Die Schönheit der Tugend

Tugend ist ein Wort, das wir nur noch sehr selten gebrauchen. Jemand als tugendhaft zu bezeichnen, hört sich fremd an. Das liegt daran, daß wir der Ethik und dem moralischen Handeln keinen hohen Wert mehr beimessen. Ethik verbinden wir mit Pflicht und von der Pflicht wollen wir uns möglichst befreien. An dieser einseitigen Sicht auf die Ethik ist u.a. Immanuel Kant schuld, der das pflichtgemäße Handeln betonte.

Einen anderen Zugang zur Ethik hatte Jonathan Edwards. In seinem Buch „The Nature of True Virtue“ vergleicht er Tugend mit der Schönheit des Herzens. Sie bestehe nicht vornehmlich aus Pflichterfüllung, sondern aus Liebe zu Gott und den Menschen.

Deshalb, wenn wir danach fragen, was das Wesen wahrer Tugend ist, worin die wahre und allgemeine Schönheit des Herzens besteht – dann beantworte ich diese Frage so: Wahre Tugend ist wesenshaft die Liebe zu Gott. Oder, um genauer zu sprechen, sie ist die Zustimung, Neigung und Einheit des Herzens mit Gott, die sich unmittelbar in allgemeinem Wohlwollen äußert.

Für Edwards kommt es also bei der Tugend auf das Herz an, und zwar auf die Einstellung des Herzens. Tugendhaft ist der, dessen höchste Neigung des Herzens auf Gott gerichtet und dessen Herz mit Liebe zu Gott erfüllt ist. Die unmittelbare Folge davon wird sein, daß er eine allgemeine Liebe zu allen Lebenwesen empfindet, besonders aber zu denen, die das Ebenbild Gottes tragen.

Tugend kann etwas wunderschönes sein, denn sie ist ein Ausdruck für die Schönheit des Herzens. Wir können einen Menschen als tugendhaft bezeichnen, wenn sein Herz ganz auf Gott ausgerichtet und in Folge dessen mit einer allgemeinen Liebe zu allen Menschen erfüllt ist. Ein solcher Mensch hat ein schönes Herz.

Kommentar verfassen