Zwei Worte zu Trump

Ich habe einige christliche Freunde, die Trump vehement verteidigen und sich freuen, daß er Dinge anspricht, die ihnen schon lange auf dem Herzen liegen. Andere wiederum kritisieren ihn genauso vehement und ärgern sich an seinem Verhalten und den Werten, die er repräsentiert. Nach meiner Erfahrung gibt es Aspekte der christlichen Botschaft, die beide Lager oft übersehen. Auf sie möchte ich kurz hinweisen und damit für mehr Demut und Verständnis werben.

Christen, die Trump unterstützen, sehen ihn oft als Galionsfigur konservativer Werte. Er setzt sich gegen Abtreibung ein, für die persönliche Verantwortung des Einzelnen und für, aus ihrer Sicht, berichtigte nationale Interessen. Außerdem scheint er die Situation der weltweiten Verfolgung von Christen mehr auf dem Schirm zu haben als sein Vorgänger.

Was diese Gruppe oft übersieht ist, daß der Kampf für soziale Gerechtigkeit, persönliche Freiheit sowie die Trennung zwischen Kirche und Staat durchaus eine biblische Grundlage hat. Trotzdem bleibt zu fragen, ob die Verantwortung für die Lösung sozialer Probleme aus Sicht der Bibel beim Staat oder nicht doch bei Einzelnen oder freiwilligen Verbänden liegt. Die Aufgaben, die Paulus dem Staat in Römer 13 beimißt, sind recht begrenzt. Dennoch möchte ich dieser Gruppe das Gleichnis vom barmherzigen Samariter zusprechen und sie daran erinnern, nicht vor lauter Pochen auf die persönliche Verantwortung des Einzelnen dessen unverschuldetes oder auch selbstverschuldetes Leid zu ignorieren.

36 Welcher von diesen Dreien ist deiner Meinung nach nun der Nächste dessen gewesen, der unter die Räuber gefallen ist? 37 Er sprach: Der, welcher die Barmherzigkeit an ihm geübt hat! Da sprach Jesus zu ihm: So geh du hin und handle ebenso! (Lukas 10:36-37)

Die Gegner Trumps vertreten oft eine progressive, sozial-liberale, säkulare und kosmopolitische Position. Was meine ich mit diesen Begriffen? Sie sind Progressivisten, weil sie an den Fortschritt glauben, nicht nur im technischen, sondern auch im sozialen Bereich. Daher sehen sie Trump und alles, was er vertritt, als rückschrittlich. Sie sind sozial-liberal, weil sie im persönlichen Bereich auf liberale Werte setzen (Freiheit zur uneingeschränkten Selbstentfaltung), im öffentlichen Bereich jedoch auf eine Struktur, die soziale Gerechtigkeit durch Umverteilung schaffen soll. Für sie ist Trump das genaue Gegenteil dieser Agenda. Er vertritt für den persönlichen Bereich eher konservative Werte, die mitunter dazu führen können, daß die freie Selbstentfaltung eingeschränkt wird (siehe Abtreibung und Homosexualität). Im öffentlichen Bereich vertritt er die Position, daß jeder seines eigenen Glückes Schmied ist und für seinen Erfolg selbst verantwortlich. Die säkulare Sicht fordert eine strenge Trennung von Politik und Religion, so daß religiöse Motive keine Rolle spielen dürfen bei den Positionen, die man als Politiker vertritt. Die kosmopolitische Sicht träumt von einer Welt ohne Grenzen, mit größtmöglicher Bewegungsfreiheit für alle. Einer Welt, wenn schon nicht durch eine gemeinsame Weltregierung verbunden, so doch durch gemeinsame Interessen und internationalen Organisationen.

Diese Gruppe übersieht aus meiner Sicht oft den Sündenfall des Menschen, der aus biblischer Sicht das Herz eines jeden beeinflußt und in Sünde gefangenen nimmt. Deswegen wird sich zwar die Technik weiterentwickeln, niemals aber das Herz des Menschen. Auch ist nicht jedes Begehren des Herzens zu unterstützen, sondern es muß Grenzen geben, damit in einer Gesellschaft das Übel nicht Oberhand nimmt. Außerdem bestimmt unser Herz jeden Bereich unseres Lebens, weswegen es keinen geschützten, säkularen Raum geben kann, der angeblich frei von Weltanschauungen ist. Die kosmopolitische Sicht scheitert letztlich daran, daß es immer Menschen und Gruppen von Menschen gibt, die die Freiheit angreifen und denen gewehrt werden muß. Ich würde mir wünschen, daß diese Gruppe die Lehre Jesu über das menschliche Herz zu Herzen nimmt.

20 Er sprach aber: Was aus dem Menschen herauskommt, das verunreinigt den Menschen. 21 Denn von innen, aus dem Herzen des Menschen, kommen die bösen Gedanken hervor, Ehebruch, Unzucht, Mord, 22 Diebstahl, Geiz, Bosheit, Betrug, Zügellosigkeit, Neid, Lästerung, Hochmut, Unvernunft. 23 All dieses Böse kommt von innen heraus und verunreinigt den Menschen. (Markus 7:20-23)

Ein Wort zur Mediendarstellung. Ich denke, der Vorwurf der Lügenpresse ist übertrieben und falsch. Viele Journalisten versuchen, ehrlich zu berichten. Aber dennoch hat diese Berichterstattung oft eine Tendenz. Ich denke, daß auch das am menschlichen Herzen liegt. Im Nachgang des US-Wahlkampfs wurden Journalisten befragt, welche Partei sie selbst gewählt oder finanziell unterstützt hatten. Das Ergebnis fiel zu über 90% auf eine der beiden Parteien aus. Es ist dann keine Überraschung, wenn sich die politische Überzeugung der Journalisten auch irgendwie in ihrer Berichterstattung niederschlägt.

Konservative dürfen nicht vergessen, wie oft Donald Trump in seinem eigenen Leben nicht die Werte gezeigt hat, die sie sich in einem Politiker wünschen. Außerdem hat er in der Vergangenheit schon öfter seine Meinung gewechselt, wenn es opportun war. Es gibt keine Garantie dafür, daß er das nicht auch in Zukunft tun wird.

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