Der Gott von Jonathan Edwards

Um meinetwillen, um meinetwillen will ich es vollbringen! Denn wie würde ich sonst gelästert! Und ich will meine Ehre keinem anderen geben. (Jesaja 48:11)

Jonathan Edwards war ein Prediger und Missionar Neuenglands im 18. Jahrhundert und der wohl berühmteste Theologe Nordamerikas. Seine Schriften über die Souveränität Gottes, die Erlösung durch Jesus Christus und zu Fragen der Gemeindepraxis haben das amerikanische Christentum wie keine anderen beeinflußt. Besonders seine Predigt „Sinners in the Hands of an Angry God“ ist in Amerika weitverbreitet worden und gehört zum Standardstoff im Englischunterricht.

Im Kern dreht sich seine Theologie um die Herrlichkeit Gottes, das heißt seine Fülle, Vollkommenheit, Größe und Macht. Edwards betonte insbesondere die Gottzentriertheit von Gott. Gottes Heiligkeit drückt sich darin aus, daß er in allen seinen Gefühlen und Zielen auf das größte, reinste und schönste Wesen des Universums ausgerichtet ist – sich selbst. Dieser Fokus von Gott auf seine eigene Verherrlichung unterscheidet die Konzeption Edwards von vielen modernen Gottesvorstellungen, bei denen die Gottheit sich primär um das Wohl des Menschen dreht.

Dennoch war Edwards das Wohl des Menschen nicht egal. Er verstand es nur radikal in Beziehung auf Gott. Er ist das höchste, mächtigste und schönste Wesen, das es gibt, und unsere größte Freude besteht darin, ihn immer besser kennenzulernen und widerzuspiegeln. Neben der Souveränität Gottes und seiner Gottbezogenheit ist Glückseligkeit (happiness) ein zweiter Kernbegriff der Theologie von Edwards. Gott hat die Welt geschaffen, um seine Herrlichkeit zur Schau zu stellen. Die größte Glückseligkeit seiner Geschöpfe besteht darin, diese Herrlichkeit zu sehen und widerzuspiegeln. Indem Gott in allem die maximale Zurschaustellung seiner Herrlichkeit vor Augen hat, ist er demnach auch der maximalen Glückseligkeit seiner Geschöpfe verpflichtet.

Obwohl sich diese Perspektive sehr ähnlich zu modernen menschenzentrierten Vorstellungen von Gott anhört, besteht doch der große Unterschied darin, daß Gott die Freude seiner Geschöpfe nicht getrennt von sich sucht, sondern gerade in der Offenbarung seiner eigenen Herrlichkeit. Die christliche Freude nach Edwards ist wiederum radikal gottzentriert.

Ein Gott der so grundlegend sich selbst und seiner Herrlichkeit verpflichtet ist, wird von dem natürlichen Menschen abgelehnt. Gerade darin sah Edwards die Verdorbenheit des Menschen und seine Unfähigkeit, aus eigener Kraft zu diesem Gott umzukehren. Die Bekehrung eines Christen muß darum ein einseitiges Werk Gottes, des Heiligen Geistes, sein, bei dem er den Geschmack des Herzens verändert und die Augen für die freudeerzeugende Herrlichkeit Gottes öffnet. Obwohl dieser selbstzentrierte, allmächtige Gott für uns Sünder zunächst abstoßend wirkt, erfahren wir doch im Schauen auf und Ergötzen an seiner Herrlichkeit unser tiefste Glückseligkeit.

Denn Gott, der dem Licht gebot, aus der Finsternis hervorzuleuchten, er hat es auch in unseren Herzen licht werden lassen, damit wir erleuchtet werden mit der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi. (2. Korinther 4:6)

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