Alarm um die Bibel

Ist das Wort Gottes vertrauenswürdig? Wie steht es um die zeitgenössische Bibelkritik? Hat sie die Bibel widerlegt? Auf welchen philosophischen Annahmen beruht sie? Diese und viele weitere Fragen behandelt Gerhard Bergmann in seinem Buch „Alarm um die Bibel“. Er schreibt dabei nicht in erster Linie für theologische Fachleute, sondern für die Christen in der Gemeinde. Zugleich will er aber die Vertreter der modernen Bibelkritik persönlich ansprechen und zur Umkehr aufrufen.

Im ersten Teil des Buches widmet sich Bergmann den geistigen Wurzeln der modernen Theologie. Er zeigt auf, wie sich Bultmann und viele seiner Schüler nicht zuerst auf die Bibel selber, sondern auf den modernen Wissenschaftsbegriff, Philosophie, Naturwissenschaft und Geschichtswissenschaft berufen. Anstatt die Bibel so verstehen zu wollen, wie sie selber verstanden werden will, machen diese Theologen den modernen Menschen mit seinem Denken zum Ausgangspunkt für die Bewertung der Bibel. Alles, was dieser moderne Mensch aus ihrer Sicht nicht mehr glauben kann, ist in der Bibel als unwissenschaftlich und mythologisch abzutun.

Was übrigbleibt ist eine Auslegung der Bibel unter Zuhilfenahme der Existenzphilosophie. Es geht nicht mehr um den Sühnetod Christi am Kreuz, zu dem ich durch den Glauben Zugang gewinne, sondern um meine persönliche Existenz und ein tieferes Selbstverständnis. Das Ziel der Predigt ist nicht mehr, Menschen zur Buße und zum Glauben zu rufen, sondern zu einem neuen Schritt in der eigenen Personwerdung. Damit wird die moderne Theologie zu einer Selbsterlösungsreligion.

Bergmann macht immer wieder deutlich, wie willkürlich und spekulativ Aussagen aus der Bibel als unhistorisch und mythologisch abgetan werden. Letztlich geben die bibelkritischen Theologen selber zu, daß die Bibel das wichtigste Dokument über das Leben Jesu ist. Sie stehen also auf derselben Stufe wie der Rest der Christenheit. Aber sie deuten alles im Wort Gottes um, was nicht in ihr modernes Weltbild paßt.

Dabei spielt es für sie gar keine Rolle mehr, ob sich die Ereignisse aus den Evangelien wirklich so abgespielt haben. Für das Kerygma, die Verkündigung in der Kirche, ist nur das Vorbild von Jesus wichtig in seiner existentiellen Selbstfindung. Im Gegensatz dazu legte schon das Alte Testament höchsten Wert auf die Historizität der Heilstaten Gottes. Der jüdisch-christliche Glaube ist auf historischen Tatsachen wie dem Auszug aus Ägypten und der Auferstehung Jesu gegründet.

Die moderne Theologie predigt einen anderen Jesus: eine entpersönlichte und enthistoristierte Geistgestalt. Damit einher geht ein anderer Auftrag. Es geht nicht mehr um des Menschen Heil, sondern um des Menschen Wohl, verstanden als psychisch-seelisches Wohlbefinden und Existenverwirklichung.

Sie ist jedoch im Gegensatz zur klassisch, liberalen Theologie weitaus gefährlicher, weil sie biblische Begriffe nicht rundherum ablehnt, sondern sie gebraucht, aber mit anderen Inhalten füllt. Sie kann immernoch von der Auferstehung Jesu reden, meint damit aber nicht eine geschichtliche Tatsache, sondern eine symbolische Bezugnahme, wenn man über die Bedeutung und das Vorbild von Jesus spricht. In diesem Sinne ersteht auch ein Goethe auf, wenn man in der Vorlesung von ihm redet.

Gegenüber dieser von Bergmann neurationalistische Theologie genannten, weil auf dem Rationalismus aufbauenden, Strömung, versteht sich die Bibel als vertrauenswürdiges Wort Gottes, durch das wir den Willen Gottes zuverlässig erfahren können. Petrus und Johannes haben es bewußt betont, daß sie nicht Mythen und Fabeln gefolgt sind, sondern Augenzeugen der Herrlichkeit Christi in der Auferstehung geworden sind (2. Petrus 1:16; 1. Johannes 1:1-3).

Deswegen bleibt die Bibel für immer das zuverlässige Wort unseres Herrn, auf das wir unser Leben aufbauen können. Diese Gewißheit kann die moderne Bibelkritik nicht zerstören, denn all ihre Angriffe sind bei genauem Hinsehen bloße Spekulation und logischer Zirkelschluß. Sie hat sich dem modernen Zeitgeist verschrieben. In der Bibel weht aber der ewige Geist Gottes und nur durch ihn können wir zu einem rettenden Verständnis ihres Inhalts gelangen.

Herr, Dein Wort, die edle Gabe,
diesen Schatz erhalte mir!
Denn ich zieh es aller Habe
und dem größten Reichtum für.
Wenn Dein Wort nicht mehr soll gelten,
worauf soll der Glaube ruhn?
Mir ist nicht um tausend Welten,
aber um Dein Wort zu tun.

Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf

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