Gesetz vs. Evangelium

Martin Luther hat in seinem theologischen Denken sehr stark zwischen den Begriffen Gesetz und Evangelium unterschieden. In seinem Kommentar zum Galaterbrief schreibt er:

Wenn ein Pferd reden könnte, müßte es zugestehen, daß es zwei verschiedene Dinge sind, wenn ihm das eine Mal der Pferdeknecht Hafer zum Fraß vorwirft und wenn er ein anderes Mal auf ihm reitet. So sind Verheißung und Gesetz so weit wie Himmel und Erde voneinander entfernt. Das Gesetz fordert: Tu das! Die Verheißung schenkt: Nimm das!

Das Besondere am Evangelium, weswegen es eine gute Nachricht ist (eu-angelion = gute Nachricht), besteht darin, daß Gott uns etwas darin schenkt, nämlich die Gerechtigkeit Christi. Das Gesetz fordert von uns und seine Forderungen können wir nie vollkommen erfüllen. Deshalb sind wir angewiesen auf das Evangelium, in welchem Gott selbst seine Forderung an uns erfüllt, indem er seinen Sohn sandte, der das Gesetz an unserer statt erfüllte und die Strafe für unsere Übertretungen trug.

Diese gute Nachricht ist der Unterschied zu allen falschen Evangelien und zu allen anderen Religionen. Für Luther geht es im Kern jedes falschen Glaubens (christlich oder nicht-christlich) um Gesetz. Wir müssen etwas tun, damit Gott uns gnädig ist. Im Evangelium sind wir vollkommen passiv und empfangen Gottes unverdiente Güte als Geschenk.

Das ist auch heute noch eine wahrlich gute Nachricht, denn die Last des Gesetzes drückt schwer auf einem jeden von uns. Wir wollen irgendwas leisten, um den Erfolg zu bekommen, nach dem wir uns sehen. Das Evangelium sagt: Nimm alles, was du dir jemals gewünscht hast, in und durch Christus allein – völlig frei und als Geschenk.

Wohlan, ihr Durstigen alle, kommt her zum Wasser; und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und eßt! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch! Warum wiegt ihr Geld ab für das, was kein Brot ist, und euren Arbeitslohn für das, was nicht sättigt? Hört doch auf mich, so sollt ihr Gutes essen, und eure Seele soll sich laben an fetter Speise! Neigt eure Ohren und kommt her zu mir; hört, so wird eure Seele leben! Denn ich will euch einen ewigen Bund gewähren: die Gnadengüter Davids, die zuverlässig sind. Jesaja 55:1-3

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