Augustinus verteidigt die Heilige Schrift gegen den großen Hieronymus

Obwohl Hieronymus in der alten Kirche sehr geachtet war, zögerte Augustinus nicht, ihn zurechtzuweisen, als er merkte, daß er das Wort Gottes verdrehte.

Auch habe ich einige Schriften über die Briefe des Apostels Paulus gelesen, deren Verfasser du sein sollst. Bei der Erklärung des Galaterbriefes bist du auch an jene Stelle gekommen, wo der Apostel Petrus vor verderblicher Verstellung gewarnt wird. Daß hier nun ein so berühmter Mann wie du oder ein anderer, wenn ein anderer jene Schriften verfaßt hat, eine Verteidigung der Lüge unternommen hat, das macht mir, ich gestehe es, so lange heftigen Schmerz, bis meine Gegengründe widerlegt werden, wofern dies etwa möglich ist.

Hieronymus deutete die Auseinandersetzung zwischen Petrus und Paulus im Galaterbrief so, daß Paulus den Apostel Petrus nicht wirklich zurechtweisen wollte, sondern nur die Heiden besänftigen wollte. Er hatte angeblich nicht wirklich etwas dagegen, daß Petrus sich vom Mahl mit den Heiden zurückzog, sondern tat nur so, um die Situation zu entschärfen.

Augustinus erkannte richtig, daß wenn man so vom klaren Wortlaut der Bibel abrückt, man auch andere Stellen vollkommen verdrehen kann.

Was werden wir dann antworten, wenn sich, wie der Apostel selbst vorausgesagt hat, die Ketzer erheben, die die Ehe verbieten, und behaupten, alles, was derselbe Apostel zur Bekräftigung des Eherechts gesprochen habe, sei nur wegen der Personen gelogen worden, die aus Liebe zur Ehe hätten aufsässig werden können; es sei dies also nicht seine wirkliche Meinung gewesen, sondern er habe damit nur seine Gegner besänftigen wollen?

Hier macht Augustinus deutlich was passiert, wenn wir uns vom Wort-Sinn und von einer bibeltreuen Auslegung des Textes verabschieden und den Schreibern irgendwelche geheimen Motive unterstellen oder besondere Hintergründe annehmen, warum sie so oder so geschrieben haben. Die Auslegung wird dadurch vollkommen willkürlich und wir können klare Texte ins ganze Gegenteil verdrehen. Bei Hieronymus wird die deutliche Zurechtweisung des Paulus (Galater 2:14) plötzlich zu einer geheimen Gutheißung des Verhaltens des Petrus.

Auf sehr ähnliche Weise verdrehen heute geachtete Bibellehrer die klaren Stellen der Schrift zu den Geschlechterrollen und zur Sexualethik. Indem sie dem Paulus bestimmte, im Text nicht klar ersichtliche, Motive unterstellen, kehren sie seine Aussagen geradewegs ins Gegenteil um. Paulus habe die Homosexualität nicht ablehnen wollen, sondern nur die Zügellosigkeit. Er hätte nichts dagegen, daß Frauen lehren, sondern wollte nur bestimme Frauen in Ephesus und Korinth zurückhalten.

Das Bespiel des großen Augustinus macht uns Mut, vor keinem auch noch so geachteten Bibellehrer halt zu machen, der sich erdreistet, das Wort Gottes zu verdrehen. Dabei geht es nicht um kleinere Lehrunterschiede, sondern um eine bewußte Verdrehung der Heiligen Schrift aus niederen Beweggründen.

Haben wir den Mut, für die Klarheit und die Autorität der Heiligen Schrift zu kämpfen! Wir stehen alle in der Versuchung, sie nicht da klar zu uns sprechen zu lassen, wo sie uns oder eine geliebte Meinung von uns hinterfragt. Deshalb ist Sola Scriptura ein Gemeinschaftsprojekt, für das wir die ganze Gemeinde Gottes brauchen.

Ermahnt einander vielmehr jeden Tag, solange es „Heute“ heißt, damit nicht jemand unter euch verstockt wird durch den Betrug der Sünde! Hebräer 3:13

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