt verändert und auf das ausgerichtet, was wirklich wichtig ist. Statt dem Geschaffenen zu dienen, beten wir dessen Schöpfer an. Jesus, der den Himmel für uns vorbereitet, hat sich auch verbürgt, uns genug Gnade zu schenken, bis wir dorthin kommen. Wir können im Kampf mit unserem sündhaften Herzen siegen, denn unsere Hoffnung ist nicht unsere Willenskraft, sondern das sündlose Leben unseres Retters.

Gott hat uns einen reichen Schatz im Evangelium gegeben (siehe Jesaja 55:1-3). Wir sind nicht allein im Kampf, diesen Schatz immer tiefer zu erforschen. In ihm haben wir alle Ressourcen, die wir brauchen. Und auch wenn wir in Sünde fallen, ist uns die Vergebung Gottes sicher, weil Jesus am Kreuz für all unser Versagen bezahlt hat. Veränderung ist wirklich möglich, weil es jemanden gibt, der uns versteht.

Denn wir haben nicht einen Hohepriester, der kein Mitleid haben könnte mit unseren Schwachheiten, sondern einen, der in allem versucht worden ist in ähnlicher Weise wie wir, doch ohne Sünde. – Hebräer 4:15

Unsere Schwachheit ist nicht unser Problem, sondern die Selbsttäuschung, daß wir stark sind. Gott hat uns in Christus alle Weisheit und Gnade geschenkt, die wir für unser Leben brauchen. Nur er kann unser Herz wirklich erfüllen. Es gibt Hoffnung im Kampf gegen die Trugbilder dieser Welt, die eine falsche Erfüllung versprechen: Christus in uns, die Hoffnung der Herrlichkeit (Kolosser 1:27).

PS: Auch zu diesem Buch hat Paul Tripp einige Videos veröffentlicht, die in das Thema einführen.

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