Worauf es bei einer theologischen Ausbildung ankommt

Als sie aber die Freimütigkeit von Petrus und Johannes sahen und erfuhren, dass sie ungelehrte Leute und Laien seien, verwunderten sie sich; und sie erkannten, dass sie mit Jesus gewesen waren. Apostelgeschichte 4:13

In diesem Vortrag geht Iain Murray darauf ein, welche Qualitäten die Puritaner bei einem Prediger des Evangeliums schätzten.

Gleich im ersten Punkt behandelt er das schwierige Thema der theologischen Ausbildung. Die Puritaner schätzten Bildung. John Owen und viele andere sind ein eindrückliches Beispiel dafür. Aber sie wußten auch, daß wahre Bildung nur vom Geist Gottes kommt (1. Korinther 2) und durch intensiven Umgang mit dem Wort Gottes (Psalm 1). Außerdem waren sie sich im Klaren, daß die Ausbildung eines Predigers im Allgemeinen von der Welt nicht geschätzt wird, weil sie das Evangelium ablehnt.

Es ist mein Eindruck, daß die Puritaner weniger der Verführung erlegen waren, für die theologische Ausbildung ihrer Prediger unbedingt staatliche Anerkennung zu bekommen. Sie wußten um die Gefallenheit der Welt und die Unfähigkeit des natürlichen Menschen, geistliche Dinge beurteilen zu können. Ich beobachte, daß da wo biblische Ausbildungsstätten nach staatlicher Anerkennung streben, über kurz oder lang der Staat die Inhalte der theologischen Ausbildung bestimmt und nicht mehr der Geist Gottes, der durch das Wort Gottes wirkt.

Außerdem war den Puritanern bewußt, daß die wichtigsten Eigenschaften eines Predigers – Gottesfurcht, Treue, Vertrautheit mit dem Wort Gottes – zumeist nicht durch die gleiche Ausbildung vermittelt werden, wie sie sonst in den Schulen zu geschehen pflegt. Ein Prediger braucht persönliche Schulung (2. Timotheus 2:2), intensive Beschäftigung mit dem Wort Gottes (2. Timotheus 2:15) sowie Anfechtung (2. Timotheus 3:10,11).

Alle weiteren Kenntnisse (Griechisch und Hebräisch, Kirchengeschichte, Predigtlehre) sind wichtig, können aber nie die oberen Merkmale ersetzen und sollten sie nie verdrängen. Sobald eine Ausbildungsstätte nach staatlicher Anerkennung strebt, passiert tendenziell aber genau das. Denn der Staat schätzt weder das Wort Gottes noch hat er ein Verständnis dafür, wie Gott durch seinen Geist und durch Leiden seine Diener formt.

Ich plädiere dafür, daß wir die theologische Ausbildung wieder stärker an die Ortsgemeinde anbinden. Nur dort steht der Auszubildende unter Rechenschaft und Aufsicht, die gewährleistet, daß nicht nur seine akademischen Fähigkeiten zunehmen, sondern auch seine Vertrautheit mit dem Wort Gottes und sein christlicher Charakter.

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