Himmelfahrt – Die unterschätzte Lehre

R.C. Sproul erwähnt in diesem Vortrag über die Heiligkeit Gottes, daß die glorreiche Himmelfahrt unseres Herrn Jesus in unseren theologischen Reflektionen viel zu wenig Beachtung findet. Dabei handelt es sich um seine Einsetzung als König.

Im Buch Daniel wird dieser Krönung folgendermaßen angekündigt:

Ich sah in den Nachtgesichten, und siehe, es kam einer mit den Wolken des Himmels, gleich einem Sohn des Menschen; und er gelangte bis zu dem Hochbetagten und wurde vor ihn gebracht. Und ihm wurde Herrschaft, Ehre und Königtum verliehen, und alle Völker, Stämme und Sprachen dienten ihm; seine Herrschaft ist eine ewige Herrschaft, die nicht vergeht, und sein Königtum wird nie zugrundegehen. Daniel 7:13-14

Auf dieses Bild spielt Jesus jedes Mal an, wenn er den Titel „Sohn des Menschen“ gebraucht. Es geht ihm dabei weniger um seine Menschlichkeit, als um seine erhobene Stellung als Messias und die Verheißung an ihn, alle Herrschaft, Ehre und Königtum zu erhalten. Diese Verheißung wird durch seine Himmelfahrt Realität. Jesus tröstet die Jünger damit, daß er nun zu seiner rechtmäßigen Stellung beim Vater auffährt.

Jesus spricht zu ihr: Rühre mich nicht an, denn ich bin noch nicht aufgefahren zu meinem Vater. Geh aber zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott. Johannes 20:17

Das Verständnis für die Erhöhung Jesus – mit allem Trost und mit aller Gewißheit, die das beinhaltet – spiegelt sich in den ersten Predigten der Apostelgeschichte wider.

Diesen hat Gott zum Fürsten und Retter zu seiner Rechten erhöht, um Israel Buße und Vergebung der Sünden zu gewähren. Apostelgeschichte 5:31

Der erste Märtyrer Stephanus blickte auf den Erhöhten Messias-König und erlangte Trost und Gewißheit in seiner schwersten Stunde.

Er aber, voll Heiligen Geistes, blickte zum Himmel empor und sah die Herrlichkeit Gottes, und Jesus zur Rechten Gottes stehen; und er sprach: Siehe, ich sehe den Himmel offen und den Sohn des Menschen zur Rechten Gottes stehen! Apostelgeschichte 7:55-56

Schließlich findet sich die Himmelfahrt und die damit verbundene Krönung Jesu bei der reifen theologischen Reflektion des Apostels Paulus im Philipperbrief wider. Nachdem er die Gemeinde zur Demut aufruft und die Fleischwerdung Jesu zum Vorbild nimmt, geht er auf dessen anschließende Erhöhung ein.

Darum hat ihn Gott auch über alle Maßen erhöht und ihm einen Namen verliehen, der über allen Namen ist, damit in dem Namen Jesu sich alle Knie derer beugen, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen, daß Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters. Philipper 2:9-11

Viele reformierte Missionare, darunter William Carrey, John Eliot und John Paton, waren erfüllt von dem Bewußtsein des erhöhten Christus, der jetzt aktiv über alle Reiche der Welt herrscht und sein Königreich baut. Dieses Bewußtsein verlieh ihnen die Kraft und das Vertrauen, in schwierigste und entlegenste Gegenden zu gehen und dort das Evangelium zu verkünden. Cotton Maher, ein puritanischer Theologe aus dem frühen Amerika, nannte seine Kirchengeschichte „Magnalia Christi Americana“ – „Die großen Taten Christi in Amerika“.

Wenn wir neuen Eifer für Mission in Deutschland und weltweit bekommen wollen, dann müssen wir uns mit diesem Aspekt des Evangeliums mehr beschäftigen: die Erhöhung und Krönung unseres Herrn.

Krönt Jesus, unsern Herrn, der Frieden uns gebracht
und dessen Zepter allem Streit der Welt ein Ende macht.
Das Reich ist ewig sein, das wir im Glauben sehn;
bekennen wird es jeder Mund, wenn wir dort vor ihm stehn.

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