Jonathan Edwards über die besonderen Gaben des Heiligen Geistes

In einer Predigtreihe zu 1. Korinther 13 spricht Jonathan Edwards in seiner zweiten Predigt „Love More Excellent than the Extraordinary Gifts of the Spirit“ über die Rolle der gewöhnlichen und außergewöhnlichen Geistesgaben.

Zunächst unterscheidet er zwischen den allgemeinen Gaben des Heiligen Geistes, die auch Ungläubige erfahren können, und den rettenden Gaben. Der Heilige Geist überführt auch Ungläubige zuweilen von ihrer Sünde und erleuchtet sie auf eine gewisse Weise beim Lesen der Heiligen Schrift. Auch Ungläubige werden vom Geist Gottes manchmal mit Dankbarkeit gegenüber Gott erfüllt oder mit Trauer über die eigene Verlorenheit. Dem gegenüber gibt es ein Wirken des Heiligen Geistes, welches auf die Erwählten beschränkt ist. Ihnen schenkt er rettenden Glauben, Liebe und alle anderen erlösenden Gnadengaben.

Desweiteren unterscheidet Edwards zwischen dem gewöhnlichen Wirken des Geistes und seinem außergewöhnlichem Wirken. Zu letzterem gehören die Gaben der Sprachenrede, Wunder und Prophetie. Sie werden nicht im gewöhnlichen Lauf der Vorsehung Gottes geschenkt, sondern nur zu bestimmten Zeiten. So gab sie Gott den Propheten und Aposteln, um ihnen seinen Willen zu offenbaren, bevor der Kanon der Heiligen Schrift abgeschlossen war. Genauso hatte er diese Gaben der Urgemeinde geschenkt, um sie zu gründen und zu festigen. Für Edwards haben diese außergewöhnlichen Gaben danach aufgehört.

But since the canon of the Scripture has been completed, and the Christian Church fully founded and established, these extraordinary gifts have ceased. But the ordinary gifts of the Spirit are such as are continued to the Church of God throughout all ages; such gifts as are granted in conviction and conversion, and such as appertain to the building up of the saints in holiness and comfort.

Im restlichen Teil seiner Predigt zieht Edwards einen Kontrast zwischen den gewöhnlichen und den außergewöhnlichen Gaben des Heiligen Geistes. Obwohl die außergewöhnlichen Gaben großartig und sehr zu schätzen sind, sind die gewöhnlichen ihnen doch weit überlegen.

Die gewöhnlichen Gaben des Heiligen Geistes befähigen eine Person nicht nur äußerlich, sondern sie verändern sein Herz und erfüllen ihn mit Liebe und Heiligkeit. Durch sie teilt sich der Heilige Geist selbst mit und wohnt im Herzen der Gläubigen. Durch das gewöhnliche Wirken des Geistes wird die Heiligkeit Gottes auf die Gläubigen übertragen und genau darin besteht die zentrale Herrlichkeit und Schönheit Gottes. Das besondere an Christus, worin seine göttliche Schönheit bestand, war nicht seine Fähigkeit, Wunder zu tun, sondern seine heilige Sanftmut und Liebe.

Edwards verweist darauf, daß das gewöhnliche Wirken Gottes auch deshalb etwas Besonderes ist, weil es Gott nur seinen eigenen Kindern schenkt, während das außergewöhnliche Wirken auch Gottlose treffen kann (z.B. Bileam, Saul, Judas). Die außergewöhnlichen Gaben sind kein verläßliches Zeichen der Liebe Gottes zu einer Person – die gewöhnlichen dagegen schon. Die Propheten gründeten ihr Vertrauen, von Gott geliebt zu sein, nicht auf ihren Status als Propheten oder ihre außergewöhnlichen Gaben, sondern darauf, daß sie Geheiligte waren. Selbst der Apostel Paulus, der viele außergewöhnliche Gaben erfahren hatte, gibt in 1. Korinther 13 zu, daß sie ohne Liebe wertlos sind. Das gewöhnliche Wirken des Geistes führt zu einer tiefen Freude, welches die außergewöhnlichen Gaben nie erzeugen können, denn die Freude eines Christen besteht in seiner Heiligkeit.

Am Ende warnt Edwards davor, sich durch außergewöhnliche Geistesgaben zu betrügen. Sie sind kein Kennzeichen rettender Gnade. Selbst wenn jemand besondere Eindrücke hat, die er für die Gabe der Prophetie hält, ist das kein Zeichen, daß er wirklich zu Gott gehört. Die kennzeichnende Frucht wahren Glaubens ist die Liebe zu Gott und zu den Gläubigen. Ohne diese Liebe sind alle Gaben wertlos.

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