Der große Lobpreis Gottes

33 O welche Tiefe des Reichtums sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes! Wie unergründlich sind seine Gerichte, und wie unausforschlich seine Wege! 34 Denn wer hat den Sinn des Herrn erkannt, oder wer ist sein Ratgeber gewesen? 35 Oder wer hat ihm etwas zuvor gegeben, daß es ihm wieder vergolten werde? 36 Denn von ihm und durch ihn und für ihn sind alle Dinge; ihm sei die Ehre in Ewigkeit! Amen. (Römer 11:33-36)

John Piper predigte 2004 eine zentrale Predigt über Gottes Souveränität im Rahmen seiner Auslegung des Römerbriefes. In Römer 11:33-36 verfällt Paulus in den Lobpreis Gottes, von dem, durch den und zu dem alle Dinge sind. Er soll alle Ehre bekommen und dem Menschen alle Ehre genommen werden.

Paulus hatte der Gemeinde die große Sündhaftigkeit des Menschen, das Versöhnungswerk Jesu am Kreuz, sein Gnadenwerk des Heiligen Geistes und schließlich Gottes erstaunliches Wirken in der Heilsgeschichte vorgestellt. Nun schließt er mit einem Lobpreis am Ende des elften Kapitels ab. Gott möchte, daß wir Paulus in diesem Lobpreis nacheifern, damit der Geber dieser Gaben alle Ehre bekommt. Außerdem ist es nicht zufällig so angelegt, daß die Kapitel 1 bis 11 mit den praktischen Kapiteln ab 12 durch Lobpreis verbunden sind, weil dieser praktische Gehorsam von Paulus selbst als Anbetung bezeichnet wird. Es ist eine Reaktion der Anbetung auf Gottes mächtige Heilstaten. Die Brücke von Theologie zur Praxis ist Doxologie, denn das Christentum ist keine Religion der Willensstärke, sondern das praktische christliche Leben entspringt einem Herzen, daß überwältigt ist von der Größe und dem Wunder der Erlösung Gottes.

Paulus spricht in Vers 33 von Tiefen, die wir nie erreichen können. Es gibt keine Erklärungen, die hinter Gott stehen und keine Gründe, die über Gott stehen. Niemand kann Gott etwas geben, das er nicht schon hat. Gott schuldet niemanden etwas. Wir können ihm nichts geben, besonders keinen Rat. Seine Weisheit geht über unser Verstehen und wir müssen anerkennen, daß seine Gerichte unergründlich sind und seine Wege unausforschlich. Diese Beschreibungen Gottes sollten uns mit Freude erfüllen und die Einladung besteht jetzt, Gott die Ehre zu geben, indem wir Barmherzigkeit von ihm empfangen. Im jüngsten Gericht wird Gott seine Herrlichkeit rechtfertigen und alle müssen anerkennen, was für ein großer Gott er ist.

In Vers 36 schließt Paulus damit ab, daß alle Dinge von und durch Gott sind. Gott ist der letzte Grund für alle Dinge. Alles ist von ihm abhängig, von Anfang bis Ende. In Epheser 1:11 beschreibt Paulus, daß Gott alle Dinge nach dem Ratschluß seines Willens wirkt. Laut Sprüche 16:33 wird jede Entscheidung des Loses von Gott bestimmt. Vom Größten bis zum Kleinsten in unserem Leben wird alles von Gott gelenkt. Selbst der Teufel steht unter Gottes Herrschaft. Gott läßt sein Dasein und sein Wirken zu und könnte ihn jederzeit auslöschen. Wir wissen aus der Bibel, daß der Teufel nicht gerettet werden kann. Deshalb läßt ihn Gott aus anderen Gründen am Leben. Gott hat mächtige Pläne für die Existenz seines Erzfeindes. Niemand kann Gottes Wirken aufhalten.

In 1. Johannes 2:15,16 wird von der Welt gesagt, daß die Fleischeslust, die Augenlust und der Hochmut des Lebens nicht vom Vater kommen. Das heißt, obwohl alles von Gott kommt, so kommt es doch nicht von ihm in gleicher Weise. Manche Dinge entspringen seinem heiligen Wesen. In Gott gibt es keine Sünde, Unheiligkeit oder Dunkelheit. Daher entspringt die Sünde nicht dem Wesen Gottes. Aber Gott bestimmt das Eintreten und den Wirkungsbereich der Sünde aus höheren Gründen. Sie gehört nicht zu seinem Charakter, kann aber im größeren Zusammenhang seinen Willen erfüllen. Sünde kann auf zwei Weisen eintreten, entweder durch Erlaß eines heiligen Gottes, der die Sünde nicht um ihrer selbst will, sondern nur wegen der heiligen Ziele, die er mit seinem Ratschluß erfüllt, oder indem sie seinem eigenen Wesen entspringt. Aber Gott ist nicht Urheber der Sünde und auch selbst kein Sünder, sondern durch und durch heilig. Wir sind vollkommen von ihm abhängig und doch vollkommen verantwortlich für das Böse in unserem Leben.

Wir können Gott nichts geben, was ihm nicht schon gehören würde. Alles hat seinen Ursprung in ihm. Wir bleiben immer in dem Zustand, daß wir keine Ansprüche an Gott stellen können. Niemand handelt mit Gott. Wir empfangen entweder Barmherzigkeit von ihm oder sterben unter seinem Gericht. Gott hat alle unter der Sünde eingeschlossen, damit alle in der beständigen Position des Empfangens sind. Wir empfangen Barmherzigkeit und geben Gott nichts zurück. Sobald wir anfangen, Gottes Gaben durch unser moralisches Verhalten zu erkaufen, beleidigen wir ihn zutiefst. Seine Herrlichkeit steht zuvorderst in seiner Betrachtung und sie zeigt sich in seinem absolut freien Geben. Niemand sollte versuchen, Gott zu bezahlen.

Wir dürfen die Aussage von Paulus in Vers 34 nicht so verstehen, daß wir nichts von Gott verstehen können. Paulus hat gerade in elf Kapiteln über Gottes Plan in der Erlösung berichtet. Aber wir können seinen Sinn nicht so verstehen, daß wir ihm Rat geben könnten. Aber genau das, nämlich Rat, wollen wir Gott am meisten geben. Wir fragen ihn: „Warum hast du? Warum hast du nicht?“ Wir sollten uns niemals anmaßen, den Allmächtigen zu beraten. Stattdessen geziemt es uns, unseren Mund zu schließen und uns unter seine mächtige Hand zu demütigen. Aber die Bosheit des Menschen zeigt sich darin, daß wir Gott nicht nur Rat geben wollen, sondern ihn sogar warnen, daß wenn er nicht auf uns hört, wir nicht mehr an ihn glauben werden. Aber Gott beraten zu wollen ist Selbstmord.

Es ist daher nicht überraschend, daß wir oft verwirrt und im Unklaren über Gottes Wirken sind. Seine Weisheit übersteigt unsere so weit, daß wir uns mit stückhaftem Erkennen der Wege Gottes zufriedengeben müssen. Wir müssen genügsam sein inmitten unserer Endlichkeit, inmitten unserer Sündhaftigkeit. Das Hauptaugenmerk sollte nicht darauf liegen, Gottes Wege zu verstehen oder ihn zu beraten, sondern unsere Rebellion niederzulegen. Wir haben genug von Gottes Liebe und Weisheit in dem Kommen seines Sohnes Jesus gesehen, daß wir ihm mit der Regierung des Alls trauen können.

Paulus schließt damit ab, daß alle Dinge für Gott und zu seiner Ehre geschehen, und wir sollten ihm alle Ehre geben. Wir sollten uns darüber freuen, daß wir existieren, um die Herrlichkeit Gottes zu zeigen und darzustellen. Wir sollten uns freuen, daß Gott im Zentrum von allem steht. Christus kam, um zu sterben, damit Gottes Gerechtigkeit genüge getan und der Schaden repariert würde, den wir der Ehre Gottes zugefügt haben. Wir haben so viele Dinge Gott vorgezogen und dadurch Gottes Herrlichkeit mit Füßen getreten. Durch das Werk Christi wurde seine Herrlichkeit wieder verteidigt und hochgehalten.

Gott hat das Universum geschaffen, die Geschichte vorherbestimmt und uns erlöst, damit wir ihn in seiner Schönheit und Macht sehen und uns an ihm erfreuen. Wir sollen schmecken und sehen, wie freundlich der Herr ist, und dann der Welt zeigen, was für ein großer Schatz unser Gott ist.

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