Wahre Anbetung

In der ersten münchner Regionalkonferenz des Netzwerks Evangelium21 ging es um das Herz und die theologische Begründung der Anbetung. An zwei Konferenztagen vom 9. zum 10. Dezember 2016 lernten die Konferenzteilnehmer sowohl wie man Anbetung vom Evangelium her verstehen als auch wie man diesen Fokus auf das Evangelium in die Anbetung der Gemeinde praktisch einbinden kann.

Zunächst legte Vaughan Roberts, Pastor der St. Ebbe’s Church in Oxford, den theologischen Grundstein für die Diskussion mit einer tiefschürfenden Auslegung von Johannes 4:19-26.

19 Die Frau spricht zu ihm: Herr, ich sehe, daß du ein Prophet bist! 20 Unsere Väter haben auf diesem Berg angebetet, und ihr sagt, in Jerusalem sei der Ort, wo man anbeten soll. 21 Jesus spricht zu ihr: Frau, glaube mir, es kommt die Stunde, wo ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. 22 Ihr betet an, was ihr nicht kennt; wir beten an, was wir kennen, denn das Heil kommt aus den Juden. 23 Aber die Stunde kommt und ist schon da, wo die wahren Anbeter den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten werden; denn der Vater sucht solche Anbeter. 24 Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten. 25 Die Frau spricht zu ihm: Ich weiß, daß der Messias kommt, welcher Christus genannt wird; wenn dieser kommt, wird er uns alles verkündigen. 26 Jesus spricht zu ihr: Ich bin’s, der mit dir redet!

Anbetung heißt natürlich nicht nur Singen und man betet nicht automatisch an, nur weil man starke Emotionen hat. Es geht bei Anbetung zuerst und zuletzt um Gott, nicht um uns. Jesus macht der Frau am Brunnen deutlich, die ja berührt von seiner Sanftheit und Nähe ist, was wahre Anbetung bedeutet. Es geht in der Hauptsache um Jesus Christus selbst. Er macht Anbetung überhaupt erst möglich, weil er der Ort ist, wo wir Gott begegnen. Er ist das Zelt der Begegnung, auf das das alttestamentliche Vorbild hinwies. Er ist die Erfüllung der Symbole – wir brauchen keine Äußerlichkeiten mehr, um Gott zu begegnen. Außerdem braucht es für wahre Anbetung den Geist Gottes. Wahre Anbetung kommt vom Herzen und sie wird dort vom Heiligen Geist geboren. Sie ist ein übernatürliches Werk des Geistes in den Gläubigen. Schließlich ist wahre Anbetung aber auch vollkommen gegründet auf geistliche Wahrheit. Das Wort Gottes, in dem uns die geistlichen Wahrheiten des Evangeliums offengelegt werden, ist das Vehikel der Anbetung. In ihm erfahren wir, wie wir Gott anbeten können und es leiht uns die Sprache und Ausdrücke, um den Allmächtigen zu ehren und zu preisen.

In einem zweiten Vortrag ging Philip Percival, Musikleiter der St. Ebbe’s Church, darauf ein, welch einzigartige Funktion und Wirkung die Musik im Gottesdienst hat. Sie dient dem Ausdruck unserer Gefühle und kann tiefe Gefühlsregungen in uns bewirken. Dabei sollten diese Gefühle immer eine Antwort auf die Wahrheiten der Schrift sein. Paulus macht diesen Zusammenhang in Kolosser 3:16 deutlich.

Laßt das Wort des Christus reichlich in euch wohnen in aller Weisheit; lehrt und ermahnt einander und singt mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern dem Herrn lieblich in eurem Herzen.

Geistliche Lieder sind nicht dazu da, bloße Gefühle zu erzeugen, sondern geistliche Wahrheiten (das Wort des Christus) zu transportieren. Dieses Wort ist nichts anderes als das Evangelium des Wesens und Wirkens unseres Herrn Jesus.

Außerdem dient der Gesang der Gemeinde der gegenseitigen Erbauung, indem sich die Gemeinde Wahrheit in Liedform zusingt und damit in singender Form einander zuspricht. Paulus verweist auf diesen Zusammenhang in 1. Korinther 14:26.

Wie ist es nun, ihr Brüder? Wenn ihr zusammenkommt, so hat jeder von euch etwas: einen Psalm, eine Lehre, eine Sprachenrede, eine Offenbarung, eine Auslegung; alles laßt zur Erbauung geschehen!

Schließlich ging Percival noch auf Epheser 5:18-20 ein, wo Paulus die Rolle des Heiligen Geistes im Gemeindegesang betont.

18 Und berauscht euch nicht mit Wein, was Ausschweifung ist, sondern werdet voll Geistes; 19 redet zueinander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern; singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen; 20 sagt allezeit Gott, dem Vater, Dank für alles, in dem Namen unseres Herrn Jesus Christus.

Der Heilige Geist erfüllt die Gläubigen und führt sie zu alten (Psalmen) und neuen geistlichen Liedern. Das Ziel des Gesangs ist nicht der Gläubige selbst, sondern die Verherrlichung Gottes, die hier in der Dankbarkeit zum Ausdruck kommt. Singen sollte nicht eine Stimmung erzeugen, sondern aus einer Stimmung der Dankbarkeit des Herzens fließen.

Ein weiterer sehr interessanter Vortrag wurde von Rudi Tissen gehalten, in dem er sehr praktisch und anwendbar erklärte, wie man den Lobpreis und die Anbetung in der Gemeinde gestalten kann. Der Vortrag war so umfangreich, daß ich dazu einlade, ihn nachzuhören und an Musikleiter in der Gemeinde weiterzuleiten, sobald er bei Evangelium21 online verfügbar wird.

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