Uneingelöste Versprechen

Os Guinness macht in seinem Buch „Asche des Abendlandes“ eine sehr treffende Analyse des Humanismus. Dieser konnte seine hochfliegenden Versprechen niemals einlösen.

Ehre dem Menschen in der Höhe, dem Schaffer und Meister der Dinge. A.C. Swinburne

Alle Probleme des Menschen wurden von ihm selbst geschaffen und können auch von ihm selbst gelöst werden. John F. Kennedy

Eine große Hoffnung stützte sich dabei auf die Technik, die J.R.R. Tolkien die Magie des modernen Menschen nannte. Aber Technik kann nur die äußeren Begleitumstände des Lebens verbessern, niemals die Kernfragen unseres Herzens beantworten, noch unsere Kernprobleme lösen.

Mich erinnern diese falschen Versprechen an die Situation während der Wiedervereinigung in Deutschland. Altkanzler Helmut Kohl versprach den neuen Bundesländern damals:

Durch eine gemeinsame Anstrengung wird es uns gelingen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Sachsen und Thüringen schon bald wieder in blühende Landschaften zu verwandeln, in denen es sich zu leben und zu arbeiten lohnt.

In gewisser Hinsicht hat er natürlich Recht gehabt. Unsere äußeren Umstände haben sich verbessert. Aber die Bürger verbanden damals mit der freien Marktwirtschaft eine Hoffnung, die fast transzendente Dimensionen hatte. Blühende Landschaften standen für die umfassende Befreiung von Problemen und der Eintritt in eine neue Art des Seins.

Das kann natürlich weder ein Wirtschaftssystem (Kapitalismus oder Sozialismus) noch eine philosophische Schule (Humanismus und Aufklärung) bewerkstelligen. Das schafft nur Gott selbst, der sich bei seinen Versprechen niemals übernimmt.

Man muß natürlich bedenken, daß selbst Gott uns nie ein absolut sorgenfreies Leben verheißen hat. Aber er hat uns auf Grundlage seiner Verheißungen und aufgrund seiner Rettungstat im Evangelium eine begründete Hoffnung gegeben. Das ist etwas ganz anderes als ein blinder Fortschrittsglaube, der gegen jeden Hinweis auf das Gegenteil an blühende Landschaften in der menschlichen Seele glaubt, wenn sich nur die Technik, die wirtschaftlichen Umstände oder gar der Mensch selbst weiterentwickelt.

Gott sagt seinen Gläubigen zu:

Ich will dich nicht aufgeben und dich niemals verlassen! Hebräer 13:5

Im griechischen Grundtext des Neuen Testaments stehen an dieser Stelle fünf Verneinungen. Gott kann und wird uns nicht verlassen. Und selbst wenn sein unverbrüchliches Wort nicht genügen sollte, dann haben wir eine noch gewissere Hoffnung durch seine vollbrachte Tat. Er gab seinen eigenen Sohn für uns, um für unsere Schuld am Kreuz zu sterben. Dadurch hat er seine Liebe zu uns und seine Fürsorgebereitschaft auf eine Weise bewiesen, die größer und besser nicht hätte sein können.

Auf diesen Gott können wir uns verlassen und werden im Gegensatz zu den Versprechen weltlicher Ideologien niemals enttäuscht werden.

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