Eine Liebe für die Gemeinde

Kevin DeYoung und Ted Kluck erklären in ihrem Buch „Why We Love the Church: In Praise of Institutions and Organized Religion“ warum sie die traditionelle Gemeinde trotz ihrer Schwächen immer noch schätzen und sich für sie einsetzen. Das Buch ist eine Reaktion auf die moderne Bewegung von Evangelikalen, die die Gemeinde verlassen, um ein anti-institutionelles Christsein in echter Gemeinschaft zu leben.

Während DeYoung und Kluck Schwächen und Makel der traditionellen Gemeinde bereitwillig zugeben, stellen sie doch vier wichtige Fragen an Menschen, die ein Christsein außerhalb der Gemeinde leben wollen:

  • Wendest du dich gegen die Gemeinde oder eigentlich gegen den orthodoxen, christlichen Glauben?
  • Hast du vielleicht unrealistische Erwartungen, die niemals alle gleichzeitig erfüllt werden können?
  • Machst du Authentizität zu einem Götzen?
  • Machst du vielleicht die gleichen Fehler wie andere Generationen, die desillusioniert von der Gemeinde waren?

Das Buch enthält viele witzige aber zugleich nachdenkliche Beschreibungen des Gemeindealltags und versucht im Leser eine neue Liebe für das Gewöhnliche, Unauffällige zu wecken – inmitten einer Generation, die wenig Geduld mit Institutionen hat, die sie langsam und langweilig findet. Dabei vollbringt die traditionelle Gemeinde viel Gutes, das ohne sie nicht geschehen würde. Sie verkündigt das Evangelium, stärkt Christen in ihrem geistlichen Leben, sorgt sich um die Bedürfnisse der Gemeinde und darüber hinaus. Diese Erfolgsbilanz sollte man nicht leichtfertig beiseite wischen.

Gegen den Gedanken eines gemeindelosen Christentums führt das Buch sechs Argumente an: 1) Die Gemeinde ist im Glaubensbekenntnis von Nizäa als katholisch (allgemein) definiert. Es sollte an keinem Ort einen Christen ohne Gemeinde geben. 2) In der ganzen Kirchengeschichte gehörte Christsein und Gemeindezugehörigkeit eng zusammen. 3) Das neutestamentliche Wort für Gemeinde „ekklesia“ kennzeichnet eine öffentliche Versammlung und zeugt von der Notwendigkeit, unseren Glauben öffentlich zu machen. 4) Wir müssen nicht zwischen keiner Gemeinde und der Akzeptanz der Gemeinde mit all ihren Problemen wählen. Wir können sie selbst prägen. 5) Ohne Gemeindemitgliedschaft gibt es keine Möglichkeit für Rechenschaft und Gemeindezucht. 6) Die Gemeinde wird ärmer durch jeden Christen, der sich nicht zu ihr bekennt. Dabei sollte sie ein Bild der vielfältigen Gnade Gottes sein.

Ein weiterer moderner Einwand gegen die verfaßte, institutionalisierte Gemeinde ist, daß Christen durch ihre Verbindung zu Jesus Christus zur allgemeinen, unsichtbaren Gemeinde Gottes gehören. Das heißt, das Wort Gemeinde bezeichnet eigentlich nur eine Gruppe von Christen, egal wo sie sich treffen, was sie machen und welche Ordnungen sie haben. Dieses minimalistische Verständnis von Gemeinde wird dem Neuen Testament jedoch nicht gerecht, welches der Gemeinde eine feste Struktur, mit festen Ämtern, festen Ordnungen (Taufe und Abendmahl), einer festen Aufgabe (Verkündigung des Evangeliums) und fester Autorität (Gemeindezucht) gibt. Die Bibel lehrt keine leiterlose Gemeinde, sondern ruft sowohl Leiter als auch Geleitete zu einem hohen Amtsverständnis:

Gehorcht euren Führern und fügt euch ihnen; denn sie wachen über eure Seelen als solche, die einmal Rechenschaft ablegen werden, damit sie das mit Freuden tun und nicht mit Seufzen; denn das wäre nicht gut für euch! (Hebräer 13:17)

Das Buch macht sich für eine Wiederentdeckung der Ekklesiologie (Lehre von der Gemeinde) stark. Wir tun gut daran, in unseren Gemeinden aufs Neue tiefschürfend über das Wesen, die Aufgabe und die Ordnungen der Gemeinde nachzudenken. Nur dadurch können wir sie gegenüber ihren Kritikern verteidigen und in ihren Mitgliedern eine neue Liebe und Wertschätzung für sie erwecken.

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