Das Evangelium in der Mitte der Bibel, im Zentrum unseres Lebens

Graeme Goldsworthy gilt als einer der zentralen Vordenker der modernen, biblischen Theologie. Bei diesem theologischen Ansatz wird versucht, die Bibel als Geschichte der Offenbarung Gottes zu lesen, und den roten Faden eines Themas durch die Bibel hindurch zu verfolgen.

Für Goldsworthy ist das zentrale Thema, um das die Offenbarung im Wort Gottes gestrickt ist, das Evangelium. Das Leben, der Tod und die Auferstehung des Messias ist der Mittelpunkt, auf den alles hinläuft und von dem später alles ausgeht.

In der Dreierreihe „The Goldsworthy Trilogy: Gospel & Kingdom, Gospel & Wisdom, The Gospel in Revelation“ lernen wir kennen, wie der Autor durch die Mittel der biblischen Theologie das Evangelium als treibendes Thema jedes Bibelabschnitts herausarbeitet.

Das Evangelium steht im Zentrum des Gedankens vom Reich Gottes. Dieses Reich ist der Ort, wo Gott über sein Volk herrscht. Es wird mit Adam und Eva im Garten Eden begründet, durch den Sündenfall zerstört und im Alten Testament schrittweise wieder aufgebaut. Seinen Höhepunkt erfährt es dort unter dem König David. Die Erfüllung erfolgt aber erst durch das Kommen des Sohnes Gottes, der durch seinen Tod am Kreuz die gerechte Herrschaft Gottes über sein erlöstes Volk wieder aufrichtet und durch den Heiligen Geist ausbreitet.

Die Weisheitsliteratur im Alten Testament bietet ein Genre, welches zunächst nicht auf das Evangelium ausgerichtet erscheint. Mit ihrem Bezug auf die Schöpfungsordnung Gottes und das Chaos, das durch die Sünde eingebrochen ist, entsteht aber auch in ihr das Bedürfnis nach Wiederherstellung. Dazu ist der Sohn Gottes gekommen. Er ertrug die ganzen Tiefen des Chaos und der Gottesferne, um die geordnete Herrschaft Gottes über seine Schöpfung wiederherzustellen. Vollendung erfährt diese neue Ordnung erst auf der neuen Erde. Bis dahin bleibt Christus selbst und sein Evangelium die höchste Weisheit, die unser Leben bestimmen soll.

Einen Höhepunkt erfährt die Dreierreihe in dem Buch „The Gospel in Revelation“, weil es Goldsworthy hier gelingt, die großen Themen des Evangeliums aus dem Buch der Offenbarung herauszuarbeiten und in Beziehung zu setzen. Das letzte Buch der Bibel ist für Goldsworthy weniger ein Wegweiser für die Endzeit als eine Sammlung von Bildern und Themen, die das Evangelium selbst und seine Auswirkungen zu jeder Weltzeit verdeutlichen. Die Schlacht von Armageddon ist so weniger ein apokalyptischer Endkampf als eine mit der prophetischen Sprache des Alten Testaments gezeichnete Veranschaulichung des Kampfes von Gut und Böse, wie er vornehmlich am Kreuz ausgefochten wurde.

Die biblische, evangeliumszentrierte Theologie von Goldsworthy ist sicher nicht die einzige legitime Sichtweise auf die Themen der Bibel, aber mit ihrer zentralen Ausrichtung auf Christus und sein Werk am Kreuz sollte sie immer mitgedacht werden, wenn wir uns an die Auslegung eines Bibeltextes heranwagen.

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