Gewalt im Islam und im Christentum

Mir begegnet in Gesprächen immer wieder der Einwand, daß das Christentum doch auch eine Geschichte der Gewalt hätte und damit dem Islam gar nicht so unähnlich wäre. Außerdem rufe das Alte Testament doch sehr deutlich zu Krieg und Mord auf.

Auf diesen Einwand reagiere ich meistens in drei Schritten:

  1. Jesus hat nie zu Gewalt aufgerufen, sondern sich immer offen davon distanziert.
    • „Mein Reich ist nicht von dieser Welt; wäre mein Reich von dieser Welt, so hätten meine Diener gekämpft, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde; nun aber ist mein Reich nicht von hier.“ Johannes 18:36

Kulturelles Christentum

Der Kirchentag zum 500. Reformationsjubiläum war wieder eine Erinnerung an das Phänomen „kulturelles Christentum“ und „bürgerliche Religion“. Im persönlichen Gespräch mit einigen Besuchern der Veranstaltungen, die wir im Rahmen des Kirchentages organisiert hatten (dt.-arab. Bibelarbeit und ein Vortrag zur Quantentheorie), stellte sich heraus, daß sie ihren „christlichen“ Glauben weitestgehend von der Bibel abkoppeln. Es besteht zum Teil gar nicht mehr der Anspruch, irgendwelche biblischen Belege für den eigenen Glauben zu finden, der schon längst nicht mehr biblisch ist. Man hat sich vollkommen damit abgefunden, daß man seinen christlichen Glauben nun selber definiert. In diesem Glauben gibt es keine Hölle, keine Erlösung und keine Auferstehung mehr.

Solschenizyns wichtigste Rede

Am 8. Juni 1978 hielt Alexander Solschenizyn seine wohl bekannteste Rede an der Universität Harvard, bei der er schonungslos die Schwächen des Westens aufdeckte. Ich denke, an seiner Analyse hat sich auch 2017 nichts geändert.

Ein zentraler Kritikpunkt von Solschenizyn ist, daß der Westen seine christlichen Wurzeln in Richtung eines sinnentleerten Humanismus und Konsumismus verlassen hat. Das hat zur Folge, daß es ihm sowohl an Mut als auch an einem Wertekompaß fehlt, die beide nur auf dem Boden starker (christlicher) Überzeugungen entstehen. Dadurch ist der Westen nicht mehr gewappnet, mit seinen Herausforderungen und seinen Gegnern (auch damals schon Terroristen) umzugehen.

Wahrheit und Toleranz im Christentum (SMD-Vortrag)

  • Das Christentum gehört zu den Religionen, die von sich beanspruchen wahr zu sein.
    • 6 Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater als nur durch mich! (Johannes 14:6)
  • Dadurch eckt es in einer pluralistischen Gesellschaft natürlich an.
    • Eine pluralistische Gesellschaft sagt: Es ist ok, wenn du deine religiöse Überzeugung hast, solange du sie privat läßt.
    • Damit muß man sich als religiöser Mensch im öffentlichen Leben oft einem atheistischen Weltbild unterwerfen, welches zunehmend aggressiver wird.

Christentum ohne Christus

In seinem grundlegendem Werk „Christless Christianity“ bespricht Michael Horton die religiöse Lage und die gelebte Spiritualität in Amerika. Seine zentrale These ist, daß das Evangelium von Jesus Christus vielfach ausgeklammert  und Gottesdienst als unser privater Dienst gegenüber und unsere persönliche Erfahrung von Gott verstanden wird, der unser Leben in einfachen how-to Schritten verändern möchte. Horton nennt das Werksgerechtigkeit. So wie die Juden versuchten, ihre eigene Gerechtigkeit vor Gott durch das Gesetz aufzurichten (siehe Römer 10:3), so versucht der moderne Evangelikalismus durch missionales Denken, praktische Theologie, postmodernen Gemeindebau und sucherfreundliche Gottesdienste aus eigenen Kräften Gottes Reich zu bauen und versteht das Christentum mehr als „moralistischen, therapeutischen Deismus“, statt als Leben durch, aus und hin zum Evangelium Jesu Christi.