Kulturelles Christentum

Der Kirchentag zum 500. Reformationsjubiläum war wieder eine Erinnerung an das Phänomen „kulturelles Christentum“ und „bürgerliche Religion“. Im persönlichen Gespräch mit einigen Besuchern der Veranstaltungen, die wir im Rahmen des Kirchentages organisiert hatten (dt.-arab. Bibelarbeit und ein Vortrag zur Quantentheorie), stellte sich heraus, daß sie ihren „christlichen“ Glauben weitestgehend von der Bibel abkoppeln. Es besteht zum Teil gar nicht mehr der Anspruch, irgendwelche biblischen Belege für den eigenen Glauben zu finden, der schon längst nicht mehr biblisch ist. Man hat sich vollkommen damit abgefunden, daß man seinen christlichen Glauben nun selber definiert. In diesem Glauben gibt es keine Hölle, keine Erlösung und keine Auferstehung mehr.

Auf der Suche nach dem verlorenem Wort

Der deutsche, lutherische Theologe Helmut Thielicke nimmt uns in diesem Buch mit in seine Reflektionen über das Luthertum in der Mitte des 20. Jahrhunderts in Deutschland. Er ist besorgt, daß das Wort Gottes im Gemeindebetrieb zunehmend in den Hintergrund rückt. Er ruft gerade die Pastoren dazu auf, einen echten, gelebten Glauben zu haben und nur aus dem zu predigen, was sie selber mit Gott erlebt und aus der Bibel erkannt haben. Außerdem kritisiert er die theologische Lehre an den Hochschulen, die oft mit der eigentlichen Arbeit in der Gemeinde wenig zu tun hat. Obwohl er selber nicht ganz frei ist, dem modernen Zeitgeist nachzugehen und zentrale biblische Inhalte an moderne Menschen anzupassen, hinterfragt er doch das Gebaren seiner Kirche, die in vorauseilendem Gehorsam noch viel schneller vorangegangen sei. Oft habe sie ihrer eigenen Zeit gar nichts mehr zu sagen, weil sie sich von ihren Zeitgenossen in Glaube und Leben so wenig unterscheide. Thielicke legt den Finger auf die Wunde, wenn er viele Pastoren und Gemeindeleiter dafür kritisiert, einfach mit dem Predigt- und Gemeindebetrieb weiterzumachen, obwohl der echte Glaube und die Liebe für das Wort Gottes schon längst erloschen sind. Als Ergebnis würde man nur allgemeine Moralpredigten über den Menschen halten, anstatt die konkreten Menschen in der Gemeinde anzusprechen und ihnen die Verbindung der biblischen Wahrheiten mit ihrem persönlichen Leben aufzuzeigen. Viele Kirchenerneuer würden nur mehr tote Liturgie einführen wollen, statt das Wort Gottes den Menschen nahezubringen.