Theologia Crucis

In diesem Video reden Mark Driscoll und Joshua Harris mit Francis Chan über seinen Schritt, eine große, funktionierende Gemeinde zu verlassen und eine neue Gemeinde in Los Angeles zu gründen, welche die radikale Nachfolge Jesu im Zentrum hat.

Es fällt auf, wie stark Chan von den beiden anderen hinterfragt wird, warum er den Schritt macht, eine Stelle des guten Ansehens, Einkommens und Einflusses zu verlassen, um nochmal neu in relativer Unbekanntheit zu starten. Es wird deutlich, wie sehr die evangelikale Bewegung von Götzen beeinflußt ist und Chan muß sich mehrfach erklären, daß er diesen Weg nicht geht, weil er eine falsche Theologie der Armut hat, sondern weil er von Herzen Christus liebt und vor allem ihn immer besser kennenlernen will.

Martin Luther betonte in der Auseinandersetzung mit der katholischen Kirche seiner Zeit die Zentralität des Kreuzes im christlichen Leben. Das Kreuz spricht von Schwäche, nicht von Stärke, von Verachtung, nicht von Anerkennung, von Armut, nicht von Reichtum. Jesus ist den Weg des Kreuzes gegangen, indem er als Gott in menschlicher Schwäche gekommen ist, den Weg der Verachtung zum Kreuz beschritten hat und dort in Armut gestorben ist. Aber durch seine Armut sind wir reich geworden und haben das Heil erlangt.

Die Theologie des Kreuzes, wie Luther sie nannte, betont nun auch unsere menschliche Schwäche, die wir unter die Macht der Sünde verkauft und vollkommen abhängig von Gott sind. Die christliche Gemeinde lebt aus der Gnade Gottes, indem sie Jesus nachfolgt und ihr Kreuz auf sich nimmt. Sie konzentriert sich nicht auf weltlichen Reichtum, Anerkennung oder Einfluß, sondern lebt von der Fürsorge Gottes.

Dem gegenüber vertrat die katholische Kirche eine Theologie der Herrlichkeit, die das Wirken und die Macht des Menschen und der christlichen Kirche betonte. Statt Gott in seiner Torheit zu folgen, war man bestrebt, in der Welt als weise und stark zu gelten.

Beide Theologien verfolgen uns bis heute. Es ist immer wieder eine Versuchung, statt auf die vermeintliche Schwäche und Torheit Gottes, auf die Weisheit und Stärke des Menschen zu vertrauen. In dem Maße, wie die Evangelikalen den Götzen der Welt nacheifern, entfernen sie sich von der Theologie des Kreuzes und streben nach einer Theologie der Herrlichkeit.

Chans Aussagen in diesem Video erinnern sehr an das Herz von Paulus in Philipper 3. Für ihn war jeglicher weltlicher Ruhm und jede äußerliche Stärke und Anerkennung nichts wert im Vergleich zur tieferen Erkenntnis Jesu.

7 Aber was mir Gewinn war, das habe ich um des Christus willen für Schaden geachtet; 8 ja, wahrlich, ich achte alles für Schaden gegenüber der alles übertreffenden Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, um dessentwillen ich alles eingebüßt habe; und ich achte es für Dreck, damit ich Christus gewinne 9 und in ihm erfunden werde, indem ich nicht meine eigene Gerechtigkeit habe, die aus dem Gesetz kommt, sondern die durch den Glauben an Christus, die Gerechtigkeit aus Gott aufgrund des Glaubens,10 um Ihn zu erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden, indem ich seinem Tod gleichförmig werde, 11 damit ich zur Auferstehung aus den Toten gelange. (Philipper 3:7-11)

Auch damals gab es schon Vertreter einer Theologie der Herrlichkeit, die nach den äußeren, weltlichen Dingen strebten. Sie lebten für irdische Begierden, weltliche Anerkennung und Ruhm.

18 Denn viele wandeln, wie ich euch oft gesagt habe und jetzt auch weinend sage, als Feinde des Kreuzes des Christus; 19 ihr Ende ist das Verderben, ihr Gott ist der Bauch, sie rühmen sich ihrer Schande, sie sind irdisch gesinnt. (Philipper 3:18,19)

Wir müssen als Christen Freunde des Kreuzes werden. Das Kreuz ist ein Ausdruck für das Leiden, welches uns auferlegt wird in der Nachfolge Christi. Dadurch können wir im Glauben wachsen. Es ist auch ein Zeichen für den Tod gegenüber unseren Leidenschaften und Begierden. Und es ist ein Banner, zu dem wir aufschauen, wenn wir dem Tod Jesu gedenken, der darauf alles verloren hat, um uns von unseren Sünden zu retten. Aber indem er sein Leben um unsertwillen verloren hat, hat er unser Leben gerettet. Nun sollen auch wir unser Leben aufgeben, um es in seiner Nachfolge zu finden.

Wer sein Leben findet, der wird es verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es finden! (Matthäus 10:39)

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