Ein gerechter Krieg

Die Ethik des gerechten Krieges besagt, daß Krieg manchmal notwendig ist, um ungerechte Handlungen abzuwehren, die eine Regierung oder eine Nation gegen eine andere unternimmt, aber sie besteht auch darauf, daß Krieg immer bedauerlich ist, immer so weit es geht vermieden werden sollte und niemals eingesetzt werden sollte, um die neue Vision einer sozialen Ordnung durchzusetzen.

Die Tradition des gerechten Krieges erwächst aus biblischen und klassischen Quellen. In der Bibel finden sich Prinzipien für einen gerechten Krieg in den Regeln, die offenbart wurden, als es darum ging, einem Gegner außerhalb der Grenzen des Verheißenen Landes zu begegnen (5. Mose 20:1-20), im Gericht Gottes über die Kriegsverbrechen anderer Völker (Amos 1) und im Bezug Jesu auf die moralische Weisheit, mit der Könige Krieg führen (Lukas 14:31).

Die neutestamentliche Gemeinde bestand aus vielen Soldaten, die im aktiven Dienst standen, und es sah keinen Widerspruch darin, daß Christen als Militärpersonal dienten. Die Bekehrung von Kornelius, ein römischer Centurion, wurde durch den Heiligen Geist bestätigt, ohne daß sein Beruf in Frage gestellt wurde, daß er seinen Glauben kompromittiert (Apostelgeschichte 10). Johannes der Täufer reagierte auf Soldaten in einer Art und Weise, die andeutete, daß sie in einem moralisch legitimen Beruf dienten (Lukas 3:14). Als Paulus in Rom gefangen gehalten wurde, kamen viele der Prätorianischen Garde zum Glauben (Philipper 1:13). Später dienten viele Christen in den römischen Festungen, militärischen Lagern und Armeen (siehe Tertullians Apologie 37, ca. im Jahr 200). Die ersten Verfolgungen der Kirche rührten daher, daß es eine hohe Zahl christlicher Soldaten gab. Obwohl einige frühe Christen den Militärdienst ablehnten (z.B. Tertullian und Origenes), erachtete die Mehrheit der Kirche den Militärdienst nie als inkompatibel zu biblischen Normen.

Über die Zeit hat hat sich eine Ethik des gerechten Krieges herausgebildet, die Kriterien festlegt, die helfen können zu entscheiden, ob es richtig ist, in einer spezifischen Situation einen Krieg zu führen. Darunter sind die folgenden:

  1. Ein gerechter Grund (Ist der Grund, warum man Krieg führt, ein moralisch richtiger Grund, wie z.B. die Verteidigung einer Nation? siehe Offenbarung 19:11)
  2. Eine kompetente Autorität (Wurde der Krieg nicht nur von einer kleinen Gruppe innerhalb einer Nation erklärt, sondern von einer anerkannten, kompetenten Autorität innerhalb der Nation? siehe Römer 13:1)
  3. Komperative Gerechtigkeit (Es sollte klar sein, daß die Handlungen des Gegners moralisch falsch sind, und die eigenen Motive und Handlungen im Vergleich moralisch richtig. siehe Römer 13:3)
  4. Eine richtiges Ziel (Ist der Zweck des Krieges der Schutz von Gerechtigkeit anstatt einfach eine andere Nation auszubeuten und zu zerstören? siehe Sprüche 21:2)
  5. Das letzte Mittel (Wurden alle anderen Mittel, um den Konflikt beizulegen, ausgeschöpft? siehe Matthäus 5:9; Römer 12:18)
  6. Wahrscheinlichkeit des Erfolges (Gibt es eine begründete Erwartung, daß der Krieg gewonnen werden kann? siehe Lukas 14:31)
  7. Proportionalität der erwarteten Ergebnisse (Werden die gute Ergebnisse, die aus einem Sieg fließen, den Schaden, der unweigerlich aus einem Krieg folgt, wesentlich überwiegen? siehe Römer 12:21 und 13:4)
  8. Die richtige Einstellung (Wird der Krieg zögerlich begonnen und mit Trauer über den Schaden, der erwartet wird, anstatt sich über einen Krieg zu freuen? siehe Psalm 68:31)

Zusätzlich zu diesen Kriterien, die darüber entscheiden, ob ein spezifischen Krieg „gerecht“ ist, haben die Vertreter der Theorie eines gerechten Krieges moralische Beschränkungen entwickelt, die begrenzen, wie ein gerechter Krieg geführt werden kann. Dazu zählen:

  1. Proportionalität im Einsatz von Gewalt (Es sollte keine größere Zerstörung hinzugefügt werden, als zum Gewinn des Krieges notwendig ist. siehe 5. Mose 20:10-12)
  2. Unterscheidung zwischen Kämpfern und Nichtkämpfern (Soweit es möglich ist, sollte Nichtkämpfern kein Schaden zugefügt werden. 5. Mose 20:13-14,19-20)
  3. Vermeidung von bösen Mitteln (Werden Gefangene und Besiegte mit Gerechtigkeit und Mitgefühl behandelt bzw. werden die eigenen Soldaten, die gefangen genommen wurden, gerecht behandelt? siehe Psalm 34:15)
  4. guter Glaube (Gibt es ein echtes Verlangen nach Wiederherstellung des Friedens und dem späteren Zusammenleben in Harmonie mit der angreifenden Nation? siehe Matthäus 5:43,44; Römer 12:18)

Wenn ein Krieg gerecht ist, dann sollte er nicht als moralisch falsch angesehen werden, sondern als etwas, daß moralisch richtig ist, daß (mit Trauer und Bedauern) als Gehorsam gegenüber der Verantwortung, die von Gott gegeben worden ist, ausgeführt wird (Römer 13:4). Diejenigen, die in einem gerechten Krieg dienen, sollten verstehen, daß dieser Dienst nicht sündhaft in den Augen Gottes ist, sondern daß sie als „Gottes Diener zu deinem Besten“ (Römer 13:4; siehe Lukas 3:14; Johannes 15:13; auch 4. Mose 32:6,20-23; Psalm 144:1) agieren.

Die meisten Nationen in der Menschenheitsgeschichte und die meisten Christen gingen davon aus, daß Kriegshandlungen eine Verantwortung darstellen, die nur an Männer fallen sollte, und daß es der ganzen Idee der Weiblichkeit widerspricht, und auch eine Schande für eine Nation ist, wenn Frauen ihr Leben als Kämpfer in einem Krieg riskieren. Die Annahme, daß nur Männer und keine Frauen in einem Gefecht kämpfen sollten, ist ein verbreitetes Muster in den geschichtlichen Erzählungen und wird von den Führern und Propheten im Alten Testament bestätigt (siehe 4. Mose 1:2-3; 5. Mose 3:18-19; 20:7-8, 24:5; Josua 1:14; 23:10; Richter 4:8-10; 9:54; 1. Samuel 4:9; Nehemia 4:13-14; Jeremia 50:37; Nahum 3:13).

Quelle: ESV Study Bible, War

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