Eine Reform des Islams?

Gegen Ende seines Lebens, als er sah, daß seine Bekehrungsversuche gegenüber den Juden und Christen in seiner Umgebung erfolglos blieben, erließ der Prophet Muhammad folgenden Befehl:

Vertreibt die Götzenanbeter von der arabischen Halbinsel. Sahih al-Bukhari 3168

In einer anderen Aussage setzte er sich diese Aufgabe selbst:

Ich werde die Juden und die Christen von der arabischen Halbinsel vertreiben, und werden niemanden als Muslime übriglassen. Sahih Muslim 1767a

Ich stimme dem Islamkritiker Hamed Abdel-Samad zu. Eine Reform des Islams muß anders ablaufen als die Reformation in Europa. Diese war geprägt von einer Rückkehr zu den ursprünglichen Texten, wodurch die Mißbräuche der Kirche und ihre Macht bekämpft werden konnte. Wenn der Islam zu seinen ursprünglichen Texten zurückkehren würde, was Salafisten ja schon seit Jahrzehnten anstreben, dann wird er nur noch radikaler und menschenverachtender.

Eine Reform des Islams, die zu mehr Freiheit sowohl für Muslime aber besonders auch für Nichtmuslime führt, kann nur dadurch erfolgen, daß man sich von den Ursprungstexten immer mehr entfernt. Das werden viele traditionelle Muslime bzw. die Institutionen, die sie vertreten, nicht mitmachen wollen. Deshalb warnt Abdel-Samad in seinem Buch „Der Untergang der islamischen Welt“ davor, daß Salafisten so lange versuchen werden, die ursprüngliche Version des Islams umzusetzen, bis das Ganze in einer unvorstellbaren Schreckensherrschaft ähnlich dem dritten Reich untergeht. Erst dann wird die Mehrzahl der Muslime den Mut haben, sich vom Koran und der islamischen Tradition zu distanzieren.

Ich hoffe, daß die Reformstimmen eines Abdel-Samads, aber auch von Muslimen, die sich zum Christentum bekehrt haben oder zu einer humanistischen Weltanschauung, noch vorher gehört werden.

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