Ein anderes (römisches) Evangelium

In der aktuellen Begeisterung für die katholische Kirche, in die auch zahlreiche Evangelikale einstimmen, und dem Versuch einer ökumenischen Annäherung wird oft die lehrmäßige Basis der römischen Kirche vergessen. Entscheidend sollte die Frage sein: Lehrt die katholische Kirche das biblische Evangelium oder lehrt sie ein anderes Evangelium?

Aber selbst wenn wir oder ein Engel vom Himmel euch etwas anderes als Evangelium verkündigen würden als das, was wir euch verkündigt haben, der sei verflucht! Galater 1:8

Ein guter Anhaltspunkt für die Lehre der katholischen Kirche ist zum einen ihr Katechismus, wenn man die Frage nach dem Evangelium stellt aber auch die Beschlüsse des Konzils von Trient. Das Konzil wurde 1545 als Reaktion auf die Reformation einberufen und tagte 18 Jahre bis 1563. In mehreren Sitzungen wurden Beschlüsse über Mißstände in der Kirche getroffen, aber auch eine Antwort auf die Einwände der Reformer gegeben.

Mit dem zentralen Anliegen der Reformation „Rechtfertigung durch Glauben allein“ hat sich die sechste Sitzung befaßt. Neben mehreren Artikeln, in denen die katholische Auffassung der Rechtfertigung dargelegt wird, wurden auch mehrere Kanons verabschiedet, in denen aus katholischer Sicht falsche Lehre verworfen wird. Dazu gehören:

9. Kanon – Wenn jemand sagt, der Sündhafte werde allein durch den Glauben gerechtfertigt; so daß er damit versteht, es werde nichts anderes, das zur Erlangung der Rechtfertigungsgnade mitwirke, erfordert, und es sei keinen Teils notwendig, daß er sich aus Antrieb seines Willens dazu vorbereite, und bereitsam mache, der sei im Bann.

11. Kanon – Wenn jemand sagt, die Menschen werden gerechtfertigt entweder allein durch die Zurechnung der Gerechtigkeit Christi, oder allein durch die Nachlassung der Sünden, mit Ausschluß der Gnade und der Liebe, welche durch den Heiligen Geist (Römer 5:5) in ihre Herzen ausgegossen wird, und ihnen innehaftet, oder auch, die Gnade, durch welche wir gerechtfertigt werden, sei nur eine Gunst Gottes, der sei im Bann.

16. Kanon – Wenn jemand mit unbedingter und unfehlbarer Gewißheit sagt, er werde gewiß jene große Gabe der Verharrung bis ans Ende besitzen, und ist darüber nicht durch eine besondere Offenbarung unterrichtet, der sei im Bann.

24. Kanon – Wenn jemand sagt, die erhaltene Gerechtigkeit werde durch die guten Werke nicht bewahrt, und auch vermehrt vor Gott, sondern diese Werke seien nur allein Früchte und Zeichen der erlangten Rechtfertigung, aber nicht die Ursache ihrer Vermehrung, der sei im Bann.

30. Kanon – Wenn jemand sagt, es werde nach erhaltener Rechtfertigungsgnade jedem büßenden Sünder so die Schuld nachgelassen, und die Verschuldung der ewigen Strafe getilgt, daß keine Verschuldung einer zeitlichen Strafe zurückbleibe, die entweder auf dieser Welt, oder künftig im Fegefeuer abgetragen werden müsse, ehe der Zugange zum Himmel offen sein könne, der sei im Bann.

32. Kanon – Wenn jemand sagt, die guten Werke des gerechtfertigten Menschen seien so Gottes Gaben, daß sie nicht auch desselben Gerechtfertigten gute Verdienste seien, oder dieser Gerechtfertigte verdiene durch die guten Werke, welche von ihm, mittelst der Gnade Gottes und des Verdienstes Christi, dessen lebendiges Glied er ist, getan werden, nicht wahrhaft die Vermehrung der Gnade, das ewige Leben, und, insofern er in der Gnade dahinscheidet, die Erlangung dieses ewigen Lebens selbst, und auch die Vermehrung der Herrlichkeit, der sei im Bann.

Es wird deutlich, daß das Konzil die zentralen Lehren der Bibel (Rechtfertigung durch Glauben allein, aus Gnade allein, zur Ehre Gottes allein) unter den Bann, d.h. ewigen Fluch, stellt, und statt dessen eine eigene Werksgerechtigkeit aufrichtet. Damit lehrt sie anderes Evangelium.

Da es nun die Schrift voraussah, daß Gott die Heiden aus Glauben rechtfertigen würde, hat sie dem Abraham im voraus das Evangelium verkündigt: „In dir sollen alle Völker gesegnet werden“. So werden nun die, welche aus Glauben sind, gesegnet mit dem gläubigen Abraham. Denn alle, die aus Werken des Gesetzes sind, die sind unter dem Fluch; denn es steht geschrieben: „Verflucht ist jeder, der nicht bleibt in allem, was im Buch des Gesetzes geschrieben steht, um es zu tun“. Daß aber durch das Gesetz niemand vor Gott gerechtfertigt wird, ist offenbar; denn „der Gerechte wird aus Glauben leben“. Das Gesetz aber ist nicht aus Glauben, sondern: „Der Mensch, der diese Dinge tut, wird durch sie leben“. Christus hat uns losgekauft von dem Fluch des Gesetzes, indem er ein Fluch wurde um unsertwillen (denn es steht geschrieben: „Verflucht ist jeder, der am Holz hängt“), damit der Segen Abrahams zu den Heiden komme in Christus Jesus, damit wir durch den Glauben den Geist empfingen, der verheißen worden war. Galater 3:8-14

Es ist noch wichtig zu erwähnen, daß die Beschlüsse das Konzils nie aufgehoben worden. Das geht im katholischen Verständnis der Kirche auch nicht, denn dann würde man ja zugeben, daß sich Konzile irren können und damit wäre die ganze katholische Tradition in Frage gestellt.

Es gibt sicher innerhalb der katholischen Kirche Menschen, die an Jesus glauben und auf ihn allein für ihre Rechtfertigung vor Gott glauben. Diese Menschen sind dann aber trotz und nicht wegen der Lehre ihrer Kirche gerettet. Wer an das Evangelium glaubt, welches die römisch-katholische Kirche verkündigt, der glaubt an ein anderes Evangelium und wird erfahren, daß sein religiöser Eifer ihm im Gericht Gottes nichts nützen wird. Er gleicht den Juden zur Zeit des Apostels Paulus, die ihre eigene religiöse Gerechtigkeit aufrichten wollten, statt die geschenkte Gerechtigkeit durch Christus zu empfangen.

Brüder, der Wunsch meines Herzens und mein Flehen zu Gott für Israel ist, daß sie gerettet werden. Denn ich gebe ihnen das Zeugnis, daß sie Eifer für Gott haben, aber nicht nach der rechten Erkenntnis. Denn weil sie die Gerechtigkeit Gottes nicht erkennen und ihre eigene Gerechtigkeit aufzurichten trachten, haben sie sich der Gerechtigkeit Gottes nicht unterworfen. Denn Christus ist das Ende des Gesetzes zur Gerechtigkeit für jeden, der glaubt. Römer 10:1-4

Eine gute Zusammenfassung über das Konzil von Trient aus reformatorischer Perspektive findet sich hier: https://www.thegospelcoalition.org/article/9-things-you-should-know-about-the-council-of-trent

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