Paulus und das Gesetz

Die Freie evangelische Gemeinde München-Mitte und das Martin Bucer Seminar luden am 23. März zu einem Vortragsabend mit dem Neutestamentler Prof. Dr. Peter O’Brien ein. Das Thema war „Paulus und das Gesetz“.

O’Brien bezeichnete das Verhältnis zum Gesetz als den kompliziertesten Aspekt der Theologie des Paulus. Dabei sei seine Theologie des Gesetzes tief verwoben mit seinem Verständnis des Evangeliums. Es sei wichtig zu verstehen, worin es eine Kontinuität vom Alten zum Neuen Testament gäbe, und wo die Diskontinuität läge. Eine zentrale Frage des Abends drehte sich um den Platz des Gesetzes im Leben des Gläubigen. Jesus hatte das Gesetz bis auf den kleinsten Buchstaben bekräftigt (Matthäus 5:17-19). Für Paulus war das Gesetz heilig, gerecht und gut (Römer 7:12). Auf der anderen Seite äußere der Apostel aber sehr deutlich, daß das Gesetz abgeschafft sei. Der Hebräerbrief spreche sogar von einer Änderung des Gesetzes. Und doch zitiere Paulus aus dem mosaischen Gesetz und verbinde es mit dem Christen.

Wie ist also diese Gesetz-Evangelium Verbindung zu verstehen? Die Schreiber des Neuen Testaments sähen das Gesetz in einem heilsgeschichtlichen Rahmen. Gesetz und Evangelium seien zwei aufeinanderfolgende Epochen. Das Gesetz des Mose käme zur Erfüllung in Christus. Trotzdem spiele es eine wichtige Rolle im Leben des Christen. Es hindere die Sünde daran, zu herrschen. Es könne niemals Errettung schenken, denn niemand könne es vollkommen erfüllen. Nur im Herrn Jesus Christus, der das Gesetz vollkommen erfüllt habe, sei Rettung zu finden. Das Gesetz offenbare den Charakter Gottes, indem Israel aufgefordert wurde, heilig zu sein so wie der Herr heilig sei. Nun sei die Erfüllung des Gesetzes ein Ausdruck der Dankbarkeit gegenüber Gott von denen, deren Sünden vergeben seien. Das Gesetz habe Israel geleitet und vorbereitet bis der versprochene Retter kam. Das Gesetz habe in dieser Zeit Sünde offenbart und sogar angeregt. Das geschah, damit die Schuld und Unfähigkeit aller zutage trete und die Menschen von ihrer Schuld überführt würden (Römer 3:19,20).

Daß das Gesetz nicht retten konnte, zeige sich schon in der Person Davids. Eigentlich gab es im alttestamentlichen Opfersystem keine Möglichkeit, wie er für seine vorsätzliche Sünde vergeben werden könnte. Aber David wirft sich auf die Barmherzigkeit Gottes und wird vergeben, weil Gott auf das Opfer von Jesus schaut, daß noch kommen sollte. Das mosaische Bundessystem konnte nicht wirklich das Gewissen reinigen. In diesem Sinne sei es auch in Christus zu einem Ende gekommen, der es an unsere Stelle erfüllt habe (Römer 8:4). Das Gesetz sei nun nicht mehr der entscheidende Faktor im Leben des Christen und der Christ sei in diesem Sinne nicht mehr unter dem Gesetz. Paulus lehre aber keinen Antinomismus, sondern er sieht sich selbst unter dem Gesetz Christi (1. Korinther 9:21). Die Liebe sei die zentrale Forderung dieses neuen Gesetzes (Galater 5:14). Die Forderungen des Gesetzes würden in den Gläubigen nun durch den Heiligen Geist erfüllt. Dabei sei Liebe nicht ein unendlich dehnbarer Begriff, sondern würde im Neuen Testament mit einem definierten Inhalt gefüllt (Römer 13:8-10).

Hier komme nun auch das Gesetz des Mose wieder ins Spiel, denn es könne dabei helfen, das Liebesgebot des Neuen Testaments zu deuten. Das Gesetz des Mose kann das Gesetz Christi verdeutlichen. Die Gläubigen an Christus würden zum einen durch den Geist Gottes geführt, zum anderen aber auch in den Briefen des Paulus erfahren, was das Gesetz Christi sei. Dennoch dürften wir uns immer wieder daran erinnern, daß nur Einer das Gesetz vollkommen erfüllt habe, der Gottes- und Menschensohn. Das Gesetz sei für den Gläubigen daher nicht irrelevant, weil wir nun durch den Geist Christi gestärkt würden, der das Gesetz in uns erfülle. Jesus habe alles für uns getan. Er hat das Gesetz erfüllt und gibt uns nun seinen Geist, der uns leitet und stärkt. Wir sind unserem Retter zu unendlichem Dank verpflichtet!

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