Die Liebe Gottes – Eine schwierige Lehre

Kevin Vanhoozer setzt sich zusammen mit seinen Kollegen in dem Buch „Nothing Greater, Nothing Better – Theological Essays on the Love of God“ mit der Lehre von der Liebe Gottes auseinander. Dieses Thema ist schwieriger und viel komplizierter als man zunächst annimmt.

Einige Aufsätze besprechen die grundlegende Frage, ob wir überhaupt von unserer Erfahrung der Liebe auf Gottes Liebe schließen dürfen. Ist Liebe für Gott das gleiche wie für uns? Falls ein solcher Schluß möglich ist, bleibt die Frage: Inwieweit ist sie das gleiche? An dieser Stelle hilft die Lehre der Analogie von Thomas von Aquin. Er geht davon aus, daß die Begriffe, die wir in unserem Leben gebrauchen, zwar nicht genau das gleiche für Gott bedeuten, aber eine deutliche Ähnlichkeit haben. Das liegt unter anderem daran, daß wir im Ebenbild Gottes geschaffen wurden und Gott dadurch bewußt Kommunikation und Verständnis zwischen ihm und uns ermöglichen wollte. Trotzdem dürfen wir nicht davon ausgehen, daß bestimmte Begriffe genau das gleiche bedeuten, wenn wir sie in Verbindung mit Gott gebrauchen. Deswegen müssen wir unsere Konzepte immer wieder an der Bibel prüfen. Wie wird die Liebe Gottes in der Bibel dargestellt und deckt sich das damit, wie wir das Wort Liebe in unserer Alltagssprache gebrauchen?

Weitere Aufsätze beschäftigen sich mit der genauen Beschreibung der Liebe Gottes. Dabei wird auf drei Aspekte hingewiesen: agape, eros und Heiligkeit. Gottes Liebe ist eine agape-Liebe in dem Sinn, daß sie bereit ist, sich für den Geliebten zu opfern, daß sie das Wohl des Geliebten im Auge hat statt nur das eigene Wohl und indem sie sich fest an den Geliebten bindet. Agape-Liebe gründet sich nicht in erster Linie auf die Liebenswürdigkeit des Nächsten, sondern auf das Wohlwollen des Liebenden, der durch seine Liebe das Geschöpf erst in etwas Liebenswertes verwandelt. Gottes Liebe beinhaltet aber auch ein Element des eros, indem Gott von der Schönheit des Geliebten angezogen wird. Diese Schönheit findet sich zunächst in der Geschöpflichkeit des Menschen und das Ebenbild Gottes, das ihm mitgegeben wurde. Gott erblickt gewissermaßen sich selbst im Menschen, sein eigenes Schöpfungswerk und sein Wesen als Schöpfer, und wird dadurch in Liebe zum ihm hingezogen. Im erlösten, neugeschaffenen Menschen erblickt er darüber hinaus noch das Werk seines Sohnes und dessen Charakter, der durch den Heiligen Geist in einem Christen hervorgebracht wird. Dadurch steigt die Liebe und erhält das Ausmaß, mit dem Gott seinen eigenen Sohn liebt. Aber schließlich ist die Liebe Gottes auch eine heilige Liebe. Sie sucht das Wohl des Geliebten, aber nicht in der Form, daß sie ihm jeden Wunsch erfüllt, sondern sie sieht dieses Wohl im Heiligen. Das Heilige ist das höchste und beste Gut, welches Gott im Universum findet, nämlich sich selbst und seine Herrlichkeit. Wenn er also seinem Geliebten das Beste schenken möchte, dann wird er ihn zu einer immer tieferen Erkenntnis und Widerspiegelung seiner eigenen Herrlichkeit führen.

D.A. Carson geht in seinem Buch „The Difficult Doctrine of the Love of God“ darauf ein, daß die Liebe Gottes ein unterschiedliches Ausmaß in Abhängigkeit von bestimmten Personengruppen hat. Da gibt es zunächst seine allgemeine Liebe für das ganze Universum und für jedes Geschöpf der Erde. Diese Liebe ist die besondere Form seines Wohlwollens mit allen seinen Geschöpfen. Davon zu unterscheiden ist seine Liebe für alle Menschen, in denen er sein eigenes Ebenbild liebt und die seine besondere Schöpfung darstellen. Darüber hinaus spricht die Bibel aber noch von der besonderen Liebe Gottes zu seinen Erwählten, die er von Ewigkeit her für sie hegt und die dazu führte, daß er seinen Sohn für sie sandte, um sie zu erlösen, und seinen Geist, um ihnen ein neues Herz zu schenken, damit sie diese Erlösung empfangen. Auf höchster Ebene steht die intertrinitarische Liebe zwischen Vater, Sohn und Heiligen Geist, in der Gott sein vollkommenes Abbild in seinem Sohn sieht und in grenzenloser, ewiger Liebe dafür entbrennt. In diese Liebe sind wir durch das Erlösungswerk Jesu Christi mit hineingenommen.

Die Liebe Gottes ist, wie D.A. Carson richtig sagt, eine schwierige Lehre, weil wir eben nicht bloß von unserer Erfahrung auf Gott schließen und bestimmen können, auf welche Weise er uns liebt. Wir müssen uns aus dem Wort Gottes und insbesondere aus dem Evangelium darüber belehren lassen, was es heißt, wenn wir sagen: Gott ist Liebe.

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