Christus aus dem Alten Testament verkündigen

Das Alte Testament wird in den Predigten oft vernachlässigt, weil man unbewußt oder bewußt davon ausgeht, daß es keine Relevanz für den neutestamentlichen Christen hat. Diesem Vorurteil begegnet die biblische Theologie, die aufzeigen will, wie das ganze Alte Testament auf Christus hinweist und als Verdeutlichung des Evangeliums verstanden werden kann. Die Grundlage dazu bildet die Aussage von Jesus aus Johannes 5:39.

Ihr erforscht die Schriften, weil ihr meint, in ihnen das ewige Leben zu haben; und sie sind es, die von mir Zeugnis geben.

Sidney Greidanus zeigt in seinem Buch „Preaching Christ from the Old Testament“ sieben Wege auf, wie man durch das Alte Testament auf Christus hinweisen kann.

Zunächst gibt es den Weg des heilsgeschichtlichen Fortschritts. Die biblische Geschichte läßt sich grob in vier Teile einteilen: Schöpfung und Sündenfall, Erlösung im Alten Testament, Erlösung im Neuen Testament, neue Schöpfung. Bei diesem ersten Weg ordnet man den Text des Alten Testaments, der die Grundlage der Predigt bildet, in dieses Schema ein und zeigt auf, wie sich die Heilgeschichte durch diesen Text weiterentfaltet.

Der nächste Weg beinhaltet die Achse Versprechen und Erfüllung. Man zeigt auf, wie durch einen alttestamentlichen Text ein Versprechen gegeben wird, welches durch das Kommen des Messias erfüllt wird. Dabei kann es bei einigen Verheißungen auch mehrere Erfüllungen geben: eine im direkten Kontext des Alten Testaments, eine in Christus, eine im Neuen Testament und schließlich eine Erfüllung in der neuen Schöpfung.

Einen dritten Weg bildet die Typologie, bei der man untersucht, wie im Alten Testament Personen oder geistliche Wahrheiten angedeutet werden (Typus), die im Neuen Testament erfüllt werden (Antityptus). Um die Typologie davor zu schützen, in Allegorese abzurutschen, bei der man willkürlich geistliche Parallelen aus den alttestamentlichen Texten herausliest, empfiehlt Greidanus folgende Schutzfunktionen: Zunächst sollte eine Typologie immer auf einer literarisch-historischen Auslegung fußen, bei der man versucht, den ursprünglichen Sinn des Textes herauszuarbeiten. Dann sollte man Typen nicht in den nebensächlichen Details einer Geschichte, sondern nur in der zentralen Botschaft suchen. Drittens sollte man die symbolische Bedeutung eines Textes herausarbeiten. Wenn der Text selbst im Alten Testament keine symbolische Wirkung über seinen unmittelbaren Kontext heraus enthält, dann ist er auch kein Typus für das Neue Testament. Viertens sollte man auf den Kontrast zwischen dem Typus und seiner neutestamentlichen Erfüllung achtgeben, denn im Neuen Testament erscheint der Antitypus oft als Eskalation seines alttestamentlichen Typus. Schließlich sollte man sich laut Greidanus nicht nur damit begnügen, eine typologische Verbindung aufzuzeigen, sondern Christus verkündigen und zum Vertrauen auf ihn aufrufen.

Ein weiterer Weg ist die Analogie, bei der man historische Parallelen zwischen dem Geschehen im Alten Testament und einer Begebenheit oder Lehre im Neuen Testament aufzeigt.

Es gibt darüber hinaus die Möglichkeit, aus einem alttestamentlichen Text ein bibelübergreifendes Thema herauszuarbeiten und dann aufzuzeigen, wie dieses Thema durch die Bibel hindurch aufgegriffen und erhellt wird.

Als sechste Möglichkeit kann man mit den Bezügen im Neuen Testaments auf das Alte Testament arbeiten und untersuchen, wie und warum die Autoren das Alte Testament zitieren und in ihre theologische Argumentation einarbeiten.

Als letzte Möglichkeit bietet sich der Weg des Kontrasts, bei dem man aufzeigt, wie eine Lehre oder ein Beispiel aus dem Alten Testament im Neuen Testament durch das Kommen des Messias völlig umgekehrt wird.

Wir dürfen das Alte Testament als einen Schatz auffassen, aus dem wir reichlich für unseren Predigtdienst schöpfen können. Die biblische Theologie reicht uns die Mittel dazu dar, um diesen Schatz zu heben. Unsere Gemeinden werden theologisch robuster und im Evangelium gegründeter sein, wenn wir sie anhand dieser sieben Wege mit dem Alten Testament und seiner Erfüllung in Christus vertraut machen.

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