Gottes Absicht in der Erwählung

Der Apostel Paulus begründet in Römer 9 Gottes Erwählungshandeln damit, daß dadurch die Barmherzigkeit Gottes noch viel heller und kostbarer erstrahlt.

Wenn nun aber Gott, da er seinen Zorn erweisen und seine Macht offenbar machen wollte, mit großer Langmut die Gefäße des Zorns getragen hat, die zum Verderben zugerichtet sind, damit er auch den Reichtum seiner Herrlichkeit an den Gefäßen der Barmherzigkeit erzeige, die er zuvor zur Herrlichkeit bereitet hat? Römer 9:22-23

Anscheinend wollte Gott den Reichtum seiner Barmherzigkeit vor dem Hintergrund seines Zornes und seiner Macht offenbarmachen. Indem er den Gefäßen des Zorns die gerechte Strafe für ihre Sünden zukommen läßt, lehrt er den Gefäßen der Barmherzigkeit seine unverdiente Gunst zu schätzen.

James Hamilton zeigt in einem sehr ausführlichen Buch auf, wie sich dieser Strang von Gottes Herrlichkeit, die sich in der Errettung seines Volkes vor dem Hintergrund des Gerichts über seine Feinde zeigt, durch die ganze Bibel zieht.

Augustinus schreibt in seinem Enchiridion (Handbuch vom Glauben) dazu:

Denn wer es begreift, der sieht doch ein, daß das gesamte Menschengeschlecht von Gott durch ein höchst gerechtes Gericht schon in seiner von ihm (Gott) abgefallenen Wurzel (Adam) verdammt war, so daß selbst wenn kein einziger Mensch von dieser Verdammnis befreit worden wäre, doch niemand mit Fug und Recht die göttliche Gerechtigkeit darob tadeln könnte; ferner sieht er auch ein, daß bei all denen, die wirklich befreit wurden, die Befreiung in der Weise geschehen mußte, daß ihnen aus der größeren Anzahl der Nichtbefreiten und einer durchaus gerechten Verdammnis Verfallenen klar wurde, was eigentlich die gesamte Menschenmenge verdient hätte und wohin das verdiente Gericht Gottes auch sie selber führen müßte, käme ihnen nicht unverdiente Barmherzigkeit zu Hilfe. Und so wird einem jeden, der sich seiner Verdienste rühmen möchte, „der Mund verschlossen“, und „ein jeder, der sich rühmen will, der rühme sich im Herrn“.

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