Götzen im Inneren des Tempels (Hesekiel 8)

Der Prophet Hesekiel wurde eines Tages von der Hand Gottes zu einer Vision geführt, in der er das innere des Tempels beobachten durfte und die Art des Gottesdienstes, der dort stattfindet. Zu seinem Erstaunen wurde dort nicht der wahre Gott der Bibel angebetet, sondern fremde Götzen. Der Herr machte ihm durch dieses Gesicht deutlich, wie der Gottesdienst nach außen weiterhin in seinem Namen stattfinden kann, während im inneren der Gemeinde schon längst andere Götter angebetet werden.

Zunächst erblickt Hesekiel den Herrn selbst, „eine Gestalt, die aussah wie Feuer; von seinen Lenden abwärts war er anzusehen wie Feuer, von seinen Lenden aufwärts aber war er anzusehen wie ein Lichtglanz, gleich dem Anblick von Goldschimmer“ (Vers 2). Unser Gott ist ein verzehrendes Feuer (Hebräer 12:29) und er duldetet keinen Rivalen auf dem Thron unserer Herzen und als Fokus der Anbetung seiner Gemeinde. Deshalb spricht er von einem Götzenbild der Eifersucht inmitten seines Tempels, durch das seine Eifersucht erregt wurde (Vers 3).

Hesekiel darf wieder der Herrlichkeit Gottes schauen, wie schon am Fluß Kebar. Dadurch wird ihm der gewaltige, unermeßliche Unterschied deutlich zwischen dem, was da im Tempel angebetet wird im Vergleich dazu, wie der Herr, der Schöpfer des Universums, wirklich ist. Der Herr nennt die Anbetung eines falschen Gottes inmitten des Tempels einen Greuel, eine moralisch abstoßende Sache, die dazu führt, daß er sich vom Tempel zurückzieht (Vers 6).

Nun darf Hesekiel sogar noch weiter in den Tempel hineinschauen und er sieht im Inneren des Tempels noch mehr Götzenbilder und Priester, die den falschen Göttern opfern und sie beweihräuchern (Verse 7-11). Gott eröffnet seinem Propheten, daß diese Abwendung von der Anbetung des wahren Gottes von Seiten der Priester durchaus bewußt geschieht. Sie denken, „daß der Herr sie nicht sieht und das Land verlassen habe“ (Vers 12).

Im späteren Verlauf wird Hesekiel Zeuge weiterer Ausdrücke des Götzendienstes: Frauen, die einen fremden Gott beweinen, Männer, die dem Tempel des Herrn den Rücken kehren und stattdessen die Sonne anbeten, das Haus Juda, welches heidnische Bräuche praktiziert. Die Reaktion Gottes auf diese Schau des Götzendienstes ist Zorn. Er wird sich von seinem Volk abwenden und ihre Gebete nicht mehr erhören.

Auch in unserer Zeit steht im Zentrum des Gottesdienstes oft nicht der wahre Gott der Bibel, sondern er muß seinen Thron mit anderen Göttern teilen. Im Innern des Tempels werden die Götzen unserer Kultur angebetet: Sicherheit, Wohlstand, Pluralität, Autonomie. Oft wird die Anbetung des Herrn von diesen Götzen nicht vollkommen verdrängt, aber sie wird gefärbt und verzerrt. Dieses Zerrbild des wahren Gottes ersetzt die Hinwendung zu dem Gott, der wirklich da ist. Unsere Gemeinden stehen oft nicht in der unmittelbaren Gefahr, das erste Gebot „Du sollt keine anderen Götter neben mir haben.“ zu brechen, wohl aber das zweite „Du sollst dir kein Bildnis machen.“

Indem der Zeitgeist zu einem kontrollierendem Faktor für die Auslegung der Bibel wird und damit für die Art und Weise, wie man Gott anbetet, entsteht ein falsches Bildnis des einen wahren Gottes. Unsere Aufgabe als Geschöpfe ist es nicht, uns einen Gott zu schaffen, der uns gefällt, sondern den einen wahren Gott anzubeten, der sich in seinem Wort offenbart hat. Wenn wir nicht die Götzen aus unseren Gemeinden entfernen und angespornt durch das Feuer und die Herrlichkeit Gottes neu zu ihm zurückkehren, wird er sich auch von uns und unseren Gebeten abwenden.

PS: Eine gute Ausführung dieses Themas für den englischsprachigen Raum findet sind in dem Buch „No God but God – Breaking With the Idols of Our Age“ von Os Guiness. Für den deutschsprachigen Raum ist das Buch „Die ideologische Unterwanderung in Gemeinde, Theologie und Bekenntnis“ von Georg Huntemann zu empfehlen.

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