War der Tod Jesu ein Sühneopfer?

Wie Ron Kubsch in einem kürzlich erschienen Blogeintrag betonte, wird der Gedanke an das Sühneopfer Jesu Christi heute immer mehr hinterfragt, um nicht zu sagen bestritten. Deshalb stellt sich die Frage, wie Jesus selbst eigentlich seine Mission auffaßte. Warum war er auf die Erde gekommen? War der Tod am Kreuz nur ein unvorhergesehener Einschnitt auf seinem Weg, die Gemeinde zu bauen und ihr ein moralisches Vorbild zu liefern? Oder war er gekommen, um sein Leben für seine Schafe zu geben?

Gleichwie der Vater mich kennt und ich den Vater kenne; und ich lasse mein Leben für die Schafe. Und ich habe noch andere Schafe, die nicht aus dieser Schafhürde sind; auch diese muß ich führen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte sein. Darum liebt mich der Vater, weil ich mein Leben lasse, damit ich es wieder nehme. Niemand nimmt es von mir, sondern ich lasse es von mir aus. Ich habe Vollmacht, es zu lassen, und habe Vollmacht, es wieder zu nehmen. Diesen Auftrag habe ich von meinem Vater empfangen. Johannes 10:15-18

Eine Schlüsselstelle, um diese Frage zu beantworten, ist das Abendmahl, das der Herr kurz vor seinen Tod mit den Jüngern feierte. Andreas Köstenberger (in Thomas Schreiner – The Lord’s Supper) hat überzeugend gezeigt, daß Jesus an dieser Stelle tatsächlich ein Passahmahl mit seinen Jüngern feierte, es aber radikal umdeutete, indem er auf sich selbst verwies als Lamm, das geschlachtet werden muß.

Als sie nun aßen, nahm Jesus das Brot und sprach den Segen, brach es, gab es den Jüngern und sprach: Nehmt, eßt! Das ist mein Leib. Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen denselben und sprach: Trinkt alle daraus! Denn das ist mein Blut, das des neuen Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Ich sage euch aber: Ich werde von jetzt an von diesem Gewächs des Weinstocks nicht mehr trinken bis zu jenem Tag, da ich es neu mit euch trinken werde im Reich meines Vaters! Und nachdem sie den Lobgesang gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg. Da spricht Jesus zu ihnen: Ihr werdet in dieser Nacht alle an mir Anstoß nehmen; denn es steht geschrieben: „Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe der Herde werden sich zerstreuen“. Matthäus 26:26-31

Das Brot symbolisierte den Leib Jesu, den er für die Jünger hingeben würde. Er hatte schon früher davon gesprochen, daß er das Brot der Welt sei und daß dieses Brot sein Leib sei, den er geben werde für das Leben der Welt (Johannes 6:51). Damit macht Jesus ausdrücklich klar, daß der Tod am Kreuz nicht etwas sein werde, daß ihm widerfährt, sondern etwas, das er sucht, ja wo er bewußt sein Leben für die Jünger lassen wird.

Beim Trinken des Weinkelches erklärt Jesus die Bedeutung seines Todes noch eindrücklicher. Er gründet durch sein Blut einen neuen Bund. Es wird vergossen werden, um die Vergebung der Sünden zu bewirken. So wie beim ursprünglichen Passahfest das Lamm geschlachtet und sein Blut an die Türpfosten angebracht wurde, um die Familie vor dem Todesengel zu retten, so rettet nun das Blut Jesu vor dem Zorn Gottes. Die Geschichte des Passahfestes ist in 2. Mose 12 aufgezeichnet.

Schließlich fügt Jesus sogar noch einen dritten Hinweis hinzu, wie sein Tod zu verstehen sei. Er zitiert Sacharja 13:7, wobei er den alttestamentlichen Vers so verändert, daß nicht ein unpersönliches Schwert den Hirten schlägt, sondern Gott selbst. Damit macht er noch einmal unmißverständlich klar, daß sein Tod ein Wirken Gottes ist. Gott selbst gibt seinen Sohn als Sühneopfer dar und läßt dessen Kreuzigung zu.

Ja, wahrhaftig, gegen deinen heiligen Knecht Jesus, den du gesalbt hast, haben sich Herodes und Pontius Pilatus versammelt zusammen mit den Heiden und dem Volk Israel, um zu tun, was deine Hand und dein Ratschluß zuvor bestimmt hatte, daß es geschehen sollte. Apostelgeschichte 4:27-28

Wer den Sühnecharakter des Todes Jesu leugnet, der leugnet die klaren Aussagen der Heiligen Schrift aus dem Munde des Retters selbst. Er entwertet auch das hochheilige Sakrament der christlichen Kirche, das eine ewige Erinnerung an sein Sühnewerk darstellt. Aber am schlimmsten von allem, er entwertet die Herrlichkeit der Liebe Gottes, die sich genau darin äußert, daß er seinen Sohn für uns dahingegeben hat.

Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verlorengeht, sondern ewiges Leben hat. Johannes 3:16

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