Evangeliumsamnesie in der Gemeinde

Timothy Lane und Paul Tripp warnen in ihrem Buch „Alles anders – aber wie?“ davor, daß nicht nur einzelne Christen, sondern auch eine ganze Gemeinde das Evangelium vergessen kann (eine sogenannte Evangeliumsamnesie).

Dabei hat der Grad, inwieweit die Mitglieder der Gemeinde das Evangelium verstehen und auf ihr Leben anwenden können, tiefgreifenden Einfluß auf die Kultur der Gemeinde. Die Autoren beschreiben folgenden Prozeß, der normalerweise in der Ortsgemeinde abläuft:

  1. Jede Woche gibt es in der Gemeinde Menschen mit einer Vielfalt an Problemen.
  2. Die Bibel lehrt, daß wir alles haben, um diesen Menschen zu helfen (siehe 2. Petrus 1:3).
  3. Bevor die Menschen zu einem professionellen Seelsorger gehen, suchen sie Hilfe bei einem Freund, Familienmitglied oder Pastor.
  4. Diese Menschen bekommen von ihrem Freund, Familienmitglied oder Pastor entweder keine Hilfe, schlechte Hilfe oder auf das Evangelium ausgerichtete Hilfe.
  5. Wenn sie keine sinnvolle Hilfe bekommen, werden sie woanders suchen.
  6. Wenn sie versuchen, anderen zu helfen, werden sie das anwenden, was ihnen geholfen hat.

Es ist also von fundamentaler Bedeutung, daß die Menschen in der Gemeinde lernen, daß das Evangelium ihr Leben berühren und verändern kann, sonst werden sie sich anderswo Hilfe suchen. Dadurch wird etwas anderes als das Evangelium zum faktischen Retter ihres Lebens. Dieser neue Retter wird das Leben der Gemeinde prägen, auch wenn an der Oberfläche noch Jesus Christus als Herr und Erlöser angebetet wird.

Lane und Tripp empfehlen mehrere Diagnosefragen, anhand derer eine Gemeinde sich prüfen kann, ob in ihr eine Kultur des biblischen Evangeliums bestimmend ist.

  • Was wird jede Woche in der Predigt, in der Lehre und in der Anbetung der Gemeinde verkündigt?
  • Ist Christus im Mittelpunkt?
  • Wie rüsten wir die heute aktiven Verantwortlichen und Leiter von Dienstgruppen aus?
  • Wie lehren wir zukünftige Leiter, so zu dienen, daß es mit dem Evangelium übereinstimmt?
  • Neigen wir dazu, lehrmäßige Rechtgläubigkeit und Begabungen so zu betonen, daß lebensbefreiende, von Christus erfüllte Veränderung ausgeschlossen wird?
  • Arbeiten die Dienstgruppen mit einer auf Christus ausgerichteten Sicht von Veränderung?
  • Was tun wir, um sicherzustellen, daß dies geschieht?
  • Gibt es regelmäßig Auswertungen? Sind wir bereit, Veränderungen vorzunehmen?
  • Wird allen Mitgliedern unserer Gemeinde geholfen, ihr Alltagsleben aus der Kraft des Evangeliums heraus zu führen?
  • Sind unsere Anstrengungen, die Kirchenfernen zu erreichen, von einer demütigen evangeliumsgemäßen Haltung geleitet? Oder neigen wir dazu, uns mit Techniken, Programmen, Schuldgefühlen oder falschen Versprechen eines glücklichen Lebens zufriedenzugeben?
  • Prägt eine auf Christus ausgerichtete Haltung unsere Mitglieder, wenn sie die Bibel lesen, beten und an den Sakramenten teilhaben? Können sie konkrete Verbindungen herstellen zwischen ihrem Herzen und ihrem Leben und den Verheißungen und Segnungen, die ihnen in Christus gehören?
  • Welche Hindernisse hemmen eine solche Kultur? Wo können wir es besser machen? Wie und wo wollen wir beginnen?

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