Eindrücke sind Eindrücke

Viele Christen, denen ich begegne, glauben, daß Gott uns durch subjektive Eindrücke seinen Willen offenbart. Das können Träume, zufällige Umstände oder einfach ein besonderes Bauchgefühl sein. Dieser Glaube an persönliche Eindrücke scheint so fest zu sein, daß er auch in manchen christlichen Publikationen auftaucht und als normatives christliches Verhalten gelehrt wird.

Was vielen nicht bewußt ist, ist daß das Neue Testament nirgendwo dazu aufruft, Gottes Willen in und durch solche Eindrücke zu suchen. Stattdessen sollen wir uns ganz Gott hingeben, unser Denken durch sein Wort verändern lassen und dann aus Weisheit handeln.

1 Ich ermahne euch nun, ihr Brüder, angesichts der Barmherzigkeit Gottes, daß ihr eure Leiber darbringt als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer: das sei euer vernünftiger Gottesdienst! 2 Und paßt euch nicht diesem Weltlauf an, sondern laßt euch in eurem Wesen verwandeln durch die Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist. (Römer 12:1-2)

Den Willen Gottes erfahren wir nicht durch subjektive Erlebnisse, sondern durch sein objektives Wort. Dieses Wort strahlt heller und ist fester als selbst die Erfahrung des Petrus auf dem Berg der Verklärung.

18 Und diese Stimme hörten wir vom Himmel her ergehen, als wir mit ihm auf dem heiligen Berg waren. 19 Und so halten wir nun fest an dem völlig gewissen prophetischen Wort, und ihr tut gut daran, darauf zu achten als auf ein Licht, das an einem dunklen Ort scheint, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen. (2. Petrus 1:18-19)

Die Reformatoren lehnten diese subjektiven Eindrücke ab, weil sie sich unserer sündigen Herzens bewußt waren. Wir können uns sehr leicht selbst betrügen, weil wir kein objektives Kriterium haben, um zu entscheiden, ob ein Eindruck von Gott, vom Teufel, von unserem sündhaften Herzen oder rein von unserer menschlichen Natur stammt.

26 Wer sich auf sein eigenes Herz verläßt, ist ein Narr; wer aber in der Weisheit wandelt, der wird entkommen. (Sprüche 28:26)

Im Neuen Testament wird uns der Wille Gottes für unser Leben klar offenbart, was eine Suche nach den Begriff „Wille Gottes“ belegt. Gott will, daß wir vollkommen im Willen Gottes sind (Kolosser 4:12), heilig (1. Thessalonicher 4:3), dankbar (1. Thessalonicher 5:18) sowie standhaft im Gutestun (1. Petrus 2:15) und im Leiden (1. Petrus 3:17).

In den anderen Bereichen sollen wir nicht entsprechend unserer Gefühle und Eindrücke leben, sondern aus biblischer Weisheit.

17 Die Weisheit von oben aber ist erstens rein, sodann friedfertig, gütig; sie läßt sich etwas sagen, ist voll Barmherzigkeit und guter Früchte, unparteiisch und frei von Heuchelei. (Jakobus 3:17)

Da wo Menschen in der Bibel direkt von Gott angesprochen wurden, war das eine heilsgeschichtliche Tatsache, die im Neuen Testament aber nie zur Aufgabe gemacht wird, nach der wir suchen sollen.

Meine Erfahrung ist es, daß Menschen oft aus einer Evangeliumsarmut und einer geistlichen Unterernährung mit dem Wort Gottes heraus nach übernatürlichen, besonderen Erlebnissen suchen. Der Weg zu einer engen Beziehung mit Gott und zum Tun seines Willens führt aber nicht weg vom Wort Gottes oder parallel dazu entlang, sondern hin zum Wort Gottes. Desto mehr wir das Wort Gottes als Schatz wiederentdecken, desto kostbarer wird uns Jesus Christus, vom dem das Wort Gottes spricht, und desto mehr werden wir seine göttliche Weisheit kennenlernen.

8 Das Gesetz des HERRN ist vollkommen, es erquickt die Seele; das Zeugnis des HERRN ist zuverlässig, es macht den Unverständigen weise. 9 Die Befehle des HERRN sind richtig, sie erfreuen das Herz; das Gebot des HERRN ist lauter, es erleuchtet die Augen. 10 Die Furcht des HERRN ist rein, sie bleibt in Ewigkeit; die Bestimmungen des HERRN sind Wahrheit, sie sind allesamt gerecht. 11 Sie sind begehrenswerter als Gold und viel Feingold, süßer als Honig und Honigseim. 12 Auch dein Knecht wird durch sie belehrt, und wer sie befolgt, empfängt reichen Lohn. (Psalm 19:8-12)

Was braucht ein Christ mehr?

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