Ein Plädoyer für eine kongregationalistische Gemeindestruktur

Beim Kongregationalismus liegt die letzte Entscheidungsgewalt bei der Gemeindeversammlung, nicht bei den Ältesten (Presbyterianismus) oder bei einem übergeordneten Bischof (Episkopalismus). Daß diese Gemeindestruktur auch die biblische ist, verteidigt Jonathan Leeman in seinem neuen Buch „Understanding The Congregation’s Authority“.

In gewisser Hinsicht ist das ganze Neue Testament ein Zeugnis dafür, daß einzelne Gemeinden ihre Angelegenheiten unter der Führung von Ältesten selbst verwalteten. Aber es gibt einige zentrale Bibelstellen, die deutlich machen, daß sowohl Jesus als auch Paulus davon ausgingen, daß die Mitglieder der Gemeinde in ihrer Versammlung das letzte Sagen in der Gemeinde haben.

In der ersten Stelle im Neuen Testament, wo das Wort Gemeinde auftaucht, bestätigt Jesus das richtige Bekenntnis von Petrus, der Jesus als den Christus, den Sohn des lebendigen Gottes anerkennt. Jesus sagt zu Petrus, daß er auf solche Menschen, mit dem gleichen Bekenntnis wie Petrus, seine Gemeinde aufbauen will. Er übergibt daraufhin Petrus die Gewalt der Schlüssel, indem er ihn befugt, andere Menschen auf ihr Bekenntnis zu prüfen und sie daraufhin zur Gemeinde hinzuzufügen (zu binden).

15 Da spricht er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? 16 Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes! 17 Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Glückselig bist du, Simon, Sohn des Jona; denn Fleisch und Blut hat dir das nicht geoffenbart, sondern mein Vater im Himmel! 18 Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten des Totenreiches sollen sie nicht überwältigen. 19 Und ich will dir die Schlüssel des Reiches der Himmel geben; und was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein; und was du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein. (Matthäus 16:15-19)

Zwei Kapitel später überträgt Jesus diese Autorität auf die ganze Gemeinde, indem er sie befugt, Menschen in die Gemeinde aufzunehmen oder auszuschließen. Damit macht er die Versammlung der Mitglieder einer Ortsgemeinde zur höchsten Autorität in der Gemeinde.

15 Wenn aber dein Bruder an dir gesündigt hat, so geh hin und weise ihn zurecht unter vier Augen. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder gewonnen. 16 Hört er aber nicht, so nimm noch einen oder zwei mit dir, damit jede Sache auf der Aussage von zwei oder drei Zeugen beruht. 17 Hört er aber auf diese nicht, so sage es der Gemeinde. Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, so sei er für dich wie ein Heide und ein Zöllner. 18 Wahrlich, ich sage euch: Was ihr auf Erden binden werdet, das wird im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, das wird im Himmel gelöst sein. 19 Weiter sage ich euch: Wenn zwei von euch auf Erden übereinkommen über irgendeine Sache, für die sie bitten wollen, so soll sie ihnen zuteil werden von meinem Vater im Himmel. 20 Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich in ihrer Mitte. (Matthäus 18:15-20)

Dieses Verständnis von der Autorität der Gemeindeversammlung wird von Paulus bestätigt, indem er die ganze Gemeinde in Korinth aufruft, den unbußfertigen Ehebrecher aus ihrer Mitte hinwegzutun (1. Korinther 5). In Galater 1:6-9 ruft Paulus die ganze Gemeinde auf, Prediger auf die richtige Lehre zu prüfen und in 2. Korinther 2:6 spricht er von einem Gemeindezuchtsverfahren, welches durch eine Mehrheit der Gemeinde angestrengt wurde.

Somit sind die zentralen autoritativen Aufgaben einer Gemeinde, die Prüfung auf richtige Lehre und die Aufnahme bzw. Entlassung der Mitglieder, für die Hände der Gemeindeversammlung vorgesehen. Das Neue Testament kennt keinen Rat der Ältesten oder übergeordneten Bischof, der diese Gewalt von den einzelnen Gemeindemitgliedern übertragen bekommt. Dennoch spielen Älteste natürlich eine wichtige Rolle auch in einer kongregationalistischen Gemeindestruktur. Sie dienen der Gemeinde durch Leitung, Fürsorge, Lehre und Zurüstung. Eine ausführliche Übersicht über den Dienst der Ältesten findet sich in dem von Mark Dever und Jonathan Leeman herausgegeben Buch „Baptist Foundations: Church Goverment for an Anti-Institutional Age“.

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