Richter 17 – Pragmatischer Glaube

Nach den Ereignissen bei der Mars Hill Gemeinde in Seattle und Olaf Latzels Gemeinde in Bremen denke ich immer wieder darüber nach, wie pragmatisch und kurzsichtig wir oft mit Themen und Entscheidungen im christlichen Leben umgehen. Statt Martin Luthers „Hier stehe ich. Ich kann nicht anders.“, handeln wir oft nach dem Motto: „Ich stehe nirgends und kann immer anders.“ Wir versuchen oft nicht zu Themen den wirklich biblischen Standpunkt herauszufinden und dann als Liebe zu unserem Herrn umzusetzen, sondern wir tun das, was sich gerade ergibt oder am meisten Frucht verspricht. Dieses Denken habe ich in der Studentenarbeit auch oft bei Fragen der Beziehungsethik erlebt, wenn argumentiert wird: „Na, das schadet doch niemanden.“, „Wir haben doch sowieso vor, zu heiraten.“ und „Das ist nicht mehr zeitgemäß.“

Christliche Ethik mißt sich nicht so sehr an den guten Früchten, die aus unseren Handlungen entstehen, sondern an den Prinzipien und Motiven, die unser Handeln leiten. Tun wir das, was wir tun, wirklich aus Gehorsam und Liebe zum Herrn? Martin Luther hat seine Auslegung zu den Zehn Geboten immer so begonnen: „Du sollst Gott so lieben und fürchten, daß …“. Damit verweist er auf die Wichtigkeit unserer Herzenseinstellung gegenüber Gott bei jedem christlichen Handeln. Wir tun nicht einfach das, was die Situation oder die Kultur oder unsere Intuition nahelegen, sondern das, was am besten einer tiefen Liebe und Ehrfurcht gegenüber Gott entspricht. Den Wegweiser dazu finden wir in seinem Wort, welches durch das mächtige Wirken des Heiligen Geistes eingegeben wurde und jetzt Grundlage und Richtung seines mächtigen Wirkens in unseren Herzen ist.

Im Buch Richter aus dem Alten Testament gibt es eine interessante Geschichte, die mitten aus dem Leben der Israeliten herausgegriffen ist, und eine ähnlich pragmatische Kultur vorweist, wie wir sie heute erleben. In Richter 17 wird uns zunächst berichtet, wie Micha einen großen Geldbetrag von seiner Mutter stiehlt. Obwohl er zwei der zehn Gebote bricht (Du sollte Vater und Mutter ehren und du sollst nicht stehlen.), wird er doch von seiner Mutter nicht zurechtgewiesen, als er ihr seinen Diebstahl eröffnet. Sie hatte das Geld schon dem Herrn geweiht, was bedeutet, daß sie davon Bilder und Hausgötzen gießen ließ, um auf ihre eigene Weise den Gott Israels anzubeten. Dieses seltsame Geschehen zeigt, daß Micha und seine Mutter schon kollektiv das erste und das zweite Gebot gebrochen hatten (Du sollst keine anderen Götter neben mir haben und du sollst dir kein Bildnis machen.), was dann zum Bruch der anderen Gebote führte.

In diese pragmatisch denkende Kultur, die in Vers 6 mit den Worten zusammengefaßt wird „Jeder tat, was recht war in seinen Augen.“, kommt ein Levit, der eigentlich Gottes Prinzipien und Standpunkte vertreten sollte. Aber er schien von dieser Kultur des „Ich frage nicht, was Gott will und was ihn verehrt, sondern tue, was mir richtig und nützlich erscheint.“ schon angesteckt worden zu sein und ging auf das Angebot des Synkretisten (Ich bete Jahwe + … an) und Götzenanbeters Micha ein. Für zehn Schekel und ein Hemd verkaufte er die Prinzipien des Heiligen Israels. Statt nach Gott und seinem Willen zu fragen, ging er durch eine vermeintlich offene Tür und nahm ein vermeintlich günstiges Angebot an. Das offenbart auch die Gefahr, einfach nur die beste sich bietende Gelegenheit wahrzunehmen, statt wirklich nach Gott zu fragen. Der Levit ließ sich von finanzieller Sicherheit leiten, statt zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit zu trachten, und die finanzielle Versorgung vom Herrn zu erwarten.

Das Ergebnis des traurigen Versagens des Leviten ist, daß er nun Teil des Götzendienstes von Micha geworden ist, dem es nur darum ging, irgendwie den Segen des Gottes Israels auf seine Seite zu ziehen ohne wirklich sein Leben zu diesem Gott zu bekehren. Mit diesem Denk- und Entscheidungsmuster hat sich der Levit nachhaltig auf verkehrte Wege begeben, denn in Richter 18 wird er vom Stamm Dan zur Beihilfe an noch viel größeren Verbrechen und Götzendienst rekrutiert. Er hat sich endgültig in den Dienst falscher Götter begeben. Statt dessen hätte er sein Leben von Anfang an von der sicheren Weisheit des Wortes Gottes und der schützenden Gemeinschaft Seiner Diener bestimmen lassen sollen. Der Levit ist eine Mahnung an uns, unsere Entscheidungen nicht an Praktikabilität und Fruchtbarkeit auszurichten, sondern an dem Willen Gottes in seinem Wort, den Rat reifer Mentoren in der Gemeinde und dem Wirken des Heiligen Geistes in unserem Leben.

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