Warum hat Gott die Welt geschaffen?

Schuf Gott die Welt aus einem Mangel heraus – weil er die Menschen irgendwie brauchte? Oder schuf Gott die Welt, weil er ein Quell so voll an Güte und Herrlichkeit ist, daß er geneigt war, überzufließen und dadurch noch mehr verherrlicht zu werden? Jonathan Edwards gibt die Antwort darauf in seinem Buch „The End for Which God Created the World„:

Weil es eine unendliche Fülle alles Guten in Gott gibt – eine Fülle jeder Vollkommenheit und Schönheit und unendlicher Freude – und weil seine Fülle mitgeteilt oder nach außen gestrahlt werden kann, so scheint es, daß es in sich passend und würdig ist, daß dieser unendliche Quell alles Guten seine reichen Ströme aussendet. Und weil das in sich selbst vortrefflich ist, so ist ein Neigung dazu bei Gott eine ausgezeichnete Neigung. Solch eine Ausstrahlung des Guten ist in gewisser Hinsicht eine Multiplikation desselben. Wenn die Ströme in gewisser Hinsicht von einem Quell unterschieden werden können, so können sie als Zunahme dessen Güte angesehen werden. Wenn die Fülle des Guten, die in einem Quell ist, in sich selbst vortrefflich ist, dann auch dessen Ausstrahlung, die als Wiederholung und Multiplikation auch vortrefflich ist. Deswegen ist es angemessen, wenn es einen unendlichen Quell von Licht und Erkenntnis gibt, daß dieses Licht in Strahlen ausgesendet werde, die Erkenntnis und Verstehen schenken; und wenn es einen unendlichen Quell von Heiligkeit, moralischer Vortrefflichkeit und Schönheit gibt, daß dieser überfließt und diese Heiligkeit mitteilt. Und wenn es eine Fülle von Freude gibt, daß diese ausstrahlt und als Quell in reichen Strömen überfließt, wie die Strahlen der Sonne. Deshalb scheint es vernünftig zu sein anzunehmen, daß es Gottes oberstes Ziel war, daß es ein herrliche und reiche Ausstrahlung seiner unendlichen Fülle des Guten nach außen gäbe und deshalb war es seine Neigung, diese Fülle mittzuteilen, die ihn dazu bewog, die Welt zu schaffen.

Es ging Gott also darum, seine unendliche Fülle auszubreiten und mitzuteilen. Deshalb schuf er verstandesmäßige Geschöpfe, die diese Fülle erkennen und mit ihren Herzen genießen und ihn lobpreisen können. Edwards macht an dieser Stelle nochmal ausdrücklich klar: Es ist kein Argument für den Mangel eines Quells, daß er geneigt ist, überzufließen. Gott mußte die Menschen nicht schaffen, weil er sie brauchte, sondern er war so voller Herrlichkeit und Vortrefflichkeit, daß es angemessen war, diese auszustrahlen und mitzuteilen.

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