Welche Gemeinde ist die richtige?

Wenn es darum geht, welche Gemeinde man als Christ besuchen sollte, ist es ratsam, sich nicht von äußerlichen Merkmalen wie der Schönheit des Gemeindegebäudes oder dem Stil des Lobpreises leiten zu lassen. Stattdessen sollte die Frage, wie das Evangelium in der Gemeinde gepredigt und gelebt wird das primäre Kriterium sein. So wie es für das eigene Leben am wichtigsten ist, daß man das Evangelium glaubt und aus dem Evangelium lebt, so gilt der gleiche Anspruch und die gleiche Priorität für die Gemeinde. Ich schlage folgende vier Kriterien vor, nach denen man eine neue Gemeinde prüfen sollte oder auch die eigene Gemeinde, in der man schon länger Mitglied ist.

1. Wird auf der Kanzel das Evangelium verkündigt?

Hier geht es nicht um den Predigtstil, sondern um den Predigtinhalt. Was ist die Hauptaussage der meisten Predigten? Geht es um Jesus und sein Erlösungswerk am Kreuz oder stehen Botschaften der Selbsthilfe und Selbstverwirklichung im Mittelpunkt? Wird die Bibel so gepredigt, daß die Hauptaussage des Bibelabschnitts auch die Hauptaussage der Predigt bildet, oder wird der Bibeltext als Sprungbrett für eigene Geschichten und moralische Appelle mißbraucht? Stehen die Gemeindemitglieder mit ihren Bedürfnissen im Mittelpunkt der Predigt oder ist sie vornehmlich eine Verkündigung des Evangeliums von Jesus Christus?

2. Gibt es einen funktionierenden Prozeß der Gemeindemitgliedschaft und pastoralen Fürsorge?

Wie werden Menschen in die Gemeinde aufgenommen? Gibt es einen guten Prozeß durch den festgestellt werden kann, ob die Person wirklich Christ ist? Was passiert mit den Mitgliedern, sobald sie der Gemeinde beigetreten sind? Gibt es eine Aufsicht durch den Pastor und die Ältesten, die gewährleistet, daß für die Mitglieder gesorgt wird und ihre fortgesetzte Jüngerschaft ermutigt wird? Wird auf Sündenmuster hingewiesen oder kann ein Mitglied unbehelligt die Gemeinde besuchen oder sogar mitarbeiten während es in bewußter Sünde lebt?

3. Wird Jüngerschaft im Leben der Gemeindemitglieder betont?

Viele Gemeinden wenden all ihre Energie für den Sonntagsgottesdienst auf, aber neben diesem wöchentlichen Event gibt es oft wenig Bemühung, das geistliche Leben der Gemeindemitglieder gezielt zu fördern. Welchen Stellenwert hat Jüngerschaft und Gottesfurcht in der Gemeinde? Gibt man sich mit funktionierenden Veranstaltungen zufrieden oder ist man wirklich daran interessiert, daß die Mitglieder der Gemeinde im Glauben wachsen? Gibt es Strukturen in der Gemeinde, welche dieses Anliegen unterstützen?

4. Welche Lehre erfahren die Kinder in der Gemeinde?

Wenn die ersten drei Punkte nicht oder nur wenig in einer Gemeinde erfüllt sind, kann man es als Einzelner doch eine gewisse Zeit aushalten, indem man für sein eigenes geistliches Leben sorgt durch z.B. Online-Predigten, gute christliche Bücher, Mentoren aus anderen Gemeinden. Aber wenn man jüngere Familienmitglieder in die Gemeinde mitbringt oder auch junge Christen, und befürchten muß, daß sie keine gesunde Lehre hören, sondern in das moderne Konsum- und Wohlfühlchristentum hineingezogen werden, sollte man sich gründlich überlegen, ob diese Gemeinde wirklich die richtige ist. Für einen selber hat man vielleicht das Unterscheidungsvermögen für gute und schlechte Predigten bzw. gute und schlechte Lehre. Aber das kann man nicht bei Kindern und jungen Christen voraussetzen und ist deshalb verantwortlich, für ein gutes geistliches Umfeld zu sorgen.

Diese vier Kriterien sollten zentrale Prüfmerkmale sein, wenn man vor der Wahl steht, etwa durch Umzug, eine neue Gemeinde zu besuchen. Aber auch die eigene Gemeinde, in der man schon länger Mitglied ist, sollte man anhand dieser vier Merkmale prüfen. Wenn man merkt, daß ein oder mehrere Merkmale in der eigenen Gemeinde nicht erfüllt sind, sollte man darauf hinwirken, etwas zu verändern. Das hängt natürlich davon ab, in welcher Stellung man in der Gemeinde ist und welchen Einfluß man hat. Punkt 3 kann man auf individueller Ebene einführen und umsetzen, indem man sich mit anderen in der Gemeinde zu Bibelstudium und Gebet trifft. Auch Punkt 4 kann man beeinflussen, indem man sich im Kindergottesdienst engagiert. Aber auf die beiden ersten Punkte hat man nur dann Einfluß, wenn man zum Leitungskreis der Gemeinde gehört. Sollte man insgesamt den Eindruck haben, daß man selber nicht mehr geistlich ernährt wird, nicht in einer entsprechenden Position ist, die Gemeinde zu verändern, und Verantwortung für andere hat, die man in die Gemeinde bringt, ist es überlegenswert eine Gemeinde zu suchen, welche diese vier Kriterien besser erfüllt.

Diese Gedanken beruhen auf einem Aufsatz, der bei der Gospel Coalition veröffentlich wurde (http://blogs.thegospelcoalition.org/gospeldrivenchurch/2016/02/02/5-reasons-you-should-probably-leave-your-attractional-church/). Auch das Buch „9 Merkmale einer gesunden Gemeinde“ von Mark Dever (https://www.3lverlag.de/9-merkmale-einer-gesunden-gemeinde.html) ist in diesem Zusammenhang empfehlenswert.

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