Von der Klarheit der Heiligen Schrift

Vom 10. bis 12. März fand in Hamburg die 6. Konferenz des Netzwerks Evangelium21 mit dem Thema „Gott beim Wort nehmen“ statt. Zu den Referenten gehörten Kevin DeYoung (University Reformed Church), William Taylor (St. Helen’s Bishopsgate) und Stephen Nichols (Reformation Bible College).

Ein Schwerpunkt der Konferenz lag auf der Lehre von der Klarheit (Perspikuität) der Heiligen Schrift. Dabei geht es um die grundsätzliche Verständlichkeit des Wortes Gottes. Gott hat auf eine Weise mit seinem Volk kommuniziert, die es ihm ermöglichen sollte, die zentralen Aussagen seines Wortes und den Weg der Erlösung leicht zu verstehen. Nur so kann die Bibel als eine Leuchte für unsere Füße und ein Licht für unseren Weg gelten (Psalm 119:105).

Auch in diesem Bereich ist unser Vorbild Jesus. Wie ist er mit dem Wort Gottes (dem Alten Testament) umgegangen? Er ging in theologischen Streitfragen von der Klarheit der Heiligen Schrift aus und kritisierte seine Gegner, daß sie die Schrift nicht lesen und auf sie hören würden (Matthäus 22:29). Für Jesus war die Schrift nicht zu schwer zu verstehen, sondern das menschliche Herz zu träge, die klaren Wahrheiten des Wortes Gottes zu glauben (Lukas 24:25).

Die Betonung der Klarheit der Heiligen Schrift war zur Zeit der Reformation sehr wichtig. Die katholische Kirche ging davon aus, daß das einfache Volk das Wort Gottes nicht verstehen könne. Deshalb wollte sie die Bibel von ihnen fernhalten. Dadurch machte sie sich aber auch immun für eine Prüfung anhand der Heiligen Schrift und öffnete die Tür für falsche Lehren. Die Reformatoren gingen wie Jesus davon aus, daß die Heilige Schrift in ihren Kernaussagen verständlich sei. Deshalb kann sie auch Licht und Autorität für unser Leben sein (2. Timotheus 3:16,17).

In der heutigen Zeit wird dagegen oft die Undeutlichkeit der Schrift betont. Daraus wird abgeleitet, daß mehrere, sich zum Teil widersprechende, Deutungen einer Stelle nebeneinander stehen bleiben müssen. Von manchen Gruppen wird diese neue Sicht auf das Wort Gottes sogar als erhellend gefeiert. Die Bibel sei ein Geheimnis, ein Mysterium, welches wir nie ganz verstehen könnten. Diese Ansicht steht aber dem Selbstverständnis von Jesus und Paulus entgegen. Sie gingen davon aus, daß sich Gott durch ihren Dienst offenbar machen und das Geheimnis lüften wollte. Für Paulus war es wichtig zu betonen, daß er das Evangelium klar verkündigt hatte. Nur so hatte er seinen Dienst treu ausgerichtet und wurde frei vom Blut der Zuhörer, die nun selber entscheiden mußten, wie sie mit dem verkündeten Wort umgehen.

Wir lehnen die schändlichen Heimlichkeiten ab; wir gehen nicht mit Hinterlist um und fälschen auch nicht das Wort Gottes; sondern indem wir die Wahrheit offenbar machen, empfehlen wir uns jedem menschlichen Gewissen vor dem Angesicht Gottes. (2. Korinther 4:2)

Sowohl für Jesus als auch für Paulus war es das Hauptanliegen, das Wort Gottes klar und unverfälscht zu verkünden. Darüber hinaus vertrauten sie der Souveränität Gottes, der die Herzen der Menschen öffnet und zur Annahme seines Wortes führt (Lukas 10:21; 2. Korinther 4:3-6).

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