Sola Scriptura in einer neuen Reformation

„Die christliche Kirche ist die Gemeinde von Brüdern, in der Jesus Christus in Wort und Sakrament durch den Heiligen Geist als der Herr gegenwärtig handelt. Sie hat mit ihrem Glauben wie mit ihrem Gehorsam, mit ihrer Botschaft wie mit ihrer Ordnung mitten in der Welt der Sünde als die Kirche der begnadigten Sünder zu bezeugen, dass sie allein sein Eigentum ist, allein von seinem Trost und von seiner Weisung in Erwartung seiner Erscheinung lebt und leben möchte.

Wir verwerfen die falsche Lehre, als dürfe die Kirche die Gestalt ihrer Botschaft und ihrer Ordnung ihrem Belieben oder dem Wechsel der jeweils herrschenden weltanschaulichen und politischen Überzeugungen überlassen.“

In dieser dritten These der Barmer Theologischen Erklärung bekräftigte die Bekennende Kirche die alleinige Autorität der Heiligen Schrift für die Lehre und das Leben der Gläubigen. Gerade in der Abgrenzung zur nationalsozialistischen Weltanschauung, durch welche die Deutschen Christen Einzug in die Kirche erlangten, war es der Bekennenden Kirche wichtig festzuhalten, daß man sich nicht von wechselnden Ideologien und kulturellen Gegebenheiten leiten lassen wollte, sondern allein vom Wort Gottes.

So wurde dieser Artikel auch vom Theologen Hans Asmussen verstanden, dessen Einbringungsreferat als Teil der Erklärung in der Barmer Bekenntnissynode 1934 angenommen wurde. Er sagte:

„Diese Botschaft [des Evangeliums] und diese Existenz werden aber der Kirche unmöglich gemacht in dem Augenblick, wo man die Grenze zwischen ihr und der Welt verwischt. Das geschieht immer dann, wenn das freie Belieben der Sünder und nicht mehr das unwandelbare Wort Gottes von der Vergebung in Christo die Kirche beherrscht. Wir verstehen sehr wohl, daß man die Wünsche unserer Zeitgenossen und den Wechsel ihrer Überzeugung als kirchenbildende Macht in den Raum der Kirche hineinbeziehen möchte. Man möchte der Welt deutlich machen, daß es in ihrem eigenen Interesse liegt, kirchlich und christlich zu sein, um auf diese Weise die Welt zu missionieren. Aber gerade dagegen müssen wir protestieren. Denn so wenig wie die Untertanen sich damit bei der Obrigkeit beliebt machen können und dürfen, daß sie obrigkeitliche Allüren annehmen, so wenig der Lehrer ein guter Lehrer wird dadurch, daß er mit den Schülern gemeinsame Sache macht, so wenig wird die Kirche dadurch missionstüchtig, daß sie sich mit der Welt, welche durch sie missioniert werden soll, auf eine Ebene stellt. Es muß jeder sich selbst treu bleiben, sonst kann er seinem Nächsten nicht dienen. Es muß die Kirche Kirche bleiben, sonst kann sie nicht missionarisch wirken.“

Die Gefahr der ideologischen Unterwanderung, des Verwischens der Grenze zwischen Kirche und Welt oder sogar das gemeinsame Sache machen mit nichtchristlichen Elementen hat das Christentum und die Verkündigung in Deutschland seitdem begleitet. Heute sind es neue außerbiblische Anschauungen und der kulturelle Zeitgeist, die verführerisch wirken und von manchen als kirchenbildende Macht in den Raum der Kirche hineinbezogen werden möchten. Aber gerade dagegen müssen wir auch weiterhin protestieren, denn wir sollen uns gerade nicht dem Lauf dieser Welt anpassen, sondern in unserem Wesen verwandeln lassen (reformare) durch die Erneuerung unseres Sinnes (Römer 12:2). Wir brauchen in unseren Gemeinden eine Reformation am und durch das Wort Gottes.

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