Die Gründung der Sieben-Tags-Adventisten

Ich beschäftige mich gerade mit der Gründungsphase der Sieben-Tags-Adventisten anhand des Buchs von George Knight „A Search For Identity – The Development of Seventh-day Adventist Beliefs„. Für mich erstaunlich war es, daß die Gründerväter sowohl die Göttlichkeit Jesu als auch damit zusammenhängend die Dreieinigkeit leugneten.

Besonders interessant fand ich ihr Verständnis davon, wie ein Mensch erlöst wird. Grundlegend für die Bibelauslegung der Adventisten sind die Botschaften der drei Engel in Offenbarung 14. Der erste Engel predigt aus ihrer Sicht in Vers 7 die Rückkehr Jesu und das damit verbundene Gericht Gottes. Diese Predigt wurde 1844 erfüllt, indem der Gründervater William Miller die leibliche Rückkehr Jesu ausgehend von Daniel 8:14 für dieses Jahr voraussagte. Diese wurde dann in eine geistliche Rückkehr uminterpretiert, indem das Heiligtum, welches Jesu reinigt, nicht mehr als die Welt, sondern als das himmlische Heiligtum verstanden wurde. Jesus übt jetzt einen zweiten Dienst dort aus.

Die Botschaft des zweiten Engels ist, daß Babylon gefallen ist (Vers 8). Dies begannen die Adventisten nach 1844 nicht mehr auf die Welt als Ganzes zu beziehen, sondern auf die abgefallene Christenheit. So wurde Vers 8 für sie zur Grundlage, aus ihren bestehenden Gemeinden herauszugehen und eigene Versammlungen zu gründen.

Nun befinden sie sich in der Phase des dritten Engels, der eine Erlösung predigt, die daraus besteht, die Gebote Gottes zu bewahren und den Glauben an Jesus (Vers 12). Zu diesen Geboten gehören die Zehn Gebote und insbesondere das Sabbatgebot.

Die Sieben-Tage-Adventisten waren also seit ihrer Gründungsphase eine Bewegung, die auf einer Werksgerechtigkeit aufbaute. Sie lehnten den Glauben an Jesus nicht ab, fügten ihm aber das Halten der Gebote hinzu. Einer der Gründer Joseph Bates erklärte offen: „Wer den Sabbat heiligt, rettet seine Seele.“ Die Gnade Gottes und die Erlösung durch Jesus Christus verstanden sie aufgrund ihrer Interpretation von Römer 3:25 nur bezogen auf die vergangenen Sünden. Danach muß ein Mensch, der Christ geworden ist, aber seine Rechtfertigung durch ein gehorsames Leben verdienen.

Da der Brief des Paulus an die Galater aber genau ein solches Vertrauen auf das Gesetz neben dem Glauben an Jesus Christus verwirft, hat man ähnlich der neuen Paulusperspektive die Werke des Gesetzes, die Paulus dort ablehnt, auf das Zeremonialgesetz das Alten Testaments beschränkt.

In ihrer Jahreshauptversammlung 1888 wandte sich die Adventbewegung stärker der Rechtfertigung aus Glauben zu und auch die Göttlichkeit Jesu Christi wurde bekräftigt. Deswegen kann sie heute in Teilen mit der Evangelischen Allianz zusammenwirken und ein gemeinsames Evangelium betonen.

Für mich war gerade vor dem Hintergrund der Diskussion um die neue Paulusperspektive interessant, wie auch die Adventbewegung geneigt war, ihre eigene Betonung auf Werke und Gehorsam damit zu rechtfertigen, daß sie den Galaterbrief uminterpretierte.

Für die Reformation war die Lehre von der Rechtfertigung durch Glauben aufgrund der Gerechtigkeit von Jesus Christus allein der zentrale Glaubensartikel, der das wahre von den falschen Evangelien unterscheidet. Wir müssen den gleichen Mut haben, für das wahre Evangelium zu streiten, denn es geht um nichts Geringeres als die ewige Erlösung. Sollten wir durch unseren eigenen Gehorsam vor Gott bestehen müssen, dann sind wir alle verloren. Andersherum, wer auf seine eigene Gerechtigkeit vertraut und sich nicht der Gerechtigkeit Gottes unterwirft, die durch Christus allein kommt, der hat einen Eifer für Gott, der aber letztlich ins Verderben führen wird.

Denn ich gebe ihnen das Zeugnis, daß sie Eifer für Gott haben, aber nicht nach der rechten Erkenntnis. Denn weil sie die Gerechtigkeit Gottes nicht erkennen und ihre eigene Gerechtigkeit aufzurichten trachten, haben sie sich der Gerechtigkeit Gottes nicht unterworfen. Denn Christus ist das Ende des Gesetzes zur Gerechtigkeit für jeden, der glaubt. Römer 10:2-4

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