Gottes Selbstzentriertheit

Jonathan Edwards legt in seinem Buch „The End for Which God Created the World“ eine sehr genaue Analyse dar, warum Gott nichts anderes als seine eigene Herrlichkeit als oberstes Ziel der Schöpfung setzen konnte. Ein zentraler Absatz, der später von Bibelversen untermauert wird, begründet Gottes höchste Leidenschaft für sich selbst:

Wenn Gott selbst also fähig wäre, sein eigenes Ziel in der Schöpfung der Welt zu sein, dann ist es einleuchtend, daß er auf genau das aus war als sein letztes und wichtigstes Ziel, denn er ist würdig in sich selbst, dieses Ziel zu sein, weil er das unendlich größte und beste aller Wesen ist. Alle anderen Dinge sind in Bezug auf Würdigkeit, Wichtigkeit und Vortrefflichkeit absolut nichts im Vergleich zu ihm. Deshalb, wenn Gott Dinge gemäß ihrer Natur und Wesenszüge bewertet, dann muß er notwendig sich selbst am höchsten bewerten. Es wäre gegen die Vollkommenheit seiner Natur, seiner Weisheit, Heiligkeit und perfekten Rechtschaffenheit, durch die er immer zu dem geneigt ist, was auch würdig ist getan zu werden. Ein großer Teil der moralischen Rechtschaffenheit Gottes, durch die er zu den Dingen geneigt ist, die angebracht sind, passend und schön, besteht darin, daß er die größte Wertschätzung für das hat, was in sich selbst am höchsten und besten ist. Weil Gott selbst am würdigsten ist, auf eine unendliche Weise, muß er in seiner Wertschätzung am höchsten liegen. Die Würdigkeit anderer ist wie nichts im Vergleich zu ihm. Ihm gehört der ganze Respekt, den ein intelligentes Wesen zu leisten imstande ist. Ihm gehört das ganze Herz. Demnach, wenn moralische Rechtschaffenheit des Herzens darin besteht, dem Respekt und Ehre zu zollen, der dessen würdig ist, dann muß die größte Achtung und Ehre Gott gezollt werden. Wenn man ihm diese Achtung versagt, wäre das ein Verhalten, welches unendlich ungehörig wäre. Daraus folgt, daß die moralische Rechtschaffenheit der Neigungen und Gefühle Gottes darin besteht, daß er sich selbst über alles wertschätzt, unendlich mehr als alle anderen Wesen. Darin besteht seine Heiligkeit.

Nichts könnte zentraler für das Verständnis der biblischen Heilsgeschichte sein, als daß Gott seine Ehre in allem als oberstes Ziel hat. Aber nichts scheint fremder für die moderne Christenheit zu sein, die sich nur allzu gern selbst im Mittelpunkt des Universums sieht.

Nur, was bei uns Sünde ist, ist bei Gott höchste Tugend. Wir sollten nie im Mittelpunkt stehen, weil wir nicht würdig sind, im Mittelpunkt zu sein. Gott dagegen schon – unendlich würdig.

PS: Das Buch von Edwards kann man als kommentierte Ausgabe bei Desiring God kostenlos herunterladen.

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