Ohne Unterweisung leben Christen wie Säue

Als Martin Luther durch das Nachsinnen über Römer 1:16,17 zum Glauben an das Evangelium durchgestoßen war, dachte er zunächst, daß es von nun an ausreichen würde, allein das Evangelium zu verkünden, um die Menschen zu Christus zu führen und sie im Glauben zu erhalten. Außerdem ging er davon aus, daß Jesus bald wiederkommen werde und er Teil der endzeitlichen Erneuerung der Gemeinde sei. Als er merkte, daß beides nicht zutraf, begann er umzudenken. Er merkte, daß neben der Verkündigung des Evangeliums noch die gezielte Unterweisung der Gläubigen vonnöten ist, damit diese wirklich im Glauben an Christus gegründet werden und an praktischer Gottesfurcht zunehmen. Deshalb verfaßte er den kleinen Katechismus, in dessen Vorrede er auf sein Umdenken eingeht.

Diesen  Katechismus  oder  christliche  Lehre  in  eine  solche  kleine,  schlichte,  einfache  Form  zu bringen,  hat  mich  die  klagenswerte,  elende  Not  gezwungen  und  gedrungen,  die  ich  neulich erfahren  habe,  als  ich  auch  Visitator  war.  Hilf,  lieber  Gott,  wie  viel  Jammer  habe  ich  da gesehen!  Der  ungelehrte  Mann  weiß  doch  gar  nichts  von  der  christlichen  Lehre,  besonders auf  den  Dörfern,  und  viele  Pfarrer  sind  sehr  ungeschickt  und  untüchtig  zu  lehren.  Und  doch wollen  sie  alle  Christen  sein,  getauft  sein  und  die  heiligen  Sakramente  genießen,  obwohl  sie weder  das  Vaterunser  noch  das  Glaubensbekenntnis  oder  die  Zehn  Gebote  kennen, sondern  sie  leben  dahin  wie  das  liebe  Vieh  und  wie  unvernünftige  Säue.  Und  jetzt,  wo  das Evangelium  hingekommen  ist,  da  haben  sie  fein  gelernt,  alle  Freiheit  meisterhaft  zu missbrauchen!

Luther mußte schmerzlich erfahren, daß es nicht ausreicht, einzig auf die Verkündigung von der Kanzel zu setzen. Die Gemeinde braucht darüber hinaus intensive Katechese bzw., um einen modernen Begriff zu gebrauchen, Jüngerschaftstraining. Das Vorbild dazu ist der Apostel Paulus. Er verkündigte Christus, hatte dazu aber die Leidenschaft, jeden Menschen zu ermahnen und zu lehren, um ihn vollkommen in Christus darzustellen.

Ihn verkündigen wir, indem wir jeden Menschen ermahnen und jeden Menschen lehren in aller Weisheit, um jeden Menschen vollkommen in Christus Jesus darzustellen. Kolosser 1:28

Wir müssen uns überlegen, wie wir diese intensive Unterweisung wieder Teil unseres Gemeindedienstes werden lassen. Hilfreiche Anregungen dazu stehen in dem Buch „Das Spalier und der Weinstock„.

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