Unsere geliebten Götzen

In seinem Buch über Götzendienst gibt Timothy Keller am Ende eine Liste zeitgenössischer Götzen mit, die auch heute noch unser Leben beherrschen. Martin Luther sprach in seiner ersten These davon, daß unser ganzes Leben ein Abwenden von unseren falschen Göttern und ein Hinwenden zum wahren Gott sein sollte:

Als unser Herr und Meister Jesus Christus sagte: „Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen“, wollte er, daß das ganze Leben der Glaubenden Buße sei.

Ich finde diese Liste als Startpunkt hilfreich, um zu prüfen, in welchem Bereich meines Herzen nicht der wahre Gott der Bibel regiert. Die Liste ist aber nicht vollständig und der Prozeß der Heiligung besteht im Grunde genommen darin, mein Herz immer weiter mit den Wahrheiten des Evangeliums anzufüllen, die vom Heiligen Geist benutzt werden, um die falschen Götzen von dort zu vertreiben.

Theologische Götzen

  • Falsche Lehren führen zu einem so verzerrten Gottesbild, daß wir am Ende einen falschen Gott anbeten.

Sexuelle Götzen

  • Abhängigkeit von Pornographie und Fetischismus, die Intimität und Annahme versprechen, aber nicht geben können.
  • Ideale von körperlicher Schönheit bei sich selbst oder beim Partner.
  • Romantische Überhöhung.

Magische/Kultische Götzen

  • Hexerei und alles Okkulte. Götzendienst ist letztlich immer eine Form der Zauberei und des Okkultismus, eine Rebellion gegen die Ordnung der unsichtbaren Welt, statt sich ihr in Liebe und Weisheit unterzuordnen.

Politische/Wirtschaftliche Götzen

  • Alle Ideologien von links, rechts oder den Liberalen, die einen Aspekt der Politik verabsolutieren und zur Lösung schlechthin erklären. Beispiel: Vergötterung oder Dämonisierung des freien Marktes.

Rassistische/Nationalistische Götzen

  • Rassismus, Militarismus, Nationalismus, auch Nationalstolz, der mit Bitterkeit einhergeht und dazu führt, daß andere unterdrückt werden.

Götzen, die zwischenmenschliche Beziehungen betreffen

  • Gestörte Familienverhältnisse mit gegenseitigen Abhängigkeiten, verhängnisvolle Affären, Selbstverwirklichung durch die Kinder.

Religiöse Götzen

  • Übertrieben konservative Moral und Gesetzlichkeit, Überbewertung von Erfolg und Gaben, Religion als ein Vorwand zum Machtmißbrauch.

Philosophische Götzen

  • Denksysteme, die etwas Geschaffenes zum Grundübel des Lebens erklären (statt Sünde) oder ein von Menschen geschaffenes Produkt oder Projekt für die Lösung aller Probleme halten (statt der Gnade Gottes).

Kulturelle Götzen

  • Extremer Individualismus des Westens, der das persönliche Glück zum höchsten Gut erklärt – auch auf Kosten der Gemeinschaft.
  • Schamorientierte Kulturen machen die Familie oder die Sippe zum Götzen auf Kosten der Persönlichkeitsrechte.

Tiefgehende Götzen

  • Triebfedern der Motivation sowie Charaktereigenschaften, die als absolute Wahrheiten betrachtet werden:
    • Machtverherrlichung: „Das Leben hat nur dann einen Sinn, wenn ich andere beherrschen und beeinflussen kann. Ich bin nur dann wertvoll, wenn ich andere beherrschen und beeinflussen kann.“
    • Annahme von anderen als höchster Wert: „Das Leben hat nur dann einen Sinn, wenn … mich liebt und respektiert. Ich bin nur wertvoll, wenn … mich liebt und respektiert.“
    • Zufriedenheit als Götze: „Das Leben hat nur dann einen Sinn, oder ich bin nur dann wertvoll, wenn ich mir ein bestimmtes Vergnügen leisten oder eine bestimmte Form der Lebensqualität erreichen kann.“
    • Herrschsucht: „Das Leben hat nur dann einen Sinn, oder ich bin nur dann wertvoll, wenn ich diesen bestimmten Bereich meines Lebens unter Kontrolle habe.“

Eine empfehlenswerte Besprechung des Buches beim TheoBlog: http://theoblog.de/es-ist-nicht-alles-gott-was-glanzt/12694/ und ein weiterführender Artikel von Hanniel: http://hanniel.ch/2017/02/01/kolumne-beziehungsgoetzen-entlarven/.

Ein Gedanke zu „Unsere geliebten Götzen

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