Luthers letzte Predigt

kurz vor seinem Tode gehalten
am St. Matthiastage (15. Februar 1546)

25 Zu derselbigen Zeit antwortete Jesus und sprach: Ich preise dich, Vater und Herr Himmels und der Erde, daß du solches den Weisen und Klugen verborgen hast und hast es den Unmündigen offenbaret. 26 Ja, Vater, denn es ist also wohlgefällig gewesen vor dir. 27 Alle Dinge sind mir übergeben von meinem Vater. Und niemand kennet den Sohn denn nur der Vater; und niemand kennet den Vater denn nur der Sohn, und wem es der Sohn will offenbaren. 28 Kommet her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken! 29 Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. 30 Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht. (Matthäus 11,25-30)

Hypergrace

Es gibt eine neue Strömung in der evangelikalen Bewegung, welche die Gnade Gottes auf eine Weise einseitig betont, daß kein Raum mehr bleibt für einen echten Aufruf zur Nachfolge. Vertreter dieser Perspektive, die von ihren Kritikern als „hypergrace“ bezeichnet wird, sehen die Aufgabe des Gesetzes fast ausschließlich darin, unsere Schuld aufzudecken und uns zu Christus zu führen. Unser ganzes christliches Leben besteht nun darin, immer wieder unsere Schuld anzuerkennen und die Gnade Gottes im Evangelium in Anspruch zu nehmen.